Unmoralische Geschäfte?

Die Stadt Bad Vös­lau investierte 175.000 Euro aus der Kanal­rück­lage in die Meinl Euro­pean Land-Aktie. SPÖ-Stadträtin Schirk übt Kri­tik.

Die Spar­buchzin­sen sind 2005 extrem niedrig. Die Kanal­rück­la­gen im Vös­lauer Bud­get sind hoch — knapp zwei Mil­lio­nen Euro. Der Gemein­der­at entschei­det sich also ein­stim­mig dafür, einen Teil der Rück­la­gen — 700.000 Euro — „gewinnbrin­gen­der“ zu ver­an­la­gen. Unter anderem investiert man in die Meinl Euro­pean Land-Aktie.

175.000 Euro in Meinl-Aktien angelegt
Nach entsprechen­der Beratung wur­den 700.000 Euro in drei ver­schiedene Ver­an­la­gungs­for­men „geparkt“: 350.000 Euro in einen Anlei­he­fonds der BA-CA (GF 48, ein Renten­fonds speziell für Gemein­den), sowie je 175.000 Euro in ein Kap­i­tal­gar­antiepro­dukt der Erste Bank und eben in einen Immo­bilien­fonds der Meinl Euro­pean Land.
Von diesem Ver­an­la­gungspaket erwartete sich die Gemeinde einen Ertrag von 5 Prozent, sagt Stadtchef Christoph Prinz. Auf Spar­büch­ern wäre damals ein Ertrag von lediglich 2 Prozent und weniger möglich gewe­sen.
Doch manch­mal kommt es anders als man denkt…

Meinl-Aktie ras­selte in den Keller
Die Tur­bu­len­zen rund um die Meinl Euro­pean Land (MEL)-Aktie sind mit­tler­weile bekan­nt. Nach ras­an­tem Kurs­gewinn stürzte die Aktie heuer im Spät­som­mer kom­plett ab, und liegt nun bei etwas mehr als der Hälfte ihres ursprünglich von Bad Vös­lau ver­an­lagten Wertes (8 Euro statt 14 Euro). Inzwis­chen prüft auch die Finanz­mark­tauf­sicht, ob bei MEL alles mit recht­en Din­gen zuge­gan­gen ist. Von „Irreführung“ und undurch­sichti­gen Geschäften ist schon die Rede.
Und MEL purzelte in dieser Woche sog­ar aus dem Top-Seg­ment der Wiener Börse, dem Prime Mar­ket. Zahlre­iche Kleinan­leger ver­suchen mit Sam­melk­la­gen einen Teil ihres ver­lore­nen Geldes wieder here­inzubekom­men.

Darf man mit Steuergeld spekulieren?
Und natür­lich ist nun in Bad Vös­lau die Frage zu stellen: Darf mit Steuergeld spekuliert wer­den? SP-Stadträtin Elis­a­beth Schirk: „Am meis­ten ärg­ert mich, dass hier vor allem Geld aus den Kanal­ge­bühren, die wir erst kür­zlich wieder erhöht haben, ver­spekuliert wurde — um nicht zu sagen ver­nichtet. Das ist unfair gegenüber dem einzel­nen Bürg­er, für den die Kanal­ge­bühren doch eine Belas­tung darstellen. Darüber hin­aus will ich auch noch die Frage stellen, ob die öffentliche Hand — also auch Gemein­den — sich über­haupt an den dubiosen Finanz­markt-Speku­la­tio­nen beteili­gen soll. Man weiß doch, dass an so manchen Aktien im wahrsten Sinne des Wortes Blut klebt. Aus mein­er Sicht ist es ein unmoralis­ches Geschäft, und die Gemeinde sollte all ihre Aktien wieder abstoßen.“

Und ÖVP-Obmann Franz Neuhold fragt: „Uns inter­essiert, was Bürg­er­meis­ter Prinz vor hat. Wird sich die Stadt­ge­meinde anschließen und eben­falls kla­gen? Wer­den die MEL-Aktien abgestoßen, oder wird ein­fach zuge­wartet?“
Prinzip­iell wurde die Ver­an­la­gungs­form in Bad Vös­lau auf drei Jahre gewählt, wobei die Pro­duk­te „jed­erzeit han­del­bar“ sind. Eine Kap­i­tal­gar­antie gibt es allerd­ings nur für eines der drei Pro­duk­te.

Bürg­er­meis­ter Christoph Prinz ste­ht trotz­dem nach wie vor zu dem Deal: „Die Meinl-Aktie ist nur ein Teil unseres Paketes. Wir haben so ver­an­lagt, dass eventuelle Ver­luste auf der einen Seite durch Gewinne auf der anderen Seite wieder aus­geglichen wer­den. So lange wir die Meinl-Aktie nicht verkaufen, ist ja auch der derzeit­ige schlechte Wert nur auf Papi­er. Wir haben im besten Wis­sen und Gewis­sen, nach Ein­hol­ung zahlre­ich­er Ange­bote und ein­er fundierten Finanzber­atung, entsch­ieden. 1,3 Mil­lio­nen unser­er Kanal­rück­lage liegen sowieso auf sicheren Spar­büch­ern. Auch jed­er Pri­vate hätte wohl so gehan­delt.“
Von der erhofften 5 Prozent-Ren­dite ist die Gemeinde also derzeit wohl weit ent­fer­nt.

Schirk: „Spar­büch­er wären genau­so gut gewe­sen!“
Schirk: „Da hät­ten wir das Geld ja gle­ich kom­plett auf sicheren Spar­büch­ern parken kön­nen. Ich werde in Zukun­ft kein­er Ver­an­la­gungs­form mehr zus­tim­men, bei der es keine Kap­i­tal­gar­antie gibt. Das bin ich dem Steuerzahler schuldig.“

2 Gedanken zu „Unmoralische Geschäfte?

  1. StRin Schirk übt hof­fentlich Kri­tik an sich selb­st und ihrer ursprünglichen Zus­tim­mung. Der Beschluss wurde ja EINSTIMMIG gefasst.

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