10 Jahre 0,5 Promille: Was hat’s gebracht?

August 18th, 2008

Etwas mehr als zehn Jahre ist es her, dass in Österreich die 0,5 Promille-Regelung gilt. Seinen „Ausgangspunkt“ hatte dieses Gesetz übrigens in Baden. Am Gymnasium Biondekgasse war im Herbst 1997 – nachdem ein betrunkener Autorowdy drei Schüler bei einem Unfall getötet hatte – eine Bewegung entstanden. Aus Trauer und Zorn waren die Gymnasiasten auf die Straße gegangen, bis vors Parlament, mit der Forderung, die 0,8 Promille-Grenze herabzusetzen. Im Dezember 1997 wurden die Schüler vom Parlament erhört. Und seit Jänner 1998 gilt österreichweit das neue Gesetz.

Was hat’s gebracht? Im ersten Jahr war österreichweit ein Rückgang zu vermerken – auf 2225 Alkohol-Unfälle im ganzen Jahr (5,7 % aller Unfälle). Danach kletterte die Kurve bis 2003 wieder leicht nach oben und stagnierte dann auf einem Niveau zwischen 6,5 und 6,7 % (knapp unter 3000 Unfälle im Jahr). Im Jahr 2006 konnte wieder ein Rückgang festgestellt werden, 2007 ging die Kurve jedoch wieder steil nach oben. Und auch heuer steigt die Zahl der Alko-Unfälle. Ungefähr jeder 15. Unfall ist auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Die meisten Alko-Unfälle passierten übrigens heuer bisher in Niederösterreich. Von Jänner bis April gab es bei 132 Unfällen 188 Verletzte und 5 Tote. Und das, obwohl es immer mehr Alkohol-Vortest-Geräte gibt, obwohl für junge Autolenker im Zuge des Probe-Führerscheins 0,1 Promille gilt.

In Stadt und Bezirk Wr. Neustadt gab es von 1998 bis 2008 insgesamt 314 Alko-Unfälle mit 451 „Personenschäden“. In diesem Zeitraum ließen 10 Menschen ihr Leben auf der Straße, wobei weder in Stadt noch Bezirk seit 2005 ein Todesopfer zu beklagen war.

Die Tendenz der letzten Jahre sei im Raum Wr. Neustadt nicht wirklich auffällig, sagen Polizeidirektor Oberst Josef Ponweiser und Kontrollinspektor Eduard Zimmermann (siehe Bild oben). Es gebe zwar keinen Rückgang bei Alkohol-Unfällen, jedoch von Jahr zu Jahr nur die üblichen Schwankungen. Und das bei steigendem Verkehr. Der Rückgang an Verkehrstoten sei der erhöhten Sicherheit im Straßenbau und der besseren Ausstattung der Autos geschuldet.

„Außerdem ist die Disziplin der jungen Autolenker deutlich gestiegen,“ bemerkt Oberst Ponweiser aus der Praxis der Stadt Wr. Neustadt mit ihrer weithin bekannten Disco-Szene. „Die Jugendlichen bilden Fahrgemeinschaften, und der Autolenker bleibt nüchtern.“ Ponweiser begrüßt außerdem, dass zwei der vier städtischen Fahrschulen im Zuge der Führerscheinausbildung Alkohol-Prävention betreiben. „Wir von der Polizei halten den Führerschein-Neulingen Vorträge über die bekannt fatalen Auswirkungen von Alkoholisierung.“

In der Verkehrsüberwachung werden in Wr. Neustadt mittlerweile Alko-Vortestgeräte routinemäßig eingesetzt. „2008 haben wir bisher 1595 Vortests durchgeführt, davon wurden 178 Personen wegen Alkoholisierung angezeigt. Im ganzen Jahr 2007 haben wir 3115 Vortests abgenommen, davon waren 350 Personen alkoholisiert – also etwas mehr als 10 Prozent. Wobei zu sagen ist, dass wir die Vortest vor allem dann durchführen, wenn wir nur den leisesten Verdacht hegen. Wir sehen im Prinzip keine besonders auffällige Altersgruppe. Frauen sind deutlich weniger oft alkoholisiert unterwegs, aber wenn, dann schlagen sie so manchen „Rekord“, meinen Josef Ponweiser und Eduard Zimmermann.

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