“Man lebt anders, wenn man hofft, dass es weitergeht…”

Oktober 31st, 2007

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Heuer im Mai starb die Mutter von Altbürgermeister August Breininger, Gisela. Nun spricht Breininger (Bild oben) über seine Erfahrungen mit diesem Tod und philosphiert über das Leben und das Leben danach…

Der Tod der eigenen Mutter ist im Leben jedes Menschen ein einschneidendes Ereignis. Was hat Ihnen Trost gegeben?

August Breininger: Mich hat getröstet, dass sie 97 wurde, bis zuletzt ein erfülltes, waches Leben hatte, vielseitig war und trotz starker Herausforderungen im Beruf stets offen für Gespräche war. Sie war bis zuletzt fröhlich und optimistisch.

Der Tod eines geliebten Menschen wirft immer auch Fragen für das eigene Leben und Sterben auf…

Breininger: Meine Mutter war - nach meinem Vater, der 1972 starb -, erst der zweite Mensch, mit dessen Leichnam ich allein war. Man reflektiert dabei automatisch seinen eigenen Tod. Immerhin ist man nach dem Tod der Eltern nicht mehr Kind. Das eigene Ende kommt näher.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Breininger: Wenn man mit einem toten Menschen allein ist, spürt man, dass ein Unterschied ist zwischen einem lebenden und einem leblosen Körper. Da stellt sich auch die Frage nach der Trennung von Seele und Leib. Was ist die Seele? Vergeht sie mit dem Körper? Wenn sie unsterblich ist, war sie vorher schon da? Gibt es die Seelenwanderung? Ich glaube eher ja an ein Leben nach dem Tod, bin mir aber auch bewusst, dass alle Jenseitsvorstellungen diesseitig geprägt sind.

Flüchtet man mit Vorstellungen vom Leben nach dem Tod nicht letztlich bloß vor der Zurkenntnisnahme der eigenen Vergänglichkeit?

Breininger: Fast alle Religionen und viele Philosophien entwickeln Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod. Das tröstet uns. Und das ist auch gut so. Wir leben anders, wenn wir hoffen können, dass es irgendwie weiter geht. Ich glaube, dass es viel mehr Unmoral und Verbrechen gäbe ohne diese Hoffnung. Natürlich zweifle auch ich manchmal, dann tröstet mich ein Satz des altgriechischen Philophen Epikur: Der Tod ist für uns ein Nichts. So lange wir leben, ist er nicht da. Wenn er aber da ist, sind wir nicht mehr…

Wir kennen alle nicht den Zeitpunkt unseres Todes…

Breininger: Je jünger, desto mehr Restleben hat man vor sich, und das Leben ist weniger wert, weil man ja meint, es im Überfluss zu haben. Wenn man älter wird, wird das Leben mehr wert, man will es festhalten, aber umso schneller entschwindet es - wie alles, von dem man sich nicht lösen kann. Die Natur hat es weise eingerichtet, dass wir nicht unsere Todesstunde kennen, gerade das Unbestimmte lässt uns hoffen und verantwortungsvoller leben. Ehrlich: Jeder glaubt doch heimlich, er entgeht dem Tod. Ich nehme mich nicht aus.

Aktuell wird viel über Sterbehilfe diskutiert…

Breininger: Als Christ schwankt man zwischen Philosophie und Glauben. Warum soll jemand leiden - einerseits? Aber wir haben andererseits das Leben nicht erschaffen - also haben wir auch nicht das Recht, es zu nehmen. Darüber könnte man endlos philosophieren. Ich bin aber nicht für eine Freigabe der Sterbehilfe, es würde zu Massensuiziden kommen…

Haben Sie noch geistige Verbindung zu Ihrer Mutter?

Breininger: Gerade jetzt, wo wir telefonieren, hab ich ihr Foto vor mir stehen, ein Bild aus ihren letzten Tagen. Aber lieber gehe ich auf ihr Grab hinaus, weg vom Bild. Am Grab, gerade auch jetzt zu Allerheiligen, halte ich mit ihr Zwiesprache, was natürlich letztlich ein Selbstgespräch ist. Ich glaube, Menschen leben auf jeden Fall weiter, so lange es jemanden gibt, der sich an sie erinnert.

Sie trösten sich mit dem geglückten Leben Ihrer Mutter. Was ist für Sie selbst ein geglücktes Leben?

Breininger: In der Jugend wollte ich mich egoistisch durchsetzen. Im Alter werden mir die Begegnungen mit anderen Menschen immer wichtiger. Zuhören können, dem anderen eine Chance geben - das ist es, was für mich ein geglücktes Leben bedeutet.

Entry Filed under: baden, interview

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