Erika Adensamer erste Bürgermeisterin von Baden

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Eri­ka Aden­samer — Foto: Paul Landl 

Dien­stag, 26. Juni, 18.37 Uhr, ein his­torisch­er Augen­blick in Baden: Eri­ka Aden­samer (ÖVP) nimmt – frisch gewählt – am Bürg­er­meis­ter-Stuhl Platz, mit den Worten „Ich übernehme den Vor­sitz“. Sie wurde nicht ein­stim­mig gewählt, und sie bekam es gle­ich mit kri­tis­chen ersten State­ments zu tun…

41 Stim­mzettel wur­den bei der geheimen Bürg­er­meis­ter-Wahl abgegeben. 7 davon waren ungültig, 31 ent­fie­len auf Eri­ka Aden­samer, drei auf Hans Hornyik (ÖVP). Bei den anschließen­den State­ments deklar­i­erten sich einige Red­ner­In­nen.

Maria Ret­ten­bach­er, Klubchefin der SPÖ: „Wir haben Eri­ka Aden­samer geschlossen gewählt. Es ist uns klar, dass sie damit von uns einen Ver­trauensvorschuss bekom­men hat. Der begrün­det sich auf drei Punk­te: Erstens hat die ÖVP mit ihrer absoluten Mehrheit das Vorschlagsrecht und wir sahen keinen zwin­gen­den Grund, Eri­ka Aden­samer nicht zu wählen. Zweit­ens gab es mit ihr im Vor­feld lange, harte, aber auch wertschätzende Gespräche über die kün­ftige Zusam­me­nar­beit. Drit­tens wer­den wir Eri­ka Aden­samer daran messen, wie sie mit wichti­gen SPÖ-The­men umge­ht: mit den alten Men­schen, mit der Leben­squal­ität in den gemein­deeige­nen Häusern, mit Bürg­er­beteili­gung, Kinder­be­treu­ung und Kli­maschutz. Das näch­ste Bud­get wird die erste Nagel­probe sein. Unser Ver­trauensvorschuss ist kein Per­sil-Schein. Es gilt das Wort „Nach der Wahl ist vor der Wahl“.

Mag. (FH) Chris­tine Wit­ty, Klubchefin von wir baden­er: „Nicht alle von uns haben Eri­ka Aden­samer gewählt. Auch ich nicht. Als Stadträtin war sie sehr unauf­fäl­lig, mir ist nur wenig in Erin­nerung – zum Beispiel ihr Engage­ment für die Umtex­tung der Bun­deshymne (Damals wurde bun­desweit der Text „Heimat bist du großer Söhne“ hin­ter­fragt, Anm.). Zu wichti­gen Fra­gen wie Pflege­heim oder Notun­terkün­fte für famil­iäre Gewal­topfer gab es seit­ens von Eri­ka Aden­samer hinge­gen kein beson­deres Engage­ment. Außer­dem hat sie sich in den let­zten Wochen aus­geschwiegen über ihr Pro­gramm, ihre Schw­er­punk­te für die Zukun­ft. Sie will ihr Land­tags­man­dat und ihre Bürg­er­meis­ter-Funk­tion gemein­sam ausüben und viel delegieren. Ab 1. Juli wird sie aus bei­den Funk­tio­nen 12.800 Euro monatlich ver­di­enen. Das erste Frak­tion­s­ge­spräch zum Bud­get 2008 hat sie ein­fach ver­lassen, dabei geht es um ein 80-Mil­lio­nen-Euro-Bud­get. Ich wün­sche mir einen Bürg­er­meis­ter, der 150 % für die Stadt gibt.“

Jowi Tren­ner, Stad­trat wir baden­er: „Auch ich habe Eri­ka Aden­samer nicht gewählt. Ein Grund war, dass die ÖVP bis jet­zt alle unsere Dringlichkeit­santräge abgelehnt hat. Das ist ego­is­tis­che Über­he­blichkeit, denn hin­ter jedem Antrag steckt Geld und Arbeit. Eine kon­struk­tive Mitar­beit unser­er­seits ist schein­bar nicht erwün­scht. Sollte die ÖVP anders agieren, wer­den auch wir anders agieren. Eri­ka, du hast es schw­er genug. Wir geben dir über den Som­mer Zeit, dich kri­tik­los einzuar­beit­en.“

