“Berufsdemonstranten” und “Polit-Touristen”
Juni 27th, 2007
Montag, 15.30 Uhr, Schlosspark. FPÖ-Chef H.C. Strache macht mit seiner SOS Abendland-Tour Station in Vöslau.
Straches Auftritt war mit Spannung erwartet worden. Die einheimische Bevölkerung, in der zur Zeit viel über die geplante Moschee (gleich neben dem Königreichssaal der Zeugen Jehovas) diskutiert wird, ist Straches Ruf aber nicht gefolgt.
Der FPÖ-Führer kam mit zwei Bus-Ladungen voller „Polit-Touristen“, die ihm eifrig zujubelten. Etliche FPÖ-Sympathisanten aus umliegenden Gemeinden (z.B. Baden, Hirtenberg und Berndorf) waren auch vor Ort. Interessierte Vöslauer BürgerInnen waren aber die klare Minderheit unter den schätzungsweise rund 250 Versammelten.
Vielleicht war’s zu heiß, vielleicht war’s zu früh. Vielleicht hatte der eine oder die andere auch ein ungutes Gefühl, vor Ort gesehen zu werden. Vielleicht glaubte man „eh zu wissen, was Strache sagt“.
Die Gründe für das Fernbleiben der OrtsbürgerInnen mögen vielfältig gewesen sein.
Straches Rede bot kaum Überraschungen: In bewährter Taktik vermischte er allgemeine „Wahrheiten“ mit Angst machenden Details.
Die Stimmung im hinteren Teil des Schlossparks war durchaus aufgeheizt. Ein FPÖ-Mann stamperte Türken-Kinder vom öffentlichen Spielplatz. Ein Türken-Bub stänkerte einen alten Mann an. Polizei und Rettungsleute patrouillierten.
Stumm mit Transparenten protestierten eine Frauengruppe und eine Gruppe um den Vöslauer Arzt Dr. Ernst Tiefengraber (Motto: Konstruktiver Dialog statt destruktiver Hetze!). Eine Gruppe der Jung-Sozialisten aus dem Bezirk verteilte Flugblätter. („Wir empfinden Religion generell als unfortschrittlich, aber nicht grundsätzlich gefährlich. Als Gefahr kann nur Fanatismus gesehen werden.“)
Einmal drohte die Situation zu eskalieren. Strache sprach vom „Islamismus, der der neue Faschismus sei“. „Hoit di Pap’n!“ schrie ihm ein SJ-ler zu. Strache, auf solche Zwischenrufe vorbereitet, bezeichnete - unter heftigem Applaus seiner Fans - die Protestgruppen als „Berufs-Demonstranten“. Sprach’s, schrieb noch ein paar Autogramme, und fuhr mit seinen „Polit-Touristen“ zur nächsten Station. Die Reise-Busse hatten während des Auftritts abseits geparkt, in der Veilchengasse nahe dem Sportplatz.
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