Schlaflos in der Josefstadt

Februar 28th, 2009

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„Unmöglich. Ich kann nicht schlafen. Sieben Tage die Woche der gleiche Zirkus.“ Herbert Grünzweig (53) muss um 6 Uhr raus aus den Federn. Doch jede Nacht stört der Lärm, den die Gäste des Cafè Österreich machen, seinen Schlaf. Herbert Grünzweig ist mit seinen Sorgen nicht allein…


Gegröle, Autohupen, Prostituierte, Lärm bis zwei Uhr früh. Das alles will Herbert Grünzweig schon beobachtet haben. „Der Lärm kommt nicht aus dem Lokal, sondern entsteht durch die Gäste beim Verlassen des Lokals, auch noch lang nach Mitternacht. Ich habe schon x-mal die Polizei verständigt, es hatte bisher keinen Erfolg. Viele hier können nur mit Schlafmitteln schlafen.“ Schon 30 Anrainer haben unterschrieben, dass sie für eine Herabsetzung der Sperrstunde von 24 Uhr auf 22 Uhr eintreten.

Das Cafè Österreich: Ein Lokal in der Vereinsgasse, das es schon seit mehr als 70 Jahren gibt. Es war einst ein österreichisches, dann ein serbisches und jetzt - seit 20 Jahren - ist es ein türkisches Lokal.

Am „Schauplatz“

Es ist Mittwoch, 18 Uhr. Ich betrete das Lokal, zwei Gäste sind da, die Kellnerin sitzt an einem Tisch und raucht. Schmuddelige Tischtücher, aber ein schöner LCD-Fernseher an der Wand. Ein Fußballspiel wird übertragen. Stille. Man schaut mich skeptisch an.

„Ist der Chef da?“ frage ich. Man wechselt Blicke. „Er schläft.“ „Ich müsste ihn dringend sprechen, es gibt Beschwerden. Ich bin von der Zeitung,“ sage ich. Nach ein paar weiteren Blickwechseln holt die Kellnerin den Chef Tekin Salich.

Er kennt die Probleme, fühlt sich aber absolut nicht schuldig. „Was kann ich dafür, wenn meine Gäste draußen Lärm machen?“ sagt er in gebrochenem Deutsch. Das Lokal selbst verursacht keinen Lärm, ergaben Gutachten. „Prostitution soll es auch geben,“ werfe ich in den Raum. „Prostitution? Was ist das?“ - so seine Antwort. „Käufliche Mädchen,“ erkläre ich. Er zuckt die Achseln, davon weiß er gar nichts. „Und warum haben Sie nach 24 Uhr noch offen?“ frage ich. Seine Antwort: „Ab 24 Uhr darf keiner mehr rein. Aber ich kann ja nicht die Gäste, die noch herinnen sind, einfach rausschmeißen.“ „Könnten Sie sich vorstellen, schon um 22 Uhr Sperrstunde zu haben, um des lieben Friedens willen?“ frage ich. Er sagt: „Nein. Da könnte ich gleich zusperren. Ich will eigentlich bis vier Uhr früh offen haben.“ Er gibt mir die Telefonnummer seines Anwalts, fotografieren darf ich ihn und sein Lokal nicht.

Anwalt: „Gütlich einigen!“

Szenenwechsel zurück zu Herbert Grünzweig. „Ich bin kein Ausländerfeind,“ sagt der Wiener Neustädter. „Auf meiner Liste haben auch viele türkische Anrainer unterschrieben. Das heißt, es gibt hier wirklich ein Problem..“

Der Anwalt von Cafè Österreich-Inhaber Tekin Salich, Dr. Csar, empfiehlt seinem Mandanten, die Ruhe zu bewahren, und strebt eine gütliche Einigung im Interesse aller Betroffenen an: „Das Cafè Österreich hat alle behördlichen Auflagen erfüllt, und entsprechende Gutachten beigebracht. Ich verstehe meinen Mandanten, dass er - nachdem er so viel investiert hat -, sich nicht die Sperrstunde herabsetzen lassen möchte. Denn die meisten Gäste kommen ja doch erst zu späterer Stunde. Ich verstehe aber auch die Anrainer, die ihre Ruhe haben wollen.“ Dr. Csar geht davon aus, dass es eine gütliche Einigung in dem Konflikt geben wird. Das Verfahren läuft derzeit.

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