600 warten auf eine billige Gemeindewohnung

karlrennerhof

Für immer mehr Men­schen wird das Wohnen zum Finanz-Prob­lem. An die 600 suchen derzeit eine bil­lige Gemein­de­woh­nung in Wiener Neustadt.

Von den 600, die auf der Warteliste für eine Gemein­de­woh­nung ste­hen, haben heuer rund 300 die Chance, auch wirk­lich eine zu bekom­men. So viele Gemein­de­woh­nun­gen wech­seln näm­lich pro Jahr den Mieter.
Für eine Gemein­de­woh­nung muss man derzeit — ohne Betrieb­skosten — mit Mietkosten von 4,50 Euro pro Quadrat­meter rech­nen. Damit sind diese Woh­nun­gen deut­lich bil­liger als Genossen­schaftswoh­nun­gen (6 Euro) oder Pri­vat-Woh­nun­gen (8 Euro).
Den­noch kön­nen längst nicht alle Gemeinde-Mieter regelmäßig ihre Kosten begle­ichen. „Wir müssen pro Jahr ca. 30 Per­so­n­en del­o­gieren,“ bedauert der zuständi­ge Vize­bürg­er­meis­ter Wolf­gang Tro­fer. In den let­zten Jahren kon­nten die Mietrück­stände abge­baut wer­den. Statt 1,6 Mil­lio­nen im Jahr 2005 sind jet­zt noch eine Mil­lion Euro an Miet-Zahlun­gen ausständig, davon müssen wohl 250.000 Euro als unein­bringlich aus­ge­bucht wer­den, schätzt Tro­fer.
Sanieren ja, Neubauen nein
Die Stadt ist sich ihrer sozialen Ver­ant­wor­tung in Bezug auf das Wohnen dur­chaus bewusst. Weshalb keines­falls an den Verkauf von Gemein­de­woh­nun­gen, wie es in vie­len Gemein­den Trend ist, gedacht ist. Allerd­ings: Neue Woh­nun­gen zu bauen kommt auch nicht in Frage. Der let­zten Gemein­de­woh­nungs­bau wurde vor 15 Jahren errichtet. Die Bevölkerungszahl ist aber in diesem Zeitraum von 35.000 auf 40.000 gewach­sen, gün­stiger Wohn­raum bleibt also knapp — und kann nur zum Teil vom Genossen­schafts-Wohn­bau abgefed­ert wer­den. „In den let­zten Jahren wur­den fast alle Woh­nun­gen gen­er­al­saniert,“ sagt Tro­fer. Ausständig sind jet­zt noch die Sparkassen­häuser (Beginn noch heuer) und der Pern­er­stor­fer­hof.
Freilich: Die Sanierung macht die Woh­nun­gen auch teur­er. Die Kat­e­gorien wer­den ange­hoben. Viele Mieter ste­hen dann erneut vor Prob­le­men. „Diesen Mietern kann über Wohn­bei­hil­fen der Stadt und des Lan­des geholfen wer­den — die so genan­nte Sub­jek­t­förderung,“ sagt Tro­fer. Zulet­zt wurde seit­ens der Stadt beschlossen, die Index­an­pas­sun­gen bei den Mieten auszuset­zen und Plus Card-Inhab­ern pro Fam­i­lie und Hal­b­jahr einen zusät­zlichen Wohnkosten­zuschuss von 50 Euro im Hal­b­jahr zu gewähren.
20 Sozial­woh­nun­gen
Rund 20 Sozial­woh­nun­gen ste­hen außer­dem für Härte­fälle zur Ver­fü­gung. Diese Woh­nun­gen sind von der Stadt­ge­meinde angemietet und über die ver­schiede­nen Wohn­blöcke verteilt. Tro­fer ist sich auch bewusst, dass manche Prob­leme von Mietern ein­fach unlös­bar sind: „Von rund 50 Not­fällen, die ich bear­beite, sind zwei Drit­tel defin­i­tiv unlös­bar,“ beken­nt Tro­fer. Und er weiß, dass die Lösung dieser Prob­leme gesellschaftlich ange­gan­gen wer­den muss — zum Beispiel über Arbeits­markt-Maß­nah­men.
Die meis­ten sind zufrieden
Nichts desto trotz bleibt aber für Tro­fer eine Pos­i­tiv-Bilanz sein­er nicht ein­fachen Jahre als Woh­nungs-Zuständi­ger: Laut Pro Futuro-Umfrage sind 75 % mit ihren Woh­nun­gen zufrieden.

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