Kulturstreit in Baden wird heftiger

Seit Jahren schwelt zwis­chen Stad­trat Her­bert Först, dem grü­nen Kul­tur­sprecher, und Bürg­er­meis­ter Breininger, dem Kul­tur-Ref­er­enten der ÖVP, ein Kon­flikt um das kün­ftige Badener Kul­turkonzept. In der Gemein­der­atssitzung am 7. Novem­ber ist dieser Kon­flikt wieder aufge­brochen.

Entzün­det hat sich der Kon­flikt an einer Wort­mel­dung von Her­bert Först zum Thema. „Ich würde ja den Kon­flikt zwis­chen dem Bürg­er­meis­ter und mir gerne been­den!“ sagte Först. „Allerd­ings orte ich dazu wenig Bere­itschaft. Breininger spricht, wenn man von ihm Details über das Badener Kul­turkonzept wis­sen will, bis­lang immer nur von der Bedeu­tung der drei Häuser Haus der Kunst, Stadtthe­ater und Frauen­bad und vom Mul­ti­funk­tion­shaus The­ater am Steg. Als ob Häuser allein ein Konzept seien!“ Först wün­scht sich einen deut­lichen Kon­tra­punkt zum – seiner Ansicht nach berechtigten – Operetten­schw­er­punkt in Baden. Dieser Kon­tra­punkt kön­nte der Name „Beethoven“ sein. „Über­legen wir doch, wie man die seit 20 Jahren ewig im sel­ben Stil abge­hal­te­nen Beethoven­t­age mit neuem Leben erfül­len kann. Erar­beiten wir gemein­sam ein Beethoven-Konzept!“

Auf diesen Vorschlag ging August Breininger in seiner Antwort nicht ein. Es schlum­mern einige Konzepte in seiner Schublade, meinte Breininger, der Baden kün­ftig zur „Stadt der Musen“ aus­rufen will. Er gab auch zu, dass es gelte, das reich­haltige Ver­anstal­tungsange­bot in Baden zu straf­fen. 450 Ver­anstal­tun­gen im Jahr seien ein­fach zu viel. „Aber: Wo soll man stre­ichen?“ fragte Breininger, denn zum Glück seien alle Ver­anstal­tun­gen recht gut besucht. Welches Konzept ver­wirk­licht werde, das werde man im Rah­men der noch zu etablieren­den Kul­tur-GesmbH deut­licher machen. In der Kul­tur-GesmbH soll in erster Linie ein­mal das kün­ftige (vom Land gewün­schte) Arnulf Rainer-Museum im Frauen­bad organ­isiert sein, in der Folge vielle­icht aber auch andere Kul­tur-Stät­ten in Baden. Ob das Museum allerd­ings wirk­lich errichtet wer­den kann, ist derzeit fraglich: Denn ein Gutachten spricht davon, dass Schwe­feldämpfe den aus­gestell­ten Kunst­werken zu sehr schaden kön­nten. Nun wird über­legt, ob es tech­nis­che Möglichkeiten gibt, die Sit­u­a­tion zu entschär­fen. „Ich hoffe, die Pla­nung des Muse­ums, die im Sep­tem­ber um 27.500 Euro gegen die Stim­men der wir badener beschlossen wur­den, ist noch nicht vergeben!“ meldete sich Christine Witty dazu war­nend.

Zum im all­ge­meinen unum­strit­te­nen Schw­er­punkt „Operette“ äußerte sich Grün-Gemein­derätin Helga Kris­mer kri­tisch: „Man muss auch darüber disku­tieren, ob die Operette in Baden alleinige Zukunft hat. 65 Euro pro Kopf kostet uns das Stadtthe­ater. Die Frage ist: Wieviele Badener nützen das Ange­bot und was bringt es uns an Wertschöp­fung wirk­lich?“ Kris­mer glaubt, dass das Stadtthe­ater – es sorgt jährlich für ein Defizit von ca. 1,6 Mil­lio­nen Euro im Bud­get — über kurz oder lang vom Land über­nom­men wird. „Baden ist die let­zte The­ater­bas­tion im Land,“ sagte Kris­mer, sie ist auch Land­tagsab­ge­ord­nete.

wir badener-Gemein­derätin Christine Witty will Bürg­er­meis­ter Breininger brieflich den Vorschlag zur Ein­rich­tung einer Denkw­erk­statt (Think Tank) über­mit­teln. “Es gibt in allen Frak­tio­nen Per­so­nen, die mit Kul­tur viel am Hut haben. Sie soll­ten alle an einem Tisch darüber disku­tieren, wie man Badens kul­turelle Zukunft gestal­ten kann,” sagt Witty. Sie macht auch per­son­elle Vorschläge: In der ÖVP seien Bgm. Breininger und Gemein­derätin Sophie Lesch Kul­tur-Experten, bei der SPÖ Gün­ther Schützl, bei den Grü­nen Her­bert Först und bei “wir badener” sie selbst. Witty war in jun­gen Jahren Konz­ert-Pianistin.

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