Mehr Spaß am Putzen?

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Mag. Elis­a­beth Man­ndorff, All­t­ags­forscherin 

Wie man durch Putzen mehr Lebens­freude gewin­nt, das erläutert Mag. Elis­a­beth Man­ndorff bei einem Vor­trag an der Baden­er Volk­shochschule, kom­menden Fre­itag, den 2. März, von 19 — 21 Uhr. Im Inter­view erläutert Elis­a­beth Man­ndorff einige ihrer Grund-The­sen, die einen völ­lig neuen Blick auf diese vielfach ver­has­ste All­t­ags-Tätigkeit wer­fen.

Mehr Spaß am Putzen!“ Der Titel dieses Vor­trags am 2. März in Baden mag manch­er gestressten und vom Dreck der anderen Fam­i­lien­mit­glieder gen­ervten Haus­frau wie ein Hohn vorkom­men…
Mag. Elis­a­beth Man­ndorff: Das Putzen ist eine Tätigkeit mit sehr neg­a­tivem Image. Ich behaupte dage­gen, dass Putzen einen befreien­den Charak­ter hat.

Inwiefern befreiend?
Man­ndorff: Jede nicht geputzte Ecke, jed­er Fleck, der nicht gle­ich weggewis­cht wird, belastet ständig. Ein Beispiel, das sich­er alle ken­nen: ein Fleck in der Küche. Würde man ihn sofort weg­wis­chen, ist das eine Angele­gen­heit von ein­er Sekunde. Die Belas­tung hinge­gen kann Tage dauern und baut sich noch auf, bis man sich endlich zum Sauber­ma­chen aufrafft. Wer gle­ich putzt, ver­mei­det Stress. Und darüber hin­aus hat das mech­a­nis­che Putzen auch einen Entspan­nungsef­fekt.

Warum ist es für viele Men­schen trotz­dem so schw­er, sich zum Putzen aufzu­raf­fen?
Man­ndorff: Die Über­win­dung am Beginn ist sich­er nicht ein­fach, eben weil das Putzen oft als lästige Sisy­phusar­beit emp­fun­den wird. In meinem Vor­trag und dem anschließen­den Kurs „Har­monie in Raum und Seele“ ver­suche ich den Teil­nehmern und Teil­nehmerin­nen klar zu machen, dass die Hem­mung, mit ein­er Tätigkeit anz­u­fan­gen, immer auch auf einen wun­den Punkt in der Psy­che hin­deutet. Wenn ich hinge­gen Dinge, die getan wer­den müssen, gle­ich erledi­ge, ent­laste ich mich sel­ber damit und kann daraus auch noch Freude gewin­nen. Das ist beim Putzen ein­deutig der Fall.

Viele Men­schen lagern heute das Putzen an eine Putzfrau aus. Berauben sie sich damit eines möglichen Lust­gewinns?
Man­ndorff: Das sind große und philosophis­che Fra­gen, bei denen es um Ord­nung-Machen und Aufräu­men generell geht, in einem sehr weit zu ver­ste­hen­den Zusam­men­hang. Mir wurde jeden­falls schon oft berichtet, dass Men­schen, die während eines Urlaubs ihrer Putzfrau selb­st geputzt haben, viele neue Infor­ma­tio­nen über ihre eigene Woh­nung gewon­nen haben. Auch so etwas ist ein Beitrag zu mehr Lebens­freude: Ein har­monis­ch­er Wohn­raum kor­re­spondiert mit ein­er Seele, die sich wohlfühlt.

Nun kann aber das Putzen auch zum Putz­fim­mel ausarten…
Man­ndorff: Wie jede Betä­ti­gung, sei es am Com­put­er, sei es beim Golf­spie­len, kann natür­lich auch das Putzen zur Sucht wer­den. Es wäre aber auf jeden Fall ein Hin­weis darauf, dass mit den betr­e­f­fend­en Men­schen etwas nicht in Ord­nung ist. Nur wem etwas fehlt, wer also etwas „sucht“, wird süchtig. Für alle Dinge gilt: Maß hal­ten!

Wo wäre denn für Sie das gesunde Maß beim Putzen? Soll man täglich putzen, oder ein­mal die Woche?
Man­ndorff: Das gesunde Maß richtet sich auss­chließlich nach dem Bedürf­nis des einzel­nen Men­schen. Es ist gar nicht so ein­fach, für sich selb­st das richtige Maß zu find­en. Aber so kommt man über das notwendi­ge Putzen auch mit sich selb­st, mit seinen eige­nen Bedürfnis­sen in Kon­takt. Am besten ist es — wegen des ent­las­ten­den Effek­ts — immer gle­ich zu putzen, wenn einem etwas auf­fällt.

Nun ist das Putzen eine Domäne der Frauen. Ist Ihr Plä­doy­er für den „Spaß am Putzen“ ein Schlag ins Gesicht der Emanzi­pa­tions­be­we­gung? Frauen wollen nun mal nicht die Putztrot­teln der Nation sein…
Man­ndorff: Das Putzen stärkt die Frau. Wenn sie glaubt, dass es sie schwächt, ist sie am Holzweg. Es geht eigentlich darum, auch Män­nern die Freude am Putzen zu ver­mit­teln. Putzen ist ver­gle­ich­bar mit inner­lichem Reine-Machen — das braucht jede Frau, jedes Kind und jed­er Mann.

Wie kom­men Sie dazu, sich mit dem Putzen zu beschäfti­gen? Welch­es Ver­hält­nis haben Sie selb­st dazu?
Man­ndorff: Ich habe Geschichte und europäis­che Eth­nolo­gie studiert und befasse mich jet­zt mit All­t­ags­fra­gen. Zum Putzen hat­te ich nie ein unan­genehmes Ver­hält­nis, während meines Studi­ums habe ich es vielle­icht etwas ver­nach­läs­sigt. Aber je mehr ich es in meinen All­t­ag inte­griere, um so mehr Freude habe ich daran.

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