Fotografien aus Auschwitz
Oktober 31st, 2006
Fotografie: Alfred Marschner
„Es ging nicht um so genannte schöne Bilder. Es ging um die eigene innere Wahrheit.“ Unter der Anleitung von Badens Fotografin Sophie Lesch ließen sich acht Männer und Frauen im Alter von 23 bis 58 vom Thema Holocaust berühren. Vor Ort. In Auschwitz.
Seit fast drei Jahren unterrichtet Sophie Lesch an der Volkshochschule Baden künstlerische Fotografie. Sie will Menschen auf ihrer Suche nach der eigenen Kreativität fördern, sie motivieren, die eigene innere Wahrheit auszudrücken.
Auf Wunsch einiger SchülerInnen hin stellte man sich dieser „eigenen inneren Wahrheit“ an einem Ort, der längst zum Symbol des Grauens geworden ist: im ehemaligen Konzentrationslager in Auschwitz-Birkenau.
Für die meisten FotografInnen war der Holocaust bis zu diesem strahlend blauen Tag im Frühjahr 2006 kein wirkliches Thema gewesen. Das änderte sich schlagartig, als alle vor Ort ihre eigenen Motive suchten.
Für viele war es mit dem Fotografieren allein nicht getan. Es entstanden zusätzlich berührende Texte. Diese werden in der Ausstellung „Der Himmel so blau“, die am 9. November im ZIB eröffnet wird, neben den Fotografien angebracht und sollen die Eindrücke noch vertiefen.
Zwei Psychiater - Sophie Leschs Bruder Univ. Prof. Dr. Lesch und Dr. Rothschild - werden bei der Eröffnung anwesend sein und darüber sprechen, dass eine wirkliche Aufarbeitung von Vergangenem nur unter dem Eindruck tiefer Gefühle geschehen kann. In der Folge wird die Ausstellung (bis Ende des Jahres im ZIB) auch in Eisenstadt, Linz, Graz, in Berlin und Wien gezeigt.
Fotografie: Paul Thamer
Die Eröffnung der Ausstellung fällt mit dem historischen Datum Novemberpogroms (9. Nov. 38) zusammen, wo auch in Baden wüste Attacken auf jüdische Einrichtungen stattfanden.
Von der Verbrennung religiöser Schriften im Hof der Familie Deutsch in der Braitnerstraße anläßlich des Novemberpogroms ist in Thomas Schärfs Buch „Jüdisches Leben in Baden“ folgender Augenzeugenbericht nachzulesen: „Es entstand förmlich eine Völkerwanderung, die einige Tage anhielt. Dass natürlich bald viele Gerüchte umliefen - „beim Deutsch tans Juden verbringen, kum schau, ma“ - ist ganz klar…“
Fotografie: Michael Drahonovsky



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