Vom Stigma, eine Frau zu sein
April 26th, 2007
Bei seiner Uraufführung vor 25 Jahren im Rahmen der Tiroler Volksschauspiele war „Stigma“ (von Felix Mitterer) ein Skandal, der sogar Bombendrohungen nach sich zog. Krista Posch (Bild) spielte damals die Magd Moid. Jetzt spielt sie alle Rollen: in einer szenischen Lesung am Mödlinger Stadttheater. Zu Recht gab es Jubel am Dienstag, dem 24.April.
Stigma erzählt die Geschichte einer Tiroler Magd, die die Wundmale von Jesus Christus an sich trägt und seine Passion miterlebt. Krista Posch, aufgewachsen in Südtirol, zeichnet in der szenischen Lesung eindringlich das mittelalterlich-dörflich-katholische Leben: Unterdrückung von Dienstboten, Gewalt der Obrigkeiten, religiöser Wahnsinn, ungleich verteilter Reichtum, Ausbeutung des weiblichen Körpers als Arbeitskraft, als Projektionsfigur, als Sex-Objekt, als Mutter.
So sehr Felix Mitterer seinen Text auch in „grauer Vorzeit“ verhaftet hat, er lässt keinen Zweifel daran, dass es ihm um eine moderne Form von Stigma geht: um das Stigma, eine Frau zu sein. Es geht dem Autor nicht (nur) um die Passion Christi, sondern um die Leidensgeschichte einer Frau, erzählt in (Kreuzweg)Stationen.
Krista Posch schafft in ihrem eineinhalbstündigen Lese-Marathon eine beklemmende Atmosphäre. Mit Erschrecken stellen wir fest, wie viel vom „überlieferten Denken (und Fühlen)“ noch heute im ach so emanzipierten Alltag erhalten blieb.
Es ist schon eine meisterhafte Leistung, einen Bühnentext mit seinen vielen verschiedenen Rollen so zu lesen, dass nie Unklarheit entsteht. Krista Posch schlüpft in alle Rollen, mit offensichtlicher Vorliebe aber auch in die Rollen der Dämonen Geilheit, Aufruhr und Gotteslästerung, die der Magd ausgetrieben werden und - schadenfroh bemerkt - den selbstherrlichen Monsignore befallen… Empfehlenswert!
Weitere Termine: 26.-28. April und 1. Mai, jeweils um 19:30 Uhr
Telefonische Kartenreservierung: 02236 / 42 999
Entry Filed under: bezirk mödling, kultur
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