Protestmarsch nach Wien

Sam­stag, 24. Novem­ber, 9 Uhr: Traiskirch­n­er Flüchtlinge kündi­gen einen Marsch nach Wien an. Sie wollen mit dieser Aktion auf die Män­gel im heimis­chen Asyl­we­sen aufmerk­sam machen und stellen Forderun­gen auf:
Stopp aller Abschiebun­gen, Recht auf Bewe­gungs­frei­heit, Arbeit, auf mehr als 40 Euro Taschen­geld pro Monat, auf ver­trauenswürdi­ge Dol­metscherIn­nen, Recht auf Fernse­hen und Inter­net im Lager, um mit ihrer Heimat ver­bun­den bleiben zu kön­nen. Und sie wen­den sich gegen das Dublin II-Abkom­men, das eine Rückschiebung in ange­blich sichere Drit­tlän­der ermöglicht, jedoch nicht beachtet, dass die Betreu­ung von Flüchtlin­gen in ver­schiede­nen europäis­chen Län­dern dur­chaus extrem unter­schiedlich ist (katas­trophale Zustände etwa in Griechen­land).
Um 9 Uhr hätte der Marsch los­ge­hen sollen, und Hun­derte Flüchtlinge woll­ten sich beteili­gen. Doch es ist längst 9 Uhr vor­bei, und nur einige wenige ste­hen auf der Otto Glöck­el­straße vor dem Lager. Sie wer­den dort von öster­re­ichis­chen Organ­i­sa­tio­nen, durch­wegs junge Leute, mit heißem Tee, Obst, Auf­strichen und Brot ver­sorgt. Und mit warmer Klei­dung. Denn die meis­ten Flüchtlinge haben nur dünne Train­ings­jack­en an, manche gar nur San­dalen oder Flip-Flops an den Füßen. Zu wenig für Tem­per­a­turen unter 10 Grad.
Langsam sick­ert durch, warum der Zus­pruch so “mager” sein kön­nte. Es soll — unüblich für einen Sam­stag — lang­wierige Anwe­sen­heit­skon­trollen im Lager geben. Und ange­blich werde den Flüchtlin­gen gedro­ht, dass sie ihren Asyl­sta­tus ver­lieren wür­den, wenn sie sich an der Demon­stra­tion beteili­gen. Inter­ven­tio­nen beim Innen­min­is­teri­um seit­ens öster­re­ichis­ch­er Organ­i­sa­tio­nen. Press­esprech­er Grund­böck betont, dass jed­er Flüchtling das Recht wahrnehmen könne, sich an der Kundge­bung zu beteili­gen. Franz Sch­ab­hüt­tel (Lager-Chef) weist alle Vor­würfe zurück.
Durch die Git­ter der Lager­tore sieht man, dass manche Flüchtlinge “ganz gerne” nach draußen gekom­men wären, sich aber doch nicht entschließen kon­nten. Zwis­chen­durch fliegt mal ein Vol­ley­ball zwis­chen drin­nen und draußen hin und her — und sorgt für Spaß und orig­inelle Über­win­dung von meter­ho­hen Gren­zen.
Die Secu­ri­ty ist macht­los und schre­it­et nicht ein.
Zahlre­iche TV-Kam­eras und Zeitungsre­porter beobacht­en das Geschehen. Inter­views und Fotos sind nicht ganz ein­fach zu bekom­men, denn viele Flüchtlinge wollen nicht fotografiert wer­den, weil sie Kon­se­quen­zen für schwebende Asylver­fahren fürcht­en. Andere wieder drän­gen sich ger­adezu vor die Kam­eras, um ihr Schick­sal — in welch­er Sprache auch immer — kundzu­tun.
Um 11 Uhr set­zt sich der Marsch in Bewe­gung, um schließlich neun Stun­den später Wien zu erre­ichen. Im Votiv­park wird ein Camp errichtet, das so lange “bewohnt” wer­den soll, bis die Forderun­gen der Flüchtlinge ern­sthaft gehört wer­den. Das kön­nte ein langer kalter Win­ter wer­den.
Flüchtling­sproteste wer­den inter­na­tion­al immer häu­figer. Vor dem Bran­den­burg­er Tor in Berlin gibt es auch ein Camp, um den Forderun­gen nach Men­schen­würde Druck zu ver­lei­hen. Das Camp ist die End­sta­tion eines Flüchtlings­marsches über mehrere hun­dert Kilo­me­ter von Würzburg nach Berlin.
[mygal=lager]

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.