Oft reicht das Einkommen nicht für den Privatkonkurs

Die Schuld­ner­ber­atungsstellen haben im ersten Hal­b­jahr 2010 deut­lich mehr zu tun gehabt als im Vor­jahr. Die Durch­schnittsver­schul­dung der Kli­entIn­nen ist von 76.083 Euro im Jahr 2009 auf 76.673 Euro gestiegen. Betreut wur­den im ersten Hal­b­jahr 2010 4.450 Per­so­n­en.

Die Geschäfts­führerin der Schuld­ner­ber­atung, Dr.in Roswitha Mikusch, stellt fest, dass die Banken bei Kred­iten und Kon­toüberziehun­gen restrik­tiv­er vorge­hen. Dies sei jedoch nicht der einzige Grund, warum es heuer etwas weniger so genan­nte Pri­vatkonkurse (Schulden­reg­ulierungsver­fahren) gab. Auch die hohe Arbeit­slosigkeit sei ein Grund dafür. Denn das damit ver­bun­dene geringe Einkom­men ermöglicht es vie­len Men­schen nicht, ein Rück­zahlungsange­bot zu machen. (2009 lag in Niederöster­re­ich das durch­schnit­tliche Arbeit­slosen­geld bei 770 Euro pro Monat, laut ein­er Studie der AK Niederöster­re­ich über “Work­ing poor”). Deshalb muss eine Schulden­reg­ulierung oft aufgeschoben wer­den. Darüber hin­aus kri­tisiert etwa die Arbeit­erkam­mer immer wieder, dass das Arbeit­slosen­geld in Öster­re­ich nur 55 % des let­zten Net­tolohnes betrage, und es ist außer­dem nach oben hin mit 44,70 Euro Taggeld (max­i­mal 1380 Euro im Monat) gedeck­elt und wird nur 12 mal im Jahr aus­bezahlt. In der EU beträgt die Net­to­er­satzrate durch­schnit­tlich immer­hin 70 %.

Abge­se­hen von der Schuld­ner­ber­atung, der Abwick­lung von Pri­vatkonkursen und den stark gestiege­nen außerg­erichtlichen Ver­gle­ichen arbeit­en die 24 NÖ-Schuld­ner­ber­a­terin­nen auch präven­tiv. Dabei wird beson­ders stark auf die Aufk­lärung und Bewusst­seins­bil­dung in Schulen geset­zt. Im ersten Hal­b­jahr wur­den 2.443 Schü­lerIn­nen mit Vorträ­gen erre­icht, auch für Erwach­sene wer­den Vorträge abge­hal­ten.

Die NÖ-Sozial­lan­desrätin Mag.a Karin Scheele (SPÖ) aus Enzes­feld-Lindabrunn (Bezirk Baden) wies bei der Präsen­ta­tion der Hal­b­jahres­bi­lanz darauf hin, dass es sich „bei diesen Sta­tis­tiken nicht um bloße Zahlen, son­dern um die Schick­sale von Men­schen han­delt“. In allen Bezirken bietet die Schuld­ner­ber­atung Sprech­tage an.

http://www.sbnoe.at/

http://www.arbeitslosennetz.org/arbeitsloseninitiative.html

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