Mehr Spaß am Putzen?
Februar 28th, 2007
Mag. Elisabeth Manndorff, Alltagsforscherin
Wie man durch Putzen mehr Lebensfreude gewinnt, das erläutert Mag. Elisabeth Manndorff bei einem Vortrag an der Badener Volkshochschule, kommenden Freitag, den 2. März, von 19 - 21 Uhr. Im Interview erläutert Elisabeth Manndorff einige ihrer Grund-Thesen, die einen völlig neuen Blick auf diese vielfach verhasste Alltags-Tätigkeit werfen.
Mehr Spaß am Putzen!“ Der Titel dieses Vortrags am 2. März in Baden mag mancher gestressten und vom Dreck der anderen Familienmitglieder genervten Hausfrau wie ein Hohn vorkommen…
Mag. Elisabeth Manndorff: Das Putzen ist eine Tätigkeit mit sehr negativem Image. Ich behaupte dagegen, dass Putzen einen befreienden Charakter hat.
Inwiefern befreiend?
Manndorff: Jede nicht geputzte Ecke, jeder Fleck, der nicht gleich weggewischt wird, belastet ständig. Ein Beispiel, das sicher alle kennen: ein Fleck in der Küche. Würde man ihn sofort wegwischen, ist das eine Angelegenheit von einer Sekunde. Die Belastung hingegen kann Tage dauern und baut sich noch auf, bis man sich endlich zum Saubermachen aufrafft. Wer gleich putzt, vermeidet Stress. Und darüber hinaus hat das mechanische Putzen auch einen Entspannungseffekt.
Warum ist es für viele Menschen trotzdem so schwer, sich zum Putzen aufzuraffen?
Manndorff: Die Überwindung am Beginn ist sicher nicht einfach, eben weil das Putzen oft als lästige Sisyphusarbeit empfunden wird. In meinem Vortrag und dem anschließenden Kurs „Harmonie in Raum und Seele“ versuche ich den Teilnehmern und Teilnehmerinnen klar zu machen, dass die Hemmung, mit einer Tätigkeit anzufangen, immer auch auf einen wunden Punkt in der Psyche hindeutet. Wenn ich hingegen Dinge, die getan werden müssen, gleich erledige, entlaste ich mich selber damit und kann daraus auch noch Freude gewinnen. Das ist beim Putzen eindeutig der Fall.
Viele Menschen lagern heute das Putzen an eine Putzfrau aus. Berauben sie sich damit eines möglichen Lustgewinns?
Manndorff: Das sind große und philosophische Fragen, bei denen es um Ordnung-Machen und Aufräumen generell geht, in einem sehr weit zu verstehenden Zusammenhang. Mir wurde jedenfalls schon oft berichtet, dass Menschen, die während eines Urlaubs ihrer Putzfrau selbst geputzt haben, viele neue Informationen über ihre eigene Wohnung gewonnen haben. Auch so etwas ist ein Beitrag zu mehr Lebensfreude: Ein harmonischer Wohnraum korrespondiert mit einer Seele, die sich wohlfühlt.
Nun kann aber das Putzen auch zum Putzfimmel ausarten…
Manndorff: Wie jede Betätigung, sei es am Computer, sei es beim Golfspielen, kann natürlich auch das Putzen zur Sucht werden. Es wäre aber auf jeden Fall ein Hinweis darauf, dass mit den betreffenden Menschen etwas nicht in Ordnung ist. Nur wem etwas fehlt, wer also etwas „sucht“, wird süchtig. Für alle Dinge gilt: Maß halten!
Wo wäre denn für Sie das gesunde Maß beim Putzen? Soll man täglich putzen, oder einmal die Woche?
Manndorff: Das gesunde Maß richtet sich ausschließlich nach dem Bedürfnis des einzelnen Menschen. Es ist gar nicht so einfach, für sich selbst das richtige Maß zu finden. Aber so kommt man über das notwendige Putzen auch mit sich selbst, mit seinen eigenen Bedürfnissen in Kontakt. Am besten ist es - wegen des entlastenden Effekts - immer gleich zu putzen, wenn einem etwas auffällt.
Nun ist das Putzen eine Domäne der Frauen. Ist Ihr Plädoyer für den „Spaß am Putzen“ ein Schlag ins Gesicht der Emanzipationsbewegung? Frauen wollen nun mal nicht die Putztrotteln der Nation sein…
Manndorff: Das Putzen stärkt die Frau. Wenn sie glaubt, dass es sie schwächt, ist sie am Holzweg. Es geht eigentlich darum, auch Männern die Freude am Putzen zu vermitteln. Putzen ist vergleichbar mit innerlichem Reine-Machen - das braucht jede Frau, jedes Kind und jeder Mann.
Wie kommen Sie dazu, sich mit dem Putzen zu beschäftigen? Welches Verhältnis haben Sie selbst dazu?
Manndorff: Ich habe Geschichte und europäische Ethnologie studiert und befasse mich jetzt mit Alltagsfragen. Zum Putzen hatte ich nie ein unangenehmes Verhältnis, während meines Studiums habe ich es vielleicht etwas vernachlässigt. Aber je mehr ich es in meinen Alltag integriere, um so mehr Freude habe ich daran.

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