G’riss um billige Wohnungen

karlrennerhof

In Zeit­en der Krise herrscht ein G‘riss um bil­lige (Gemeinde)Wohnungen. Das Kli­ma im Gemein­de­bau wird rauer, sagt WN-Aktiv-Gemein­der­at Haber­ler. Stich­wort: Mob­bing. Und die Obdachlosen-Ein­rich­tun­gen in Wiener Neustadt sind rand­voll…

 

Frau W. ist verzweifelt. Seit vier Jahren führt die 70-jährige Mieterin ein­er Gemein­de­woh­nung in der Pot­ten­dor­fer Straße peni­bel Buch über Lärm­beläs­ti­gun­gen. Ihre bei­den Nach­barn „leg­en es drauf an, mich aus der Woh­nung rauszubekom­men,“ sagt die Frau. Wed­er Anzeigen bei der Polizei, noch Bit­ten um Hil­fe am Mag­is­trat hät­ten bish­er etwas geholfen. „Ich würde so gerne malen und Gedichte schreiben, aber ich bin mit den Ner­ven schon total am Ende, ständig dieser Lärm!“ Gehör fand die Frau bei WN-Aktiv-Gemein­der­at Wolf­gang Haber­ler. Der sieht ein generelles Prob­lem im Gemein­de­bau: „Immer öfter höre ich, dass Aus­län­der alteinge­sessene Mieter aus ihren Woh­nun­gen mobben wollen, um diese Woh­nung dann selb­st zu bekom­men! Sprich: Das Mob­bing im Gemein­de­bau nimmt zu und Frau W. ist nur ein Beispiel dafür.“

 

200 — 300 Suchende

Woh­nungsstad­trat und Vize­bürg­er­meis­ter Wolf­gang Tro­fer wun­dert sich: „Bish­er hat sich kein einziger Öster­re­ich­er offiziell über aus­ländis­che Nach­barn beschw­ert.“ Jedem Prob­lem werde aber nachge­gan­gen.

Klar ist für Tro­fer, dass in Zeit­en der Krise das „G‘riss“ um bil­lige Woh­nun­gen in Wiener Neustadt größer wird. Die 2000 Gemein­de­woh­nun­gen und 8000 Genossen­schaftswoh­nun­gen sind entsprechend stark nachge­fragt. „Auf unser­er Liste sind derzeit 200 bis 300 Woh­nungssuchende vorge­merkt. Ich beobachte, dass es derzeit kaum zu der son­st üblichen Fluk­tu­a­tion bei den Gemein­de­woh­nun­gen kommt. Sprich: In Zeit­en der Krise über­legen die Men­schen zweimal, ob sie eine gün­stige Woh­nung aufgeben, um ander­swo schön­er, aber dafür auch teur­er zu leben.“

Gefahr von Ghet­to-Bil­dung

Der Anteil von Men­schen mit Migra­tionsh­in­ter­grund an den Gemeinde-Mietern entspreche in etwa ihrem Anteil an der Gesamt-Bevölkerung (12 Prozent). Tro­fer: „Viele haben aber längst die öster­re­ichis­che Staats­bürg­er­schaft.“ Allerd­ings ist unbe­strit­ten, dass in Wiener Neustadt eine Ten­denz zur Ghet­to-Bil­dung beste­ht. Das ist auch schon am Aus­län­der-Anteil in ver­schiede­nen Volkss­chulen zu erken­nen. Die Gemeinde ver­sucht gegen­zus­teuern, indem die Nation­al­itäten gle­ich­mäßig auf alle Woh­nun­gen aufgeteilt wer­den, sagt Tro­fer.

 

Trans­par­ente Ver­gabe

Grund­sät­zlich erfolge die Woh­nungsver­gabe trans­par­ent, nach objek­tiv­en Kri­te­rien und nach sozialer Bedürftigkeit, betont Tro­fer. Am 26. März wid­met sich das näch­ste Inte­gra­tions­ge­spräch in Wiener Neustadt der The­matik „Inte­gra­tion und Wohnen“. (Diet­richg. 7, 18 Uhr)

 

Obachlosigkeit steigt

Sozial-Ein­rich­tun­gen, wie das Frauen­haus (10 Plätze für geschla­gene Frauen) oder das Män­ner­wohn­heim (16 betreute Wohn­plätze) oder der Wohn­hof (28 Wohn­plätze für Män­ner und Frauen) melden außer­dem wieder deut­lich mehr Fälle von Obdachlosigkeit, und das nicht erst seit einem hal­ben (Krisen)-Jahr. „Die Unter­schicht hat die Krise schon länger!“, stellt Eva Eign­er, die Obfrau des Vere­ins für soziale Betreu­ung NÖ-Süd fest. Die 20 neuen Frauen-Wohn­plätze, die im Zuge der Weiber­wirtschaft im Novem­ber eröffnet wer­den, kön­nten schon jet­zt gefüllt wer­den. „Die Obdachlosigkeit der Frauen ist in Wahrheit viel höher als die der Män­ner. Aber viele Frauen bleiben ein­fach bei ihren Män­nern, um ein Dach über dem Kopf zu haben!“ sagt Gmein­er. Allein am Mon­tag kamen drei Frauen um Hil­fe in den Wohn­hof. Ursachen: Schei­dun­gen, Job-Ver­lust. In den 25 Jahren seines Beste­hens hat das Män­ner­wohn­heim 974 Män­ner für max­i­mal ein Jahr beherbergt, im Wohn­hof (Benützungsmöglichkeit max­i­mal drei Jahre) lebten bish­er 68 Män­ner, 140 Frauen und 79 Kinder. „Abge­se­hen von Notschlaf­stellen sind wir voll!“ sagt Eign­er.

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