Dr. Hel­ga Kris­mer, Klub-Chefin der Grü­nen: „Ein­mal hat mir Eri­ka Aden­samer den Rück­en gestärkt, als es darum ging, eine geschlechterg­erechte Sprache einzuführen. Inzwis­chen hat sich das etabliert. Wir sprechen heute von ein­er Frau Bürg­er­meis­terin, und ich finde, dass es Zeit ist, dass im Sitzungssaal endlich auch eine Bürg­er­meis­terin hängt (Der Sitzungssaal ist mit Por­trait-Malereien ver­gan­gener – auss­chließlich männlich­er – Bürg­er­meis­ter deko­ri­ert, übri­gens auch bere­its mit August Breininger, Anm.). Trotz­dem haben die Grü­nen Eri­ka Aden­samer geschlossen nicht gewählt. Frau sein allein ist näm­lich noch kein Pro­gramm. In den let­zten Jahren hat­ten wir nicht den Ein­druck, dass die anfängliche Aufmüp­figkeit von Eri­ka Aden­samer ange­hal­ten hat. In den sieben Jahren als Sozial­stadträtin ist sie prak­tisch nicht in Erschei­n­ung getreten.“

Hans Hornyik, Stad­trat der ÖVP: „Man hat an den Vorred­nern klar den Unter­schied zwis­chen kon­struk­tiv­er und destruk­tiv­er Oppo­si­tion gese­hen. Manche (gemünzt auf Wit­ty und Tren­ner, Anm.) haben eben kein Gefühl für beson­dere Sit­u­a­tio­nen. Dafür kön­nen sie nichts. Ich habe keine Angst. Eri­ka Aden­samer wird 150 % für die Stadt geben. Sie ist eine inte­gre, kom­pe­tente Poli­tik­erin, eine warmherzige Per­sön­lichkeit und – vor allem ein neuer urbaner Poli­tik­erin­nen­ty­pus. Sie kann sich auf die Strö­mungen der Zeit ein­lassen und die Leben­squal­ität, die ihre Vorgänger Wall­ner und Breininger geschaf­fen haben, aus­bauen. Seit­ens der ÖVP freuen wir uns auf die Zusam­me­nar­beit mit Eri­ka Aden­samer.“

In ihrer Antrittsrede dank­te Eri­ka Aden­samer für den Ver­trauensvorschuss. Sie werde sorgsam und gewis­senhaft damit umge­hen. Und dann richtete sie das Wort an ihre Kri­tik­erIn­nen: „Ich danke auch allen, die mich nicht gewählt haben. Ich halte es mit Goethe: Der Wider­spruch ist es, der uns pro­duk­tiv macht. Ich danke meinen Eltern, die mir die Gebor­gen­heit ein­er christlichen Fam­i­lie ver­mit­telt haben. Ich habe von ihnen gel­ernt, die Mit­men­schen zu acht­en, Zivil­courage zu zeigen, ich stelle mich Her­aus­forderun­gen, ver­füge über Durch­halte- und Durch­set­zungsver­mö­gen, habe gel­ernt, ver­ant­wor­tungsvoll mit der Natur umzuge­hen und wirtschaftlich zu denken. Ich danke auch meinem Mann, der immer zu mir gesagt hat „Mach es, du kannst es.“ Er legt keinen Wert darauf, zuhause ver­wöh­nt zu wer­den und nimmt’s mit Humor, wenn er nun mit „Herr Bürg­er­meis­terin“ angere­det wird. Meine Kinder haben mir heute einen Schutzen­gel geschenkt, er wird mich immer begleit­en. „Baden zuerst“ – das wird das Mot­to mein­er Arbeit für die Stadt sein. Es ist schön, die eigene Welt mit­gestal­ten zu kön­nen. Und ich werde (in Rich­tung Oppo­si­tion, Anm.) die Vielfältigkeit­en zum Wohle Badens zusam­men­zuführen.. Ich möchte mit Sir Karl Pop­per schließen: Wir sind jet­zt ver­ant­wortlich für das, was in der Zukun­ft geschieht.“

 

Erste Reak­tion von ÖVP-Press­esprech­er Markus Ham­mer auf die Wort­mel­dung von Chris­tine Wit­ty zur Wahl der Bürg­er­meis­terin: „Das Auftreten der Partei- und Klubobfrau von „Wir Baden­er“ ist nicht zu akzep­tieren. Es war eine unange­brachte Wort­mel­dung und ein fun­da­men­talop­po­si­tioneller Run­dum­schlag. Tren­ner muss sich entschei­den: Will er ein ernst genommen­er und kon­struk­tiv­er Oppo­si­tion­spoli­tik­er sein oder weit­er am Gän­gel­band von Wit­ty hän­gen, von ihr vorge­führt und weit­er von sein­er Parteiobfrau fer­nges­teuert wer­den?“

 

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