Gewalt an Schulen: Prävention ist gefragt

Gewalt in der Schule? Nein, bei uns nicht wirk­lich. So der Tenor, wenn man an Schu­len im Bezirk nach­fragt, ob es heute mehr Gewalt als früher gibt. Das behauptet ja eine jüngst veröf­fentlichte Umfrage des Vere­ins Neustart. Die Jugendlichen seien zwar etwas unruhiger und aggres­siver, heißt es an den Bezirkss­chu­len, doch einst­weilen habe man die Prob­leme noch im Griff.

Vor allem an den Hauptschu­len im Bezirk ist Präven­tion aber doch ein Thema. An der Sporthauptschule Bad Vös­lau etwa läuft dieser Tage ger­ade wieder ein Schw­er­punk­t­pro­gramm, das schon seit Jahren durchge­führt wird. Dir. Rose­marie Krauth: „Ein Krim­i­nal­ist bespricht das Thema drei Tage lang mit Jugendlichen der 3. bzw. 4. Klassen.“

An der Real­hauptschule Leobers­dorf ist Dir. Ger­hard Beck ger­ade auf der Suche nach einem geeigneten Präven­tion­spro­gramm auf Work­shop-Ebene. Aber: „Ich habe Ange­bote, die sind lei­der sehr teuer. Ich hoffe, dass es auch seit­ens des Lan­des bald ein akzept­a­bles Ange­bot gibt, das sich unsere Eltern/Schüler auch leis­ten kön­nen.“ Zwei LehrerIn­nen der Hauptschule Leobers­dorf absolvieren dem­nächst ein Sem­i­nar zum Thema Stress/Gewalt.

Gar kein Thema“ ist hinge­gen Gewalt für den Direk­tor des Gym­na­si­ums Frauen­gasse in Baden. „Kein Unter­schied zu früher!“ sagte er.

Eben­falls von Gewalt-Vor­fäl­len ver­schont ist die Poly­tech­nis­che Schule in Kot­ting­brunn. Deren Direk­tor Leopold Mau­rer führt dies auf die Tat­sache zurück, dass seine Schule eine „kleine Schule“ ist – 80 Schü­lerIn­nen verteilt auf vier Klassen. „Wenn Kon­flikte auf­tauchen, reden wir die sofort aus,“ sagt Mau­rer. Er ist schon seit 35 Jahren Lehrer in Kot­ting­brunn. Haben sich die Jugendlichen in dieser Zeit verän­dert? „Ja,“ sagt Mau­rer. „Ich glaube, sie wis­sen heute mit sich selbst und mit ihrer Freizeit sehr wenig anz­u­fan­gen. Und sie sehen wenig Zukun­ftsper­spek­tiven. Das kön­nte schon ein Grund dafür sein, dass die Gewalt­bere­itschaft der Jugendlichen immer mehr ein Thema wird.“ Mau­rer kön­nte sich auf schulis­cher Ebene eine Plat­tform gegen Gewalt vorstel­len, bezirk­sweit, unter Ein­bindung von Behör­den, Experten, LehrerIn­nen, Eltern und SchülervertreterIn­nen. Mau­rer: „Es gibt ja auch Dro­gen­beauf­tragte, oder Brand­schutzbeauf­tragte!“

Auf Pro­jekt-Ebene im Unter­richt wird „Gewalt“ gele­gentlich the­ma­tisiert. Und: Obwohl alle Umfra­gen und Stu­dien bele­gen, dass Gewalt ein „männliches Thema“ ist, sind es vor allem Mäd­chen und Lehrerin­nen, die sich – teils auch in ihrer Freizeit – damit auseinan­der­set­zen.

2004 etwa hatte die Badener Han­del­sakademie das viel­beachtete Pro­jekt „Brot und Rosen“ laufen. Im Rah­men des Über­ti­tels „Frauen­rechte sind Men­schen­rechte“ hat sich eine Schü­lerIn­nen­gruppe auch mit der Frage „Gewalt gegen Frauen“ auseinan­derge­setzt. Fak­tum ist, dass mehr als 90 Prozent der Gewalt­fälle von Män­nern gegen Frauen aus­geübt wird.

Im Vor­jahr set­zten sich im Rah­men der „Bion­dek­bühne Baden“ elf Mäd­chen zwis­chen 13 und 15 damit auseinan­der, was Gewalt für sie ist. Und wie alltäglich sie ist, zum Beispiel im Klassen­z­im­mer. Die Ergeb­nisse dieser Auseinan­der­set­zung mün­de­ten in das The­ater­stück „Wut“, das mehrmals erfol­gre­ich aufge­führt wurde.

Was ist über­haupt Gewalt? Und wo beginnt sie?“ war zum Beispiel eine der Fragestel­lun­gen in dem The­ater­stück.

Sind „kleine Rangeleien, wie sie schon immer vorgekom­men sind“ (Dir. Magyar/Frauengasse) schon Gewalt? Unter der Hand erzäh­len besorgte Eltern von dur­chaus beden­klichen Fäl­len: Ein in seiner Klasse gemobbter Jugendlicher wird auf der Straße geprügelt. Ein „Spiel“, bei dem Attacken nur simuliert und per Handy gefilmt wer­den soll­ten, artet in bit­teren Ernst aus. Män­tel wer­den aufgeschlitzt, Fahrräder mutwillig schwer beschädigt.

Manche Schu­len (etwa HTL Mödling oder Gym­na­sium Bach­gasse und Hauptschule Gun­trams­dorf) haben bere­its, zum Teil auch auf Ini­tia­tive von Eltern, schulis­che Sozialar­beit einge­führt. Diese wird zum Beispiel vom Verein X-point ange­boten (www.xpoint.at). DSA Michael Micha­jlovic sagt: „80%  der Befragten hal­ten laut „Neustart“ Jugendge­walt für ein großes Prob­lem. Das wird auch durch unseren Jahres­bericht aus 2005/06 bestätigt. Daher sind Mitbes­tim­mung, Wahrnehmung und Ver­ant­wor­tung, Kon­se­quenz, sowie Wertschätzung und ein Diskurs, wie in der Schule gelebt wird, sicher­lich wichtige Schlag­worte für die näch­ste Zeit.“ Die X-point-Bera­terIn­nen kom­men wöchentlich zu fixen Ter­mi­nen in die Schu­len und ste­hen dort LehrerIn­nen und Eltern, aber vor allem Schü­lerIn­nen als Ansprech­per­so­nen zur Ver­fü­gung. Die Ter­minkalen­der sind zumeist voll!

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