Strahlen-Alarm im Badener Zentrum

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Im Kirch­turm von St. Stephan im Zen­trum von Baden ver­steck­en sich etliche Mobil­funk-Sender. Sie sind die Ursache für hohe Strahlen­werte, die beim Ein­gang zur Volkss­chule gemessen wur­den. Foto: Tri­Co­Tel Telekom GmbH

 

Aufreger Mobil­funk: Alarm um Strahlen­be­las­tung im Baden­er Zen­trum. Beson­ders betrof­fen: Die Volkss­chule am Pfar­rplatz und der Haupt­platz. Das ergab eine Strahlen­mes­sung durch die Fir­ma Tri­Co­Tel am 19. Novem­ber.

Gemessen hat Mobil­funk-Experte Mag. Robert Marschall. Er ist Geschäfts­führer der Fir­ma Tri­Co­Tel. Marschall ist von der Weik­ers­dor­fer Bürg­erini­tia­tive, die gegen die geplante Errich­tung eines Handy­mas­ten in der Radet­zkys­traße protestiert, als Berater engagiert wor­den.

1. run­der Mobil­funk-Tisch

Beim ersten run­den Mobil­funk­tisch am Mon­tag, ini­ti­iert von Stadtchefin Eri­ka Aden­samer, wollte Marschall seine Messergeb­nisse präsen­tieren, „um das ganze Aus­maß des Prob­lems zu zeigen“. Er wurde aber – so berichtet er — nicht entsprechend gehört. “Aus mein­er Sicht ist Marschall keine unab­hängige Insti­tu­tion,” kon­tert dazu Stad­trat Hans Hornyik. “Beim run­den Tisch sollte es eigentlich darum gehen, das Prob­lem der Weik­ers­dor­fer Bevölkerung zu lösen.”

Marschall unter­schrieb nicht

Nach sechsstündi­ger Diskus­sion kam es bei diesem run­den Tisch schließlich auch zu ein­er gemein­samen Presse-Erk­lärung. Ein­er hat diese Erk­lärung aber nicht unter­schrieben: Mag. Robert Marschall. Er begrün­det: „Die Erk­lärung hat wichtige Dinge nicht enthal­ten, die zur Lösung des Prob­lems beitra­gen kön­nten.“

Strahlen­be­las­tung bei Volkss­chule

Und das Prob­lem ist – aus Marschalls Sicht — kein geringes: Seine Mes­sun­gen ergaben drei „katas­trophale Werte“: Beim Ein­gang zur Volkss­chule 1 und 2 am Pfar­rplatz wurde ein Wert von 6.880 Mikrowatt pro Quadrat­meter gemessen. Beim Lan­desklinikum Ost Park­platz lag der Wert bei 5.230 Mikrogramm/m² und bei der Pest­säule wurde der drittschlecht­este Wert erzielt: mit 4.460 Mikrogramm/m².

Diskus­sion um Gren­zw­erte

Nun gibt es wed­er EU-weit noch in Öster­re­ich einen Gren­zw­ert für Strahlen­be­las­tung.

Der Indus­triekonz­ern BMW legte für seine Arbeit­splätze 100 Mikrowatt/m² fest. Deutsche Baubi­olo­gen sehen „extreme Anom­alien“ bei Strahlen­be­las­tun­gen über 100 Mikrowatt/m². Der EU-Rat gab 1999 hinge­gen eine Gren­zw­ert-Empfehlung für 9 Mil­lio­nen (!) Mikrowatt/m² an. Nor­male Handytele­fonie sei – so Marschall – schon bei einem Tausend­s­tel Mikrowatt prob­lem­los möglich.

Was tun?

