600 warten auf eine billige Gemeindewohnung
März 9th, 2010

Für immer mehr Menschen wird das Wohnen zum Finanz-Problem. An die 600 suchen derzeit eine billige Gemeindewohnung in Wiener Neustadt.
Von den 600, die auf der Warteliste für eine Gemeindewohnung stehen, haben heuer rund 300 die Chance, auch wirklich eine zu bekommen. So viele Gemeindewohnungen wechseln nämlich pro Jahr den Mieter.
Für eine Gemeindewohnung muss man derzeit - ohne Betriebskosten - mit Mietkosten von 4,50 Euro pro Quadratmeter rechnen. Damit sind diese Wohnungen deutlich billiger als Genossenschaftswohnungen (6 Euro) oder Privat-Wohnungen (8 Euro).
Dennoch können längst nicht alle Gemeinde-Mieter regelmäßig ihre Kosten begleichen. „Wir müssen pro Jahr ca. 30 Personen delogieren,“ bedauert der zuständige Vizebürgermeister Wolfgang Trofer. In den letzten Jahren konnten die Mietrückstände abgebaut werden. Statt 1,6 Millionen im Jahr 2005 sind jetzt noch eine Million Euro an Miet-Zahlungen ausständig, davon müssen wohl 250.000 Euro als uneinbringlich ausgebucht werden, schätzt Trofer.
Sanieren ja, Neubauen nein
Die Stadt ist sich ihrer sozialen Verantwortung in Bezug auf das Wohnen durchaus bewusst. Weshalb keinesfalls an den Verkauf von Gemeindewohnungen, wie es in vielen Gemeinden Trend ist, gedacht ist. Allerdings: Neue Wohnungen zu bauen kommt auch nicht in Frage. Der letzten Gemeindewohnungsbau wurde vor 15 Jahren errichtet. Die Bevölkerungszahl ist aber in diesem Zeitraum von 35.000 auf 40.000 gewachsen, günstiger Wohnraum bleibt also knapp - und kann nur zum Teil vom Genossenschafts-Wohnbau abgefedert werden. „In den letzten Jahren wurden fast alle Wohnungen generalsaniert,“ sagt Trofer. Ausständig sind jetzt noch die Sparkassenhäuser (Beginn noch heuer) und der Pernerstorferhof.
Freilich: Die Sanierung macht die Wohnungen auch teurer. Die Kategorien werden angehoben. Viele Mieter stehen dann erneut vor Problemen. „Diesen Mietern kann über Wohnbeihilfen der Stadt und des Landes geholfen werden - die so genannte Subjektförderung,“ sagt Trofer. Zuletzt wurde seitens der Stadt beschlossen, die Indexanpassungen bei den Mieten auszusetzen und Plus Card-Inhabern pro Familie und Halbjahr einen zusätzlichen Wohnkostenzuschuss von 50 Euro im Halbjahr zu gewähren.
20 Sozialwohnungen
Rund 20 Sozialwohnungen stehen außerdem für Härtefälle zur Verfügung. Diese Wohnungen sind von der Stadtgemeinde angemietet und über die verschiedenen Wohnblöcke verteilt. Trofer ist sich auch bewusst, dass manche Probleme von Mietern einfach unlösbar sind: „Von rund 50 Notfällen, die ich bearbeite, sind zwei Drittel definitiv unlösbar,“ bekennt Trofer. Und er weiß, dass die Lösung dieser Probleme gesellschaftlich angegangen werden muss - zum Beispiel über Arbeitsmarkt-Maßnahmen.
Die meisten sind zufrieden
Nichts desto trotz bleibt aber für Trofer eine Positiv-Bilanz seiner nicht einfachen Jahre als Wohnungs-Zuständiger: Laut Pro Futuro-Umfrage sind 75 % mit ihren Wohnungen zufrieden.
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