Handel mit E-Schrott floriert
Mai 5th, 2012
Im Bezirk Bruck/Leitha wurden im Vorjahr 255.743 Kilo Elektronik-Schrott gesammelt – sechs Kilo pro Einwohner. Den Hauptanteil machen Bildschirme, Elektro-Kleingeräte und Kühlgeräte aus.
Der Anteil gefährlicher, umweltschädigender Stoffe in den E-Geräten ist in Neugeräten aufgrund neuer Gesetze verschwindend gering. Für die (Wieder-)Verwertung sind heute vor allem kostbare Bestandteile interessant – wie Gold und Silber oder Indium, ein Nebenprodukt des Zinn-Abbaus, das jährlich in mehr als einer Milliarde Elektroprodukten wie Flachbildschirme und Handys verwendet wird. In den letzten fünf Jahren ist der Indiumpreis am Weltmarkt um das Sechsfache gestiegen – inzwischen ist es teurer als Silber.
Sammelmengen extrem gestiegen
In den letzten zehn Jahren seien die Sammelmengen extrem gestiegen, meint der Brucker Abfallberater Christian Mynha. Dies ist nicht nur auf das seit 2005 vorgeschriebene EU-Gesetz zurückzuführen, sondern auch auf die immer kürzere Lebensdauer der Geräte bzw. auf das geänderte Konsumverhalten. Außerdem: Reparaturen sind oft nicht möglich oder zu teuer.„Bei der Fußball-WM 2010 gab es eine Kampagne für neue LED-Flachbildschirme, alte Fernseher landeten haufenweise in unseren Sammelstellen,“ so Mynha.
“Musterschüler”
Im Bezirk Bruck wird die EU-Vorschrift, dass pro Kopf jährlich 4 Kilo E-Schrott gesammelt werden muss, mit einer 6 Kilo-Quote deutlich überschritten. Die heimische Sammelmoral wurde durch die kostenlosen Entsorgungsangebote deutlich gehoben. Mynha: „Seit man bei uns auch Kühlschränke kostenlos loswerden kann, landen sie nicht mehr im Gebüsch.“ Dennoch werden jährlich weltweit viel mehr E-Geräte produziert als schließlich in den Sammelstellen landen. Wo sie schließlich landen, ist unklar.
Probleme: Rohstoff-Abbau und Arbeitsbedingungen
Die Problematiken bestehen einerseits im Abbau der zur Herstellung benötigten Rohstoffe, der oft unter schlimmen Bedingungen in Entwicklungsländern erfolgt. Andereseits auch in den Arbeitsbedingungen bei der Herstellung selbst. „Vor allem junge Frauen sind z.B. in Thailand in der Elektronikindustrie beschäftigt. Sie arbeiten tagtäglich bis zu 16 Stunden am Fließband und gefährden dabei ihre Gesundheit für einen Hungerlohn von 4 Euro pro Tag, von dem sie nicht leben können“, berichtet Christina Schröder von der entwicklungspolitischen Organisation Südwind. Und auch die „illegale“ Verwertung in Entwicklungsländern ist ein Problem: Dort werden die alten Geräte (oft von Kindern) auseinandergenommen, auf der Suche nach den kostbarsten Kleinstteilen. Greenpeace berichtet beispielsweise, dass 2005 bei Inspektionen von 18 europäischen Häfen 47 Prozent des exportierten Mülls (darunter auch ESchrott), illegal war. „Bei uns gehen die Altgeräte an heimische Spezialfirmen, die die teuren Teile herauslösen – und das daraus lukrierte Geld an die Abfallverbände rückerstatten. So finanzieren sich unsere Dienstleistungen auch. Und – je mehr gesammelt wird – desto geringer die Gefahr einer Müllgebühren-Erhöhung,“ erläutert Mynha die Zusammenhänge. Eine Gebührenerhöhung in nächster Zeit schließt er aus.
Sammelbrigaden aktiv
Einen Strich durch die Rechnung können allerdings ungarische und slowakische Sammelbrigaden machen, die immer wieder per Flugzettel für sich werben. „Eigentlich bräuchten sie eine Genehmigung. Aber das umgehen sie, indem sie betonen, dass sie keinen Sperrmüll sammeln. Was genau mit den Geräten passiert, die die Sammelbrigaden kassieren, wissen wir nicht,“ so Mynha.
Zur Sache:
Zu den so genannten Elektro-Altgeräten zählen Elektro-Kleingeräte (EKG, Werkzeuge etc.), E-Großgeräte (EGG wie Waschmaschinen, Geschirrspüler, E-Herde), Bildschirme (BS), Fahrzeug- und Gerätebatterien (FB, GB), Kühlgeräte (KG) und Leuchtstoffröhren (LS).
Die Sammelquote im Bezirk Bruck/Leitha im Jahr 2011 in Tonnen:
EKG: 73.346
EGG: 29.632
BS: 82.577
FB: 5.437
GB: 4.587
KG: 57.770
LS: 2.158
Gesamt Bezirk: 255.743 Kilo (=255 Tonnen)
Gesamt Österreich: 150.000 Tonnen
Im Restmüll finden sich kaum noch Elektro-Altgeräte. In jeder Gemeinde des Bezirkes gibt es die Möglichkeit, E-Schrott kostenlos loszuwerden.

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