Die “Halleiner” waren da

Juni 20th, 2009

snv15503

Ein Stück Alltagsgeschichte wurde am langen Wochenende in Kottingbrunn lebendig. Und wird es vielleicht nie wieder…


„Die Halleiner kommen!“ So titelte eine Ausstellung in der Kulturszene, die sich den Halleiner Motorenwerken widmete. Diese Fabrik beschäftigte - am Areal der heutigen Battenfeld, die alten Produktionshallen sind noch in Verwendung - von 1958 bis 1962 rund 600 Menschen.

„Ich war Schleifer!“

„Ich war Schleifer,“ erinnert sich Anton Pehab (74), „und ich habe damals 480 Schilling netto im Monat verdient. Das war ein guter Lohn. Ein Achtel Wein kostete damals 50 Groschen, ein Gulasch höchstens 2 Schillinge. Und ein Quadratmeter Baugrund war um 5 Schilling zu haben.“ Anton Pehab war einer von vielen, die aus Hallein nach Kottingbrunn zogen, im Jahr 1957, als die Firma hierher übersiedelte. „Als ich in Kottingbrunn aus dem Zug stieg, traf mich fast der Schlag,“ erinnert sich Pehab. „Alles war noch immer vom Krieg her zerstört. Was tu ich hier, hab ich mich gefragt.“

Dann ist er doch in Kottingbrunn geblieben, hat hier eine Familie gegründet, und sich im Fußballverein engagiert. Bis zur Schließung der Halleiner Motorenwerke im Jahr 1962 war Anton Pehab hier beschäftigt. An seinen Chef, den Wiener Neustädter Hans Hinterberger, erinnert er sich nur vage: „Er war nicht oft da. Er wollte schnelles Geld machen, und ist sehr gut aufgetreten. 1986 hat er sich erschossen, man weiß nicht warum.“

Für Qualität waren die HMW nicht gerade berühmt. „Das lag auch daran, dass wir sehr viele verschiedene Modelle gebaut haben, Mopeds und motorengetriebene Fahrräder. Die Ersatzteile waren nicht leicht zu bekommen, darunter hat unser Image gelitten.“

Ende durch Auto-Boom

Anfang der 1960er-Jahre begann der Auto-Boom, und die Nachfrage nach Zweirädern brach ein. 1962 rollte das letzte Moped vom Fließband. Teile des Fabriks-Bestands wurden auf ein Schiff verladen und sollten nach Afrika transportiert werden, wo es noch Interessenten gab. Das Schiff samt Fracht ging unter, und die „Halleiner“ atmeten auf: „Wenigstens hatten wir keine Reklamationen zu fürchten“, weiß Pehab noch.

Hans Kowalski (geb. 1955) war ein kleiner Bub, als die Halleiner nach Kottingbrunn übersiedelten. „Fast alle meiner Freunde waren irgendwie mit dem Werk verbandelt. Ich erinnere mich noch, dass es Rivalitäten gab zwischen den Kindern der Zuzügler, die in Werkswohnungen untergebracht waren, und den Ur-Kottingbrunnern, zu denen ich gehöre. Ich bin nur 50 Meter vom Werk entfernt geboren und aufgewachsen.“

Ideengeber Hans Kowalski

Hans Kowalski hat mit seiner Frau Verena und etwa einem Dutzend freiwilliger Helfer von der Kulturszene und Motorrad-Freunden die HMW-Ausstellung organisiert. Die wird wahrscheinlich in dieser Form ein absolutes Unikum bleiben. „Ich wollte unter anderem auch das Lebenswerk von Walter Langenhagen würdigen,“ sagt Kowalski. „Herr Langenhangen hat die Restbestände des Motorenwerks gesammelt, gehortet und daraus Fahrzeuge gebaut. Und er hat aus dem Fundus von Firmenchef Hinterberger auch unzählige Fotos von damals.“

Das alles war am Wochenende zu sehen - unter anderem 65 fahrbereite Zweiräder. Höhepunkt war eine große Ausfahrt am Samstag, das Treffen von 45 ehemaligen Mitarbeitern und der Austausch von unzähligen lebendigen Geschichten.


[mygal=halleiner]

Mehr Fotos gibt es auf FacebooK

Entry Filed under: kottingbrunn,kultur,wr. neustadt

Kommentieren Sie diesen Artikel

Required

Required, hidden

HTML teilweise erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Trackback für diesen Artikel  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Kategorien

 

Juni 2009
M D M D F S S
« Mai   Jul »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930  

Archive