Lutz Nowotny - ein Miraculix?
August 20th, 2006
Helmut W. Leicher meint, dass Wunder nötig sein werden, um aus Bad Vöslau ein konkurrenzfähiges “Produkt Kurstadt” zu machen. Zu viele Fehler seien gemacht worden.
Herr Nowotny hat`s offenbar gerne persönlich: zurechtweisend, besserwisserisch, ja präpotent. Einer durchaus berechtigten, ja unvollständigen Kritik des Kunsthistorikers Dr. Otmar Rychlik an der jahrzehntelangen städtebaulichen Fehlentwicklung von Bad Vöslau, die entscheidend zum Niedergang der ehemaligen Kurstadt beitrug, weiß er eine (lächerliche) Strafandrohung entgegenzusetzen. Selbst bis vor kurzem massiver Kritiker des Versagens der Stadtführung, sind durch seine endlich mögliche Teilhabe am Geschehen alle Probleme plötzlich winzigklein und mit einem unglaublich raffinierten „Wir sind Kurstadt“ aus der Welt zu schaffen.
Schnell den Freiheitsbrunnen ein wenig angehoben, ein Stamperl Vöslauer unter den Kolonnaden und „Gusto auf den Wald im Zentrum machen“, und schon stellt sich das notwendige Kurgefühl für alle ein. Man liest es und staunt.
Sollte Miraculix Nowotny tatsächlich den Zaubertrank gemixt haben, der architektonische Vergewaltigungen des Ortsbildes, Zerstörung historischer Substanz, Entwertung der Stadt durch die Unfähigkeit, in 20 Jahren ein neues Verkehrskonzept zu entwickeln, das die Abgas- und Lärmbelastung - ja, auch für das Kurzentrum! - ungeschehen macht ???
Sollte es sein, dass damit das zentrumsnahe hochrangige Biotop, der einmalige, ortsbildprägende Altbaumbestand auf dem Areal der ehemaligen Kammgarn-Gärtnerei, die einer rücksichtslosen Kurzentrums-Bauführung vor den Augen der Gemeindevertreter großteils zum Opfer fielen, wieder hergestellt werden und die mit rund 600.000 Euro öffentlichen Mitteln (davon 350.000 Euro aus Bad Vöslau!) gesponserte ökologische Wüste mit „ostalgischen“ Anmutungen wieder verschwindet?
Sollte es sein, dass Brunnen und Quellen, (von Witzmann bis Schlumberger), die 150 Jahre zuverlässig und reich erstklassiges Wasser spendeten und eben durch diese Rücksichtslosigkeit trocken fielen, wieder gefüllt werden?
Sollte es sein, dass der weiträumig abgesenkte Grundwasserspiegel mit allen seinen Folgen für die Ökologie und damit die Lebensqualität wieder hergestellt wird? (rund 400.000 Liter reinstes Grundwasser werden nach wie vor ohne jede Genehmigung Tag für Tag in den Kanal geleitet!)
Könnte es sein, dass man in Wahrheit dem Wasser, das angeblich für Bad Vöslau so wichtig ist (Wein - Wasser - Wald) in Wahrheit gar keine Bedeutung beimisst?
Und, sehr geehrter Herr Nowotny, sollte es sein, dass eben, weil diese wunderbaren Veränderungen von Ihrer Hand geschehen werden, Sie mit Recht in ihrem Brief vermuten, dass dies für Laien - eben auch für Kunsthistoriker Dr. Rychlik - nicht zu verstehen ist? Aber, wie Sie in Ihrem Schreiben tröstlich anzuführen wissen, für Fragen geringerer Wertigkeit als Wunder - z.B. „Positionierungsclaim . . . Werbung . . . Kurstadt-Relaunch usw.usw.“ ist ja immer noch der Herr Bürgermeister für „Erklärungen“ heranzuziehen. und „wohlwollend“ ist er ja außerdem . . . Na dann, Herr Nowotny, wenn Ihnen das so kompetent abgenommen wird, ham‘s ja wirklich freie Hand für Wunder. Und die sind wohl notwendig, um ein konkurrenzfähiges „Produkt Kurstadt“ zu generieren.
P.S. Aus Ihrem Brief an Rychlik: „Es gilt das Wir-Bewusstsein zu gestalten . . .“ Glauben Sie wirklich, dass Ihr Brief dazu geeignet ist?
P.P.S. Zum Slogan: „Wir sind Kurstadt“ ein Auszug aus Google:
wir sind das volk (1989, Berlin) – wir sind papst (deutschland)
wir sind pop-schweine (jan Delas neues Album) –
wir sind ja keine Obstverkäufer (bgld. BZÖ-sager)
wir sind schwanger (eltern.de) – wer sind wir (Psoriasis-Netzwerk)
und 10.000e weitere „wir“. Einfach beliebt.
frühere Artikel:
Sie leben in der Vergangenheit, Herr Dr. Rychlik
Kunsthistoriker contra Marketingexperte
Entry Filed under: bad vöslau, meinung

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