Vöslau: Erste Integrations-Projekte beschlossen
März 28th, 2008
Die „Integration in Bad Vöslau“ voranzutreiben, war ein definitiver Bestandteil des Mediationsverfahrens. Darin wurde nicht nur die „Moschee“ völlig umgeplant, sondern es wurden auch begleitende Maßnahmen vereinbart, um ein besseres Miteinander der einheimischen und der türkischen Bevölkerung zu gewährleisten.
Die „Moschee“ sollte ja ursprünglich ein orientalisch anmutendes Gebäude mit gut sichtbaren Minaretten und einer Kuppel werden. Nach ersten Protesten wurden die Minarette im Zuge der Mediation auf Unsichtbarkeit „gestutzt“ worden und der Eingangsbereich wird nun als Kommunikationszentrum „für alle“ (wie Moschee-Projektleiter Yilmaz betont) gestaltet. Veranstaltungen in dem neuen türkisch-islamischen Kulturzentrum sollen auch offen für die ganze Bevölkerung sein.
Vereinbart wurde außerdem, dass in den Moschee-Beirat Vertreter der Stadtgemeinde entsendet werden, die damit am „laufenden“ sein sollen, welche Projekte in dem neuen Gebäude durchgeführt werden.
Die SPÖ-VertreterInnen machten ihren Verbleib in der Mediation (die voriges Jahr im Sommer zu Ende ging) von der Festschreibung der Integration abhängig. Stadträtin Elisabeth Schirk sagt, was sie sich darunter vorstellt: „Wir wollen eine demographische Studie über die Bevölkerung von Bad Vöslau. Das heißt, wir wollen wissen wie viele türkische, bosnische und andere VöslauerInnen wir haben. Um Integration ernsthaft betreiben zu können, braucht man wissenschaftlich untermauerte Fakten. Leider ist im Budget für 2008 kein Geld für eine solche Studie reserviert.“
Und auch die ÖVP macht langsam „Dampf“. Ihr Stadtparteiobmann Franz Neuhold meint: „Wir fordern die unverzügliche Einleitung von gezielten Maßnahmen zur Integration der Minderheiten in die einheimische Bevölkerung.“
Im Rahmen der Stadterneuerung wurde immerhin eine Integrations-Arbeitsgruppe eingerichtet, die von Sozialstadträtin Inge Kosa (Liste Flammer) geleitet wird. Die ersten Projekte wurden in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag präsentiert.
Es handelt sich um den Kurs „Mama lernt Deutsch“, um die Einrichtung einer gemeinsamen Spielgruppe von österreichischen und Migranten-Kindern (”Zwergerl-Treff”), um ein Deutsch Intensiv-Camp in den Ferien und um begleitendes Sprachtraining in der Volksschule.
Inge Kosa: „Diese Projekte wurden im Rahmen der Arbeitsgruppe Bildung/Erziehung erarbeitet. Die Stadtgemeinde stellt 13.500 Euro dafür bereit.“
Damit ist es aber längst nicht getan. Inge Kosa: „Es geht für uns nun in erster Linie um Kontaktaufnahme. Deshalb haben wir uns auch entschieden, vorerst keine demographische Studie in Auftrag zu geben. Denn ein weiteres Papier bringt uns jetzt nicht weiter, wo es doch jetzt um Vertrauensbildung geht, um erste kleine Schritte.“ In weiteren Schritten will man sich im Rahmen der Stadterneuerung auch um die Jugendproblematik, um Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, um Gesundheit, Arbeitswelt und Wohnen kümmern.
Inge Kosa gesteht ein, dass aus dem Integrations-Arbeitskreis bisher nicht allzuviel an die Öffentlichkeit sei, aber „Wir arbeiten nicht mit marktschreierischen Methoden, sondern verfolgen die Politik der kleinen Schritte. Wenn aber ÖVP und SPÖ jetzt kritisieren, dass im Zuge der Integration nichts weitergeht, muss ich ihnen auch sagen: Kein Vertreter dieser beiden Parteien arbeitet bei uns mit!“
Gegen die Integrationsmaßnahmen stimmte am Donnerstag nur FPÖ-Gemeinderat Dr. Franz Sommer. Seine Argumentation: Er sei keineswegs gegen Sprachkurse etc. zum Erlernen der deutschen Sprache. 6.700 Euro für eine österreichisch-türkische Zwergerlgruppe für 0 - 3-Jährige mit Eltern seien ihm aber entschieden zu viel.
Auch ÖVP-Stadtparteiobmann Franz Neuhold (er sitzt nicht im Gemeinderat) ist mit den präsentierten Maßnahmen nur bedingt zufrieden.
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