Denkmale setzen!

Typ­is­che blau-weiße Kul­tur­denkmaltafel nach Haager Kon­ven­tion. Die Liste wird zur Zeit vom Bun­des­denkmalamt neu erar­beit­et. Einige Objek­te, die diese Tafel derzeit tra­gen, kön­nten sie ver­lieren.

Mehrere hun­dert denkmalgeschützte Häuser und Objek­te gibt es in Stadt und Bezirk Baden – wie zum Beispiel das Rathaus in Bad Vös­lau, viele Villen in Baden, Arbeit­er­wohn­häuser in Bern­dorf, die Pfar­rhof-Brücke in Traiskirchen oder der so genan­nte Rothe Hof in Pot­ten­dorf. Doch im Kriegs- und Krisen­fall wird nicht automa­tisch jedes dieser Objek­te geschützt. Dafür bedarf es ein­er Erk­lärung zum „Kul­tur­denkmal“.

Bis 1985 wur­den vom Bun­des­denkmalamt die typ­is­chen blau-weißen Kul­tur­denkmal-Tafeln rel­a­tiv großzügig vergeben. Sie sollen darauf ver­weisen, dass diese Objek­te im Kriegs- und Krisen­fall mil­itärisch geschützt wer­den. (Haager Kon­ven­tion, siehe nebe­nan) Ein Gesamtverze­ich­nis der Kul­tur­denkmäler existiert allerd­ings nicht.

Das ist der Grund, warum es derzeit im Bun­des­denkmalamt viel Arbeit gibt. Denn laut Gesetz soll bis Ende 2009 die Kul­tur­denkmal-Liste aktu­al­isiert wer­den. Dr. Heimo Cerny vom Bun­des­denkmalamt: „Wir prüfen zur Zeit Objek­te, die für eine Auf­nahme in die Liste in Frage kom­men. Die Kri­te­rien für die Verteilung der neuen Tafeln sind in Ausar­beitung.“

Jeden­falls wer­den es sehr strenge Kri­te­rien sein: städtis­che Gebäude-Ensem­bles und Objek­te mit höch­ster „Ran­gord­nung“. Davon gibt es in den Bezirken Baden, Wr. Neustadt und Neunkirchen nur wenige. Jeden­falls sollen Stadt­teile von Baden und der Innen­stadt von Wr. Neustadt (Bere­ich Dom­platz) als kün­ftige Kul­tur­denkmäler geschützt wer­den. „Ein­heitliche Ensem­bles sind leichter mil­itärisch zu vertei­di­gen als ver­streute Einzelob­jek­te. Schützenswerten Einzelob­jek­ten müsste eine sehr hohe inter­na­tionale Bedeu­tung zuge­sprochen wer­den!“

Diese Liste soll in der Folge ans Vertei­di­gungsmin­is­teri­um gehen. Und daraufhin wird jedes Bun­des­land einen Krisen­plan ausar­beit­en, der auch den Schutz der neu definierten Kul­tur­denkmäler bein­hal­tet. Die neue Liste gilt ab 1. Jän­ner 2010 und muss dann auch öffentlich gemacht wer­den. Voraus­set­zung für die Auf­nahme in die Liste ist ein beste­hen­der Denkmalschutz. Die alten blau-weißen Tafeln wer­den bis dahin abmon­tiert, und – so Dr. Cerny – ist zu erwarten, dass manche Men­schen diese Maß­nahme nicht ohne Wider­spruch hin­nehmen kön­nten.

Nicht zu ver­wech­seln ist diese Liste übri­gens mit der Klas­si­fizierung als UNESCO-Weltkul­tur­denkmal. Weltweit gibt es nur etwa 700 solche Weltkul­turstät­ten, darunter in Öster­re­ich die Innen­städte von Graz, Wien und Salzburg, die Sem­mer­ing­bahn, die Gegend um den Neusiedlersee, die Wachau oder Schloss Schön­brunn. Stift Heili­genkreuz im Bezirk Baden schaffte bis­lang die Auf­nahme in die UNESCO-Wel­terbe-Liste nicht.

Rund 30 Weltkul­turstät­ten sind akut von Ver­fall bedro­ht – vor allem in Entwick­lungslän­dern. (Die UNESCO besitzt näm­lich kein­er­lei Sank­tion­s­möglichkeit, falls der Schutz nicht gewährt wird, außer die Stre­ichung von der Liste. Beispiel­sweise kon­nte die Ver­nich­tung der Bud­dha-Stat­uen von Bamiyan eben­so wenig ver­hin­dert wer­den wie die 90%-ige Verkleinerung des Wild­schutzge­bi­ets der Ara­bis­chen Oryx ( gestrichen 2007) zugun­sten der Erdgas- und -Ölförderung.)

Am 28. Sep­tem­ber ruft das Bun­des­denkmalamt übri­gens zum Tag des Denkmals aus. Im Bezirk Baden gibt es an diesem Tag Führun­gen durch die Bern­dor­fer Stilk­lassen. Rechtzeit­ige Anmel­dung ist erbeten www.bda.at

Das berühmteste Kul­tur­denkmal unser­er Region: die Sem­mer­ing­bahn ist UNESCO-Weltkul­turerbe

Sem­mer­ing­bahn heißt der Teil der Süd­bahn­strecke zwis­chen Glog­gnitz (Niederöster­re­ich) und Mürz­zuschlag (Steier­mark), 41 km lang, 1848–54 von K. von Ghe­ga gebaut, erste Gebirgs­bahn Europas, bis heute Vor­bild für alle Gebirgs­bah­nen der Welt. Die Täler wer­den plan­mäßig aus­ge­fahren und die Gebirgsrück­en umfahren, um zum Scheit­elpunkt zu gelan­gen (erste Ram­p­en­bahn). Die Sem­mer­ing­bahn über­quert auf 16 teil­weise mehrstöck­i­gen Viaduk­ten Täler und Schlucht­en, durch­fährt 15 Tun­nels und erre­icht im Haupt­tun­nel (1430 m lang, galt zu sein­er Zeit als das großar­tig­ste Bauw­erk dieser Art) auf 897 m den höch­sten Punkt. Die Höch­st­stei­gung beträgt 25 m auf 1000 m Strecke (= 1 : 40, frühere Höch­st­gren­ze 1 : 200). DieSem­mer­ing­bahn ist eine reine Adhä­sions­bahn und bewies, dass Gebirgszüge kein Hin­der­nis für Schienen­wege bedeuten müssen. Das Pro­jekt des Sem­mer­ing-Basis­tun­nels wurde 2000 vor­läu­fig eingestellt. 1998 wurde die Sem­mer­ing­bahn in die Wel­terbe-Liste der UNESCO aufgenom­men.

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