“Gib mir einen Ball und ich renne ohne Ende”
August 11th, 2011
Die Tochter überzeugte die Mama von der Attraktivität des Frauenfußballs.
Sportlichkeit wurde ihr in die Wiege gelegt. Ulli Schaupp (23) wuchs in Kottingbrunn mit vier Brüdern und als Kind von zwei leichtathletisch bis heute aktiven Eltern auf. Mit dem Fußball kam sie über ihre Brüder schon früh in Kontakt. Heute träumt sie davon, für die österreichische Frauen-Nationalmannschaft entdeckt zu werden.
Deine Mama Eva war ja anfangs von deiner Fußball-Leidenschaft nicht so begeistert…
Ulli Schaupp: Das war noch die Zeit, da herrschte die Meinung, dass Fußball nur ein Männersport sei. Ein bißchen gibt es das heute noch, aber es ändert sich. Meine Mama dachte, ich bekomme vom Fußballspielen O-Beine und hat mich zur Leichtathletik gedrängt.
Da warst du ja auch recht erfolgreich…
Ulli Schaupp: Ja, ich war sogar einmal Staatsmeisterin im Diskuswerfen. Dennoch habe ich meine Fußball-Leidenschaft nie vergessen.
Und dann ergab es sich, dass ausgerechnet deine Mama Mitgründerin der Damenmannschaft beim ASK Kottingbrunn wurde und sogar selbst mit-kickte.
Ulli Schaupp: Das war vor ca. 13 Jahren. Entstanden ist das Ganze aus einer Jux-Partie der Herrenmannschaft gegen eine Damenauswahl. Die Herren spielten mit Gummistiefeln. Das war natürlich alles just for fun. Aber es war auch die Initialzündung, dass sich rundherum Frauen als Fußballerinnen betätigen wollten. Wir haben dann eine Hobbymeisterschaft gespielt und es ging immer weiter. Heute gibt es schon vier Frauen-Ligen.
Fußballerisch willst du ja hoch hinaus. Du wechselst jetzt von den Kottingbrunner Damen zu den Altenmarkterinnen, die ja bereits in der 2. Bundesliga spielen.
Ulli: Ich habe auch früher schon in Altenmarkt gespielt, die hatten immer die bessere Mannschaft. Im letzten Jahr habe ich aber in Kottingbrunn gespielt, das passte mir besser mit meiner Ausbildung in der Polizeischule zusammen. Wir sind auch Meister geworden.
Du die Torschützenkönigin?
Ulli: Nein, ich war nie so torgeil. Meine Stärken sind, dass ich Mitspielerinnen motivieren kann, meine Schnelligkeit und meine Freistöße. Ich lege lieber schön auf, damit eine andere ein Tor schießen kann.
Die Frauenfußball-Weltmeisterschaft im Juli wurde heuer erstmals mit allen Spielen im TV übertragen. Ändert sich etwas in der Einstellung zu kickenden Frauen?
Ulli: Ich denke schon. Als Schulsport hat es immer mehr Bedeutung. Auch in der Polizeischule haben wir eine eigene Frauenfußballmannschaft – und dabei ist die Polizei ja doch noch eine rechte Männerdomäne. Bei der WM hat man gesehen, dass Fußballerinnen beileibe keine Mannweiber sind, wie immer behauptet wurde. Und auch, dass sie technisch und konditionell sehr stark sind. Es gibt jetzt auch schöne Dressen und eigene Schuhe für die Frauen. Da tut sich viel.
Du hast ja selbst in einer sehr femininen Pose für einen Fußballerinnen-Kalender posiert. Gefällt dir so was?
Ulli: Ja, das macht Spaß. Es zeigt einfach eine andere Seite von mir, und das sollen die Leute auch sehen. Beim Sport selber ist mir persönlich die Kleidung, die Frisur oder ob ich geschminkt bin oder nicht, überhaupt nicht wichtig. Anderen wieder schon. Jede wie sie will, sage ich.
Was erwartest du dir für die kommende Saison?
Ulli: Dass wir den Aufstieg in die 1. Bundesliga schaffen und dass ich dann auch für die Nationalmannschaft in Betracht komme. Vor volleren Stadionrängen zu spielen, motiviert natürlich ungemein.
Wie hart trainierst du für dein Ziel?
Ulli: Schon ein paar Mal die Woche. Training ist eine sehr emotionale Angelegenheit. Nicht umsonst ist mein ehemaliger Trainer Thomas jetzt auch mein Freund.
Gibt es Übungen, die du absolut hasst?
Ulli: Was ich einfach nicht kann, sind Klimmzüge. Aber ich hasse sinnloses Vor-mich-hin-Laufen. Aber gib mir nur einen Ball, und ich laufe 10 Kilometer ohne nachzudenken. Ich brauche das Spielerische.
Viel Erfolg und danke fürs Gespräch!
So kraftvoll kickt Ulli Schaupp und so feminin posierte sie für einen Fußballerinnen-Kalender
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