Klein-Daniel wird am 29. März begraben

März 28th, 2007

„Still, seid leise, es waren Engel auf der Reise.“ So steht es auf der Pate des kleinen, dreieinhalbjährigen Daniel.

Der kleine Dani, so wurde er liebevoll genannt, starb nach einer Routineoperation, einer Mandeloperation (Tonsillektomie). Es passierte am vierten Tag nach dem Eingriff.

Die letzten Stunden

„Wir haben den Kleinen zwischen uns schlafen lassen“, erzählt die Mutter. „In der Früh hat er noch mit seiner kleinen Schwester Kuckuck gespielt“, erinnert sich Birgit G. „Dann ging alles ganz schnell, Dani spuckte Blut, es kam immer mehr Blut aus seinem Mund und aus seinem Näschen“, so Johann, der Vater Danis „und plötzlich wurde er ohnmächtig. Die Notärztin versuchte noch alles, um sein Leben zu retten.“

Doch es war vergebens, Klein- Daniel wurde noch vom Notarztwagen ins Spital nach Wiener Neustadt gebracht, wo er an seinem Blutverlust starb.

Daniel wurde im Spital in Eisenstadt operiert. „Ich hatte bei diesem Spital ein gutes Gefühl“, setzt Birgit fort „Wir wurden gut über die Operation aufgeklärt. Unser Kind hatte viermal hintereinander eine eitrige Mandelentzündung. Einmal kam eine Bindehautentzündung und einmal noch Feuchtblattern dazu.“

Operation in Eisenstadt

Die Ärzte in Eisenstadt versuchten noch, mit Antibiotika die Mandelentzündung zu behandeln. „Vor der Operation war Dani wieder ganz gesund, er war so gut drauf“, erinnert sich Johann mit leiser Stimme. „Es wurde uns auch im Spital gesagt, dass es in den nächsten 14 Tagen noch zu Nachblutungen kommen kann“, ergänzt die Mutter. Was allerdings nicht erwähnt wurde ist, dass bei so einem kleinen Patienten Nachblutungen sehr gefährlich sind. „Deshalb gingen wir auch mit Dani unbesorgt nach Hause“, erzählt Birgit.

Gefährlich für Kleinkinder

Erstens schlucken die Kleinen ihr Blut meist, ohne es den Eltern zu sagen. Wenn es dann bemerkt wird, ist es meist zu spät.„So ein kleiner Körper hat eben nicht so eine große Blutreserve wie ein Erwachsener“, erklärt Dr. Robert Pavelka. Er ist Leiter der HNO-Abteilung in Wr. Neustadt und im Vorstand der HNO-Ärzte.

„Und kleine Kinder glauben, das Bluten gehört dazu und schlucken das Blut, bis sie erbrechen“, erklärt Pavelka. „Dadurch kommt es aber dann oft zu sehr intensiven Blutungen, die manchesmal einfach nicht mehr zu stoppen sind.“

Spitalsaufenthalt zu kurz?

Es wird oft der Vorwurf gemancht, der Spitalsaufenthalt wäre in Österreich nach einer Mandeloperation zu kurz. „Dieser Meinung kann ich mich nicht ganz anschließen“, antwortet Pavelka. „Erst vergangenes Jahr starben zwei Kinder auf HNO-Abteilungen nach einer Tonsillektomie.“

Bei etwa fünf Prozent der operierten Patienten bis 10 Jahre kommt es zu Nachblutungen. In einem Jahr werden in Österreich etwa 14.000 solcher Operationen durchgeführt.

2006 starben sechs Kinder nach einer Tonsillektomie. Die damalige Gesundheitsministerin berief deshalb eine Komission ein. Pavelka erklärt entschlossen: „Meine Antwort auf so tragische Todesfälle ist: An meiner Abteilung werden keine Kinder unter sechs Jahren mehr operiert. Außer in medizinisch dringenden Fällen.“ Folgende Spitäler schlossen sich bis jetzt dieser Idee an: Eisenstad, St. Pölten, Krems und Klagenfurt ).

Für Klein-Daniel ist es allerdings zu spät.

Entry Filed under: allgemein, bezirk baden, sport

1 Comment Add your own

  • 1. Richard  |  März 28th, 2007 at 19:13

    D.h. bis jetzt wurden Kinder ohne wirklichen Grund operiert (denn jetzt scheint es ja auf einmal auch ohne OP zu gehen) und mitunter tödliche Nachwirkungen einfach in Kauf genommen…

Leave a Comment

Required

Required, hidden

Some HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Kategorien

Werbung

Blogroll

kultur

medien

politik

soziales

sport

Archiv