Ließ Autohändler Lehrlinge pfuschen?

Schwere Vor­würfe erheben Lehrlinge gegen einen Baden­er Auto­händler. Ent­ge­gen dem Lehrziel — die Aus­bil­dung zum Auto­mechaniker — seien sie auf Baustellen sein­er Fir­ma und im Pri­vathaus des Sohnes vom Chef im Bur­gen­land einge­set­zt gewe­sen: Sie mussten Rigip­swände auf­stellen, Dachrin­nen betonieren, Pflaster­steine set­zen, Zaun­git­ter span­nen und einiges mehr.

Der Fall ist auch bere­its der Arbeit­erkam­mer Baden bekan­nt, die — so sagt Bezirksstel­len­leit­er Michael Petru — „den Vor­wür­fen selb­stver­ständlich nachge­hen wird“. Details will Petru noch nicht sagen.
Grund­sät­zlich erteilen Arbeit­erkam­mer und Wirtschaft­skam­mer nach Über­prü­fung des Betriebes gemein­sam die Lehrberech­ti­gung.
Der kri­tisierte Auto­händler bildet seit 45 Jahren Lehrlinge aus. Er hat auch zwei Betriebe im Bur­gen­land. Zur Zeit sind in dem Auto­haus etwa 10 Lehrlinge beschäftigt, teilt Fir­menbe­sitzer W. mit. Ins­ge­samt gibt es etwa 70 Beschäftigte.
Alle Lehrlinge haben in ihrem Lehrver­trag ste­hen, dass sie an den drei Fir­men-Stan­dorten des Auto­händlers zur Arbeit eingeteilt wer­den kön­nen. „Manche mussten mit dem eige­nen Auto fahren,“ klagt ein Lehrling.
Auto­händler W. sagt dazu: „Wir haben für unsere Beschäftigten, die zwis­chen den Betrieben pen­deln müssen, einen eige­nen Trans­fer­bus. Mit dem eige­nen Auto müssen die Lehrlinge auf keinen Fall fahren.“

Ein­satz im Bur­gen­land
Der Lehrlings-Ein­satz an ein­er Baustelle im Bur­gen­land wird von dem Auto­händler nicht bestrit­ten. Er sagt: „Das erfol­gte natür­lich frei­willig. Die Lehrlinge haben ja auch dort etwas gel­ernt. Aber wer nicht mit der Scheib­truhe fahren wollte, musste das nicht tun.“
Der Auto­händler gibt auch zu, dass die „eine oder andere Arbeit auch im Pri­vathaus des Sohnes erledigt wurde.“
Er will sich nun wegen der Vor­würfe „die Lehrlinge zur Brust nehmen“. Im Ern­st­fall wird er „eben keine Lehrlinge mehr aus­bilden“.

Mögliche Kon­se­quen­zen
Strafrechtliche Kon­se­quen­zen gibt es übri­gens bei unko­r­rek­ter Lehrlings­beschäf­ti­gung nicht. Es kann nur – im Kon­sens zwis­chen Arbeit­erkam­mer und Wirtschaft­skam­mer – zum Entzug der Lehrlings­berech­ti­gung kom­men.
Lehrlinge wer­den vom Staat im ersten Lehr­jahr mit 400 Euro monatlich, im zweit­en Lehr­jahr mit 200 Euro monatlich und im drit­ten Lehr­jahr mit 100 Euro monatlich gefördert.
Ent­lohnt wer­den die Lehrlinge branchen­ab­hängig. Am besten ver­di­ent ein Lehrling in der Met­allindus­trie im drit­ten Lehr­jahr — 836,19 Euro brut­to monatlich.

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