Rekord-Winter: Ein Pannenhelfer erzählt

Februar 20th, 2010

SNV19344

Rund 30.000 Autopannen hat Martin Wallner in seinem Leben schon gehabt. Freilich nicht selbst: Er ist seit 21 Jahren als ÖAMTC-Pannenhelfer im Raum Wiener Neustadt/Neunkirchen unterwegs. Im heurigen Rekordwinter (1202 Pannen-Einsätze im Raum Wr. Neustadt allein im Jänner) wurde er besonders häufig „angerufen“.

So sehr das Handy für viele ein Segen ist. Für die Pannenhelfer ist es oft ein Fluch, weiß Martin Wallner. Denn die Suche nach den autotechnisch Gestrandeten ist heute oft schwieriger als früher… „Früher wurde der Pannendienst oft über die Notruftelefone an den Autobahnen angerufen - und wir wussten genau, wo der Kunde wartet. Heute erledigen Betroffene das per Handy - und nicht selten ohne Ortskenntnisse.“
So bekam Martin Wallner zum Beispiel heuer im Winter den Anruf einer Frau, die meinte: „Ich stehe auf der Südautobahn Richtung Wien nahe Wiener Neustadt. Ich sehe von hier den Wasserturm!“ Martin Wallner rückte aus, wurde aber nicht fündig. Schließlich stellte sich heraus, dass die Frau bei Leobersdorf stand - und dass sie nicht den Wasserturm, sondern den dortigen Feuerwehrturm gesehen hatte… Die Suche nach den Kunden ist oft Detektiv-Arbeit. So war es auch gar nicht einfach, jene Frau ausfindig zu machen, die vor etwa zwei Wochen nachts auf einem Parkplatz der Südautobahn stand und sich aus Angst nicht auszusteigen traute. Sie konnte daher auch partout nicht sagen, bei welchem Autobahnkilometer sie stand.
Einsatz bei Minus 20 Grad
Der harte Winter 2009/2010 forderte den sechs ÖAMTC-Pannenhelfern vom Stützpunkt Wr. Neustadt/Gloggnitz alles ab. „Es war das große Sterben der Batterien und der Glühstifte!“ weiß Martin Wallner.
Am 27. Jänner, dem pannenreichsten Tag des Jahres (154 Einsätze gesamt), hatte Wallner Nachtdienst. An Ausruhen war nicht zu denken. 10 Einsätze, Temperaturen zwischen Minus 16 und Minus 20,5 Grad, und 250 Kilometer im Schneetreiben und auf Glatteis - so die Bilanz dieser anstrengenden Nacht. Zum Glück ist dem humorvollen ÖAMTC-Mann nie kalt. „Ich bin der einzige, der immer ohne Handschuhe arbeitet!“
Was die Arbeit der Pannenhelfer in den letzten Jahren besonders erschwert: Neue Autos haben standardmäßig keine Ersatzreifen mehr im Kofferraum - und viele Autobesitzer wissen das nicht einmal. Im Ernstfall stehen sie hilflos mit einem „Patschen“ da, den auch der Pannenhelfer nicht kleben kann.
Falschtanken bei Vollmond
Übrigens: Reifenwechsel an Lkws sind besondere Schwerarbeit. „Viele moderne Lkw-Fahrer stehen dann ratlos mit den Töfflern vor mir und wissen nicht einmal, wo das Bordwerkzeug ist,“ plaudert Martin Wallner aus der Erfahrung. Nicht nur Ahnungslosigkeit („Viele wissen nicht einmal, wie der Motordeckel aufgeht!“) prägt die heimische Pannen-Landschaft - sondern auch der Vollmond: „An manchen Tagen müssen wir bei besonders vielen Falsch-Tankern den Tank auspumpen. Sie füllten Benzin in einen Dieseltank. Dann wissen wir Pannenhelfer: Es muss wieder Vollmond sein!“ schmunzelt Martin Wallner.

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