Weihnachten wird immer mehr zum Fest des Abfalls

Dezember 20th, 2006

Berge von Lebensmitteln und Verpackungsmaterialien landen nach dem Heiligen Abend in der Abfalltonne. Mit den Schattenseiten des Weihnachtsfestes beschäftigt sich das Interview mit dem Abfallberater des Bezirkes Baden, Manfred Kowatschek. 

Weihnachten sorgt für Freude und auch für Abfall. Wie wirkt sich das Geschenk-Fest auf die Abfallwirtschaft aus?
Manfred Kowatschek: Nach Weihnachten sind die Mülltonnen schon voller als sonst. Diese Tatsache dürfte auch auf das verstärkte Angebot von Billigwaren zurückzuführen sein. Je billiger die Waren, um so mehr wird gekauft und umso mehr Verpackungen fallen an. Verstärkt auch Lebensmittel. Bei Müllanalysen hat sich gezeigt, dass bis zu einem Drittel des Restmülls verdorbene Lebensmittel sind, vor allem bei den Restmülltonnen, die bei Wohnhausanlagen stehen. Dabei wurden nicht einmal die Biotonnen mit untersucht.

Können Sie den Mehranfall an Abfall in Zahlen fassen?
Kowatschek:
Leider nein. Die Statistik wird fortlaufend geführt und Monat für Monat aktualisiert. Aber ich kenne die Menschen, die den Abfall abholen und ich war selbst schon bei so mancher Tour dabei. So kann ich, ohne Zahlen vorlegen zu können, sagen, dass niemals ähnlich viel Abfall anfällt als nach Weihnachten und Silvester.

Ihren Worten nach zu urteilen sind es vor allem Lebensmittel und Verpackungen, die rund um Weihnachten weggeworfen werden. Werden diese dann öfters abgeholt?
Kowatschek:
An Lebensmitteln werden schon das ganze Jahr über beinahe unbegreifliche Mengen weggeworfen. Nach dem Heiligen Abend sind es eben besonders viele. An Verpackungen fallen vor allem viele Karton- und Kunststoffverpackungen an. Karton kann zu den Sammelzentren der Gemeinden gebracht oder in die Altpapiertonnen beim Wohnhaus eingebracht werden. Die Kunststoffverpackungen werden in den gelben Säcken und gelben Tonnen gesammelt. Beides steht in ausreichender Menge zur Verfügung. Wird Papier neben den Altpapiertonnen zur Abholung bereit gelegt, wird dies auch mitgenommen.

Sind diese Verpackungen notwendig oder gibt es andere Möglichkeiten, die Ware zum Geschenk zu machen?
Kowatschek:
Für Elektro- und Elektronikgeräte sind geeignete Verpackungen zum Schutz der Waren unbedingt erforderlich. Die meisten dieser Geräte müssen ja vor dem Auspacken eine Reise um die halbe Welt unbeschadet überstehen. Diese Verpackungen sind also nicht zu vermeiden. Außer man verzichtet auf so manches Gerät.
Was die Verpackung der verpackten Waren betrifft, gibt es schon einige Abfall sparende Möglichkeiten. Alte Zeitungen ebenso wie selbst genähte oder gekaufte Säcke eignen sich als kreatives Geschenkpapier.

In Paris wurden unlängst die Plastik-Einkaufssackerl verboten, wäre eine derartige Maßnahme auch bei uns denkbar?
Kowatschek:
Natürlich werden die Plastiksackerl reaktiv schnell zu Abfall und machen auch einen großen Teil der gelben Sammlung aus. Man könnte sie auch durch Papier- oder Stärkesäcke ersetzen. Die verrotten nämlich. Trotzdem sehe ich in einem Verbot von Plastiksackerln keine Lösung der steigenden Abfallmengen. Eine generelle, konsequente Durchsetzung eines Pfandes auf alle Einwegverpackungen würde viel mehr helfen.

Da das ganze Jahr über gekauft wird, ist es schwer das richtige Geschenk für Weihnachten zu finden. Oft sind es dann Zweit- oder Drittgeräte. Die Freude hält sich in Grenzen. Was tun?
Kowatschek:
Weihachten wird zunehmend zum Fest des Abfalls. Billige Waren bringen der Wirtschaft viele Kunden, für diese zumeist aber auch mindere Qualität. Wie zum Beispiel Wäsche, die nach einigen Waschgängen Form und Farbe verliert. Spielsachen, die – kaum ausgepackt – kaputt gehen. Die Kästen und Kinderzimmer werden immer voller und die Menschen und deren Kinder immer unzufriedener.
Nichtmaterielle Geschenke sind dazu eine Alternative. Theater. Wellness. Kultur. Es gibt viele schöne Dinge, nach deren Nutzung Freude statt Abfall übrig bleiben. Gutscheine für etwas Zeit ist nicht mehr außergewöhnlich, macht aber bei der Konsumation Freude.

Was schenken Sie heuer zu Weihnachten?
Kowatschek:
Ich werde mit meiner Partnerin einen Tanzkurs besuchen. Dazu schenke ich ein Theaterabo. Für die Kinder gibt es einige gemeinsame Tage in den Bergen und Kleinigkeiten wie Bücher und Kleidung.
 

Entry Filed under: bezirk baden, interview

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