Als Ursache für die extrem hohe Strahlen­be­las­tung bei der Volkss­chule sieht Marschall die Ansamm­lung von Mobil­funkan­la­gen im Kirch­turm von St. Stephan. „Hier müsste man sofort reagieren. Statt dessen wur­den nun beim run­den Tisch Strahlen-Mes­sun­gen im Stadt­teil Weik­ers­dorf vere­in­bart – dort, wo zwar um einen neuen Handy­mas­ten gestrit­ten wird, wo aber die Strahlen­be­las­tung nur ein Hun­dert­s­tel vom Zen­trum aus­macht. Da geht viel wertvolle Zeit ver­loren. Denn ich finde, unsere Schulkinder haben einen Arbeit­splatz ver­di­ent, der nur die Belas­tung eines BMW-Indus­triear­beit­splatzes aufweist.“

Die Lösungsan­sätze zur Strahlen-Min­derung lägen – so Marschall – bei der Ver­set­zung von Sendern aufs Dach, bei Abschir­mungs­maß­nah­men und bei der „gerecht­en Verteilung“ von Sendean­la­gen aufs ganze Stadt­ge­bi­et. „Eine Zusam­men­bal­lung an ein­er Stelle ist unfair. Tele­fonieren wollen schließlich alle, und warum sollen nur einige wenige mas­siv strahlen­be­lastet sein?“

Zurück zum Fes­t­netz?

Das reine Tele­fonieren mit Handys ist ja in Baden ohne­hin nahezu lück­en­los möglich. Worum es jet­zt geht, ist die Ausweitung des Mobil­funknet­zes in Rich­tung UMTS – also Datenüber­tra­gung via Handy. Die neue Tech­nolo­gie braucht ein stärk­eres Netz. Die einzel­nen Sender strahlen zwar nicht so stark, allerd­ings in einem beden­klichen Fre­quenzbere­ich, erläutert Marschall: „Man dürfte eigentlich nicht mehr Handy sagen son­dern Mikrow­ellen­tele­fon. Vielle­icht würde das doch manche abschreck­en. Denn let­ztlich wer­den wir nicht darum herumkom­men, die Tele­fonie und Datenüber­mit­tlung wieder in Rich­tung Fes­t­netz zu ver­lagern, wenn wir nicht unsere Gesund­heit gefährden wollen.“

Gesund­heitliche Gefahren?

Auch die Ärztekam­mer warnte schon vor gesund­heitlichen Prob­le­men. Sie kön­nen von Befind­lichkeitsstörun­gen (Schlaf­prob­leme, Ohren­sausen, etc.) bis zur Tumor­bil­dung reichen.

Marschall hat die Strahlen­be­las­tung in Baden schon vor zweiein­halb Jahren ein­mal gemessen. Damals ergaben sich beim Ther­men­klinikum 2830 Mikrowatt/m². Heute sind es 5.230. Seine Schlussfol­gerung: „Die Sit­u­a­tion hat sich drastisch ver­schlechtert, man muss han­deln. Und deshalb veröf­fentliche ich meine Messergeb­nisse. Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, informiert zu wer­den.“ In Marschalls Liste gehört Baden nun zu den Orten mit den höch­sten punk­tuellen Belas­tun­gen. Zum Ver­gle­ich: In der Wiener Innen­stadt wer­den Werte über 20.000 Mikrowatt erzielt.

Alle Messergeb­nisse sind ab sofort online abzu­rufen unter www.schutz-vor-elektrosmog.at.

Was geschah beim ersten Mobil­funk­tisch?

Am ersten Run­den Mobil­funk­tisch wur­den Mes­sun­gen durch die Lan­desregierung an sechs ver­schiede­nen Stan­dorten in Weik­ers­dorf und erst in weit­er­er Folge im gesamten Stadt­ge­bi­et vere­in­bart. Die erste Mess­rei­he wird beim näch­sten Run­den Tisch, voraus­sichtlich im Feb­ru­ar, vorgestellt, und von einem Medi­zin­er inter­pretiert. Ziel sei, eine „für die Bevölkerung best­mögliche Lösung des Handy­mas­ten­prob­lems zu find­en“. Teilgenom­men haben Poli­tik­erIn­nen, Anrain­er und Mobil­funk­be­treiber.

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