Vöslau: Erste Integrations-Projekte beschlossen

Die „Inte­gra­tion in Bad Vös­lau“ voranzutreiben, war ein defin­i­tiver Bestandteil des Medi­a­tionsver­fahrens. Darin wurde nicht nur die „Moschee“ völ­lig umge­plant, son­dern es wur­den auch beglei­t­ende Maß­nah­men vere­in­bart, um ein besseres Miteinan­der der ein­heimis­chen und der türkischen Bevölkerung zu gewährleis­ten.

Die „Moschee“ sollte ja ursprünglich ein ori­en­tal­isch anmu­ten­des Gebäude mit gut sicht­baren Minaret­ten und einer Kup­pel wer­den. Nach ersten Protesten wur­den die Minarette im Zuge der Medi­a­tion auf Unsicht­barkeit „ges­tutzt“ wor­den und der Ein­gangs­bere­ich wird nun als Kom­mu­nika­tion­szen­trum „für alle“ (wie Moschee-Pro­jek­tleiter Yil­maz betont) gestal­tet. Ver­anstal­tun­gen in dem neuen türkisch-islamis­chen Kul­turzen­trum sol­len auch offen für die ganze Bevölkerung sein.

Vere­in­bart wurde außerdem, dass in den Moschee-Beirat Vertreter der Stadt­ge­meinde entsendet wer­den, die damit am „laufenden“ sein sol­len, welche Pro­jekte in dem neuen Gebäude durchge­führt wer­den.

Die SPÖ-VertreterIn­nen machten ihren Verbleib in der Medi­a­tion (die voriges Jahr im Som­mer zu Ende ging) von der Festschrei­bung der Inte­gra­tion abhängig. Stadträtin Elis­a­beth Schirk sagt, was sie sich darun­ter vorstellt: „Wir wol­len eine demographis­che Studie über die Bevölkerung von Bad Vös­lau. Das heißt, wir wol­len wis­sen wie viele türkische, bosnis­che und andere Vös­lauerIn­nen wir haben. Um Inte­gra­tion ern­sthaft betreiben zu kön­nen, braucht man wis­senschaftlich unter­mauerte Fak­ten. Lei­der ist im Bud­get für 2008 kein Geld für eine solche Studie reserviert.“

Und auch die ÖVP macht langsam „Dampf“. Ihr Stadt­parteiob­mann Franz Neuhold meint: „Wir fordern die unverzügliche Ein­leitung von geziel­ten Maß­nah­men zur Inte­gra­tion der Min­der­heiten in die ein­heimis­che Bevölkerung.“

Im Rah­men der Stadterneuerung wurde immer­hin eine Inte­gra­tions-Arbeits­gruppe ein­gerichtet, die von Sozial­stadträtin Inge Kosa (Liste Flam­mer) geleitet wird. Die ersten Pro­jekte wur­den in der Gemein­der­atssitzung am Don­ner­stag präsen­tiert.

Es han­delt sich um den Kurs „Mama lernt Deutsch“, um die Ein­rich­tung einer gemein­samen Spiel­gruppe von öster­re­ichis­chen und Migranten-Kindern (“Zwerg­erl-Treff”), um ein Deutsch Inten­siv-Camp in den Ferien und um beglei­t­en­des Sprach­train­ing in der Volkss­chule.

Inge Kosa: „Diese Pro­jekte wur­den im Rah­men der Arbeits­gruppe Bildung/Erziehung erar­beitet. Die Stadt­ge­meinde stellt 13.500 Euro dafür bereit.“ 

Damit ist es aber längst nicht getan. Inge Kosa: „Es geht für uns nun in erster Linie um Kon­tak­tauf­nahme. Deshalb haben wir uns auch entsch­ieden, vor­erst keine demographis­che Studie in Auf­trag zu geben. Denn ein weit­eres Papier bringt uns jetzt nicht weiter, wo es doch jetzt um Ver­trauens­bil­dung geht, um erste kleine Schritte.“ In weit­eren Schrit­ten will man sich im Rah­men der Stadterneuerung auch um die Jugend­prob­lematik, um Kom­mu­nika­tion und Öffentlichkeit­sar­beit, um Gesund­heit, Arbeitswelt und Wohnen küm­mern.

Inge Kosa gesteht ein, dass aus dem Inte­gra­tions-Arbeit­skreis bisher nicht allzu­viel an die Öffentlichkeit sei, aber „Wir arbeiten nicht mit mark­tschreierischen Meth­o­den, son­dern ver­fol­gen die Poli­tik der kleinen Schritte. Wenn aber ÖVP und SPÖ jetzt kri­tisieren, dass im Zuge der Inte­gra­tion nichts weit­ergeht, muss ich ihnen auch sagen: Kein Vertreter dieser bei­den Parteien arbeitet bei uns mit!“

Gegen die Inte­gra­tions­maß­nah­men stimmte am Don­ner­stag nur FPÖ-Gemein­derat Dr. Franz Som­mer.  Seine Argu­men­ta­tion: Er sei keineswegs gegen Sprachkurse etc. zum Erler­nen der deutschen Sprache. 6.700 Euro für eine öster­re­ichisch-türkische Zwerg­erl­gruppe für 0 — 3-Jährige mit Eltern seien ihm aber entsch­ieden zu viel.

Auch ÖVP-Stadt­parteiob­mann Franz Neuhold (er sitzt nicht im Gemein­derat) ist mit den präsen­tierten Maß­nah­men nur bed­ingt zufrieden.

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