Krimifan und Querdenker

Zu Jahres­be­ginn feierte Wal­ter Reichel sein 30-jähriges Pfar­rer-Jubiläum. Am 1. Jän­ner 1982 trat er seinen Dienst in Kot­ting­brunn an.

Wir tre­f­fen uns zum Gespräch im Pfar­rbüro von Schö­nau. Denn auch diese Pfarre betreut Wal­ter Reichel seit nun­mehr 28 Jahren.
Im Büro: ein beschei­den­er Schreibtisch, ein Tele­fon, eine aufgeschla­gene Bibel und eine Menge Zettel. „Was machen Sie ger­ade?“ frage ich den Gottes­mann. „Ich bere­ite mich auf die kom­mende Woche vor — die Sternsinger-Aktion, die ver­schiede­nen Gottes­di­en­ste, Taufen, Begräb­nisse, Gespräche. Ich schreibe mir alles auf, was zu erledi­gen ist.“ Wal­ter Reichel schmun­zelt. Ihm ste­hen ja jet­zt auch einige Jubiläums-Feiern bevor…

Arbeit gibt‘s genug
Über zu wenig Arbeit kon­nte sich Wal­ter Reichel nie bekla­gen. Seine Entschei­dung, Priester zu wer­den, fiel schon früh.
1950 in Wien geboren, studierte Reichel The­olo­gie an der Uni Wien. Am 28. Juni 1975 wurde er von Kar­di­nal König zum Priester gewei­ht. Zunächst war er Kaplan in Ter­nitz und dann ver­schlug es ihn nach Kot­ting­brunn und Schö­nau.
Für die katholis­che Kirche waren die let­zten 30 Jahre keine ein­fache Zeit. Das Kirchen­volk begehrte auf, forderte mehr Rechte für Frauen und Laien. Immer mehr Men­schen trat­en aus der Kirche aus.

Winkt die Rente?
Wal­ter Reichel ging unbeir­rt seinen Weg. Nun ist er schon über 60 — aber geht er auch irgend­wann in Pen­sion? „Vorge­se­hen ist das schon,“ sagt Reichel. Aber: „Man ken­nt ja die Nach­wuchssor­gen in der Priester-Zun­ft…“
Schon vor vie­len Jahren begann Reichel, ver­stärkt Laien in die kirch­liche Arbeit einzu­binden. Er war ein­er der Ersten, der Min­is­tran­tinnen zuließ.
Über­legun­gen von „oben“, wegen Priester­man­gel Pfar­ren aufzulösen, begeg­net er mit eige­nen Gedanken: „Eine Pfarre bringt Leben in jede Gemeinde. Zum Beispiel Schö­nau. Seit Schö­nau wieder eine eigene Volkss­chule hat, herrscht hier ein ganz anderes Leben. Und so wäre es mit ein­er Pfarre auch. Ohne eigene Pfarre würde was fehlen.“ Reichel ver­heim­licht nicht, dass es Über­legun­gen gibt, die Pfarre Schö­nau aufzulösen. Seine Gedanken dazu: „Ich gehe mit dem Pas­toralthe­olo­gen Paul Zulehn­er kon­form und bin dafür, dass im Bedarfs­fall bewährte Men­schen ein­er Gemeinde mit ein­er Art Priester­funk­tion betraut wer­den. So wie es ja einst auch der Apos­tel Paulus in seinen vie­len Gemein­den gemacht hat.“
Freizeit ist knapp für Wal­ter Reichel, und auch unser Gespräch ist zu Ende, denn die näch­ste Arbeit wartet schon.

Karten­spiel und Krim­is…
Den­noch eine let­zte Frage: Wie steht‘s mit Ihren Hob­bies? „Nun ja, ich spiele immer noch gerne Karten. Und ich lese gerne Krim­is und schaue sie mir auch im Fernse­hen an,“ lacht Reichel. „Aber schreiben‘S das nicht — weil son­st schenken mir jet­zt alle Krim­is zum Jubiläum!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.