Mein Leben ohne Auto”

Vor einem Jahr wurde das Auto von Chris­tine Rein­er kaputt. Die Min­dest­pen­sion­istin entschloss sich, keines mehr nachzukaufen. Über ihr Leben ohne Auto sprach die 62-jährige Badener­in 

Kommt man in Baden und Umge­bung ohne Auto zurecht?
Chris­tine Rein­er: Ja. Viele Leute glauben, auf das Auto nicht mehr verzicht­en zu kön­nen. Aber es ist wirk­lich möglich. Ich habe mein Auto in diesem Jahr keine Sekunde lang ver­misst.

Wie kom­men Sie herum?
Rein­er: Ich benutze den City-Bus, die öffentlichen Verkehrsmit­tel, und wenn es mal gar nicht anders geht, ein Taxi. Das ist immer noch bil­liger, als ein Auto zu erhal­ten. Obwohl ich finde, dass die Taxis in Öster­re­ich viel zu teuer sind.

Wie machen Sie das mit dem Einkaufen?
Rein­er: Weil ich in der Brait­ner­straße wohne, habe ich Einkauf­s­möglichkeit­en in der Nähe. Ich gehe zu Fuß hin, mit einem Einkauf­swa­gerl. Schw­er tra­gen kann ich nicht mehr. Ich habe fünf Kinder großge­zo­gen und meine Wirbel­säule ist entsprechend bedi­ent.

Haben Sie neue Erfahrun­gen gemacht?
Rein­er: Es gibt schon einiges, was einem das Leben als Fußgän­gerin erle­ichtern würde. Mehr Greißler zum Beispiel, aber diese Struk­turen wur­den ja zer­stört. Mir fällt auch auf, welchen Ges­tank die Autos pro­duzieren. Und mir fällt auch auf, dass viele Fußgängerübergänge in Baden sehr schlecht beleuchtet sind. Das ist ein ziem­lich­es Sicher­heit­srisiko. Bessere Beleuch­tung würde sich generell auf das Sicher­heits­ge­fühl auswirken. Ein pos­i­tives Beispiel ist die neue, fre­undliche Beleuch­tung in der Brait­ner­straße. Seit wir die hier haben, gibt es zum Beispiel keine Van­dale­nak­te mehr. Angenehmes Licht wirkt erwiesen­er­maßen pos­i­tiv auf die Psy­che.

Und wie zufrieden sind Sie mit dem Ange­bot an öffentlichen Verkehrsmit­teln?
Rein­er: Das Ange­bot ist man­gel­haft. Ich würde viel mehr Geld in die Öff­is investieren und kleinere Busse ver­wen­den. Es gibt so viele neue Kreisverkehre, da kom­men die großen Busse gar nicht um die Kur­ven, zum Beispiel beim Baden­er Bahn­hof. Die Fahrpläne sind viel zu unflex­i­bel. Der City­bus in Baden stellt schon um 7 Uhr abends seinen Betrieb ein. Ich würde die Öff­is generell gratis machen.

Wer soll denn das bezahlen?
Rein­er: Man würde sich staatlich­er­seits hohe Gesund­heit­skosten wegen der großen Luftver­schmutzung und der Unfälle durch die Autos ers­paren. Man bräuchte weniger neue Straßen und Straßen­repara­turen. Volk­swirtschaftlich wären kosten­lose Öff­is sich­er ein Gewinn. Allein der Diesel schädigt extrem die Nieren, eines der wichtig­sten men­schlichen Organe. Und wenn es schon Autos gibt, soll­ten sie umwelt­fre­undliche Energie ver­wen­den. Konzepte gibt es ja genug, nur ver­schwinden die in den Schubladen der Auto-Lob­by.

Was haben Sie dadurch per­sön­lich gewon­nen, dass Sie aufs Auto verzicht­en?
Rein­er: Ich wurde gelassen­er, der Stress baut sich leichter ab. Ich ers­pare mir auch finanziell viel. Ich bin auch umwelt­be­wusster gewor­den und habe weniger Unfall-Risiko. Ich habe ein­fach ein gutes, sauberes Gefühl bekom­men. Außer­dem lerne ich in den Öff­is viele neue Leute ken­nen. Kom­mu­nika­tion ist in unser­er Zeit das Wichtig­ste.

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