reiseblog sardinien 2010 — tag 7: felicissima



Mit Hof­fen & Ban­gen hat der Tag begonnen. MitLe­sen & Jonglieren ist er vor­beige­gan­gen. Mit dem Hochladen des “Fotos von Tag 7” ist er zu Ende gegan­gen: Gabi, la feli­cis­si­ma…🙂

Hof­fen & Ban­gen: Wer ken­nt das nicht? Zu hof­fen heißt Ent­täuschun­gen zu riskieren. Nicht zu hof­fen heißt nichts zu ersehnen. Nichts (mehr) zu haben, an dem das Herz hängt. Genau in diesem Zwies­palt ging ich heute, 10 Uhr früh, zum Bahn­hof, zur Bigli­et­te­ria, dor­thin, wo alles abgegeben wird, was im Zug ver­loren oder vergessen wurde. Meine Kam­era. Ich hat­te mit ihr abgeschlossen. Vor allem mit den Bildern des gestri­gen Tages. Aus und vor­bei. Der Weg zum Bahn­hof, so redete ich mir ein, ein rein­er For­malakt. Man will ja nichts unver­sucht lassen. Statt dessen ver­suchte ich mich damit zu trösten, dass ich mir ein schönes neues Stück kaufen würde – eine Spiegel­re­flexkam­era vielle­icht, wie Ger­traud schon öfter gesagt hat. Und die Bilder von gestern – eben Schnee von gestern. Wen inter­essieren sie schon wirk­lich? Wie oft würde ich sie selb­st mir wirk­lich anschauen? Sind sie doch – wie die meis­ten Bilder – nur Ver­suche, Momente einz­u­fan­gen, ein­er Illu­sion hin­ter­herzu­ja­gen, dass Momente von Dauer sein kön­nten. Und dann der Mann an der Bigli­et­te­ria: „Una Sam­sung?“ fragte er mich. Dann war klar – meine Kam­era war doch wieder aufge­taucht. „Sono feli­cis­si­ma!“ sagte ich, als ich Fund­stück Nr. 372 in Emp­fang nahm – und keine Spiegel­re­flexkam­era der Welt hätte in diesem Moment mit ihr konkur­ri­eren kön­nen, mit mein­er kleinen Guck­idruc­ki, und vor allem mit dem Chip in ihr drin.… Die Sonne hat sel­ten so strahlend gescheint wie heute.

Jonglieren & Lesen: Let­zter Tag, Traumwet­ter. Ab an den Strand. An den Poet­to mit seinem Sand so fein wie Mehl. Wie fast immer ziehen im Lauf des Tages Wolken auf, ver­wan­deln den Strand in ein blau–weiß–grünes Gemälde. Ich packe meine drei Ten­nis­bälle aus und jongliere mit ihnen, dass mir das Herz lacht. Ich füh­le mich wie der Sisyphos von Albert Camus – das ist das Buch dieser Reise (Der Mythos des Sisy­hos). „Der Kamf gegen Gipfel ver­mag ein Men­schen­herz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glück­lichen Men­schen vorstellen.“ So steht’s am Buchdeck­el. Immer wieder fall­en die Bälle in den Sand, immer wieder hebe ich sie auf und jongliere weit­er. Und manch­mal, wenn das Gelb der Ten­nis­bälle gegen das Blau des Him­mels und das Weiß der Wolken und — ja, schon wieder einen Regen­bo­gen — beson­ders kräftig leuchtet, dann werfe ich sie so hoch ich mich traue. Und das ist dann genau das Gefühl dieses let­zten Tages. Arrived­er­ci, Sardeg­na. Arrived­er­ci, Cagliari…

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