Einfach trauern lernen

Moni­ka Schreiber (links) und Mar­ti­na Meiss­ner mit den bei­den Hand­pup­pen, die im Unter­richt über “Hos­piz” und acht­same Hal­tung reden.

Trau­rig ist man ja nicht nur, wenn jemand stirbt, son­dern auch, wenn ein Fre­und wegzieht, wenn man ein Hausti­er ver­liert, oder wenn sich die Eltern schei­den lassen”, sagt Moni­ka Schreiber (52).
Gemein­sam mit Mar­ti­na Meiss­ner (55) betreut sie für die Hos­pizbe­we­gung Niederöster­re­ich das Pro­jekt “Hos­piz macht Schule”. Hos­piz meint in erster Lin­ie Ster­be­be­gleitung, ist aber noch viel mehr. Die bei­den Frauen besuchen als Mod­er­a­torin­nen seit drei Jahren in den Bezirken Baden und Mödling Volks- und Hauptschulen, um mit den Kindern über das Trau­rig-Sein zu reden — ein Tabu-The­ma, gewiss. Aber wenn ein­mal darüber gere­det wird, wird’s ein bißchen leichter und man lernt fürs Leben.

Hos­piz macht Schule
Im Vor­feld wird mit Eltern und LehrerIn­nen besprochen, worum es geht. Und manch­mal — so Mar­ti­na Meiss­ner — braucht es einige “Überzeu­gungsar­beit bei den Erwach­se­nen”, um das Tabu-The­ma in den Unter­richt zu inte­gri­eren. Aber in der Volkss­chule Kot­ting­brunn war Lehrerin Eva Rubik gle­ich von der Idee begeis­tert. Einige Tage vor Beginn des Pro­jek­ts stand in der Klasse eine Box, wo die Kinder anonym ihre Fra­gen zum The­ma Trauer deponieren kon­nten. “Tut ster­ben weh?” oder “Was passiert danach?” woll­ten die Kinder wis­sen.

Was hil­ft beim Trauern?
“Wir gehen auf all diese Fra­gen ein und ver­suchen, die Kinder eigene Ideen find­en zu lassen, wie man Trauer bewälti­gen kann”, so Moni­ka Schreiber.
Sie zeigt Arbeits­blät­ter, die von den Kindern zur Frage “Was tust du, wenn du trau­rig bist?” aus­ge­füllt wur­den. Von “Etwas Süßes Essen bis hin zu Weinen, Beten oder Mit dem Hausti­er Spie­len” erstreck­en sich die Antworten. “Volkss­chulkinder gehen über­haupt sehr offen an das The­ma her­an”, sagt Mar­ti­na Meiss­ner. Sie hat wie ihre Kol­le­gin aus Mödling bei der Hos­pizbe­we­gung eine Mod­er­a­torin­nen-Schu­lung absolviert und arbeit­ete zuvor schon einige Jahre in der Ster­be­be­gleitung. Wie kommt frau dazu, sich mit so einem The­ma frei­willig und ehre­namtlich auseinan­derzuset­zen?

Zeit haben ist wichtig
“Ich habe vor Jahren ent­deckt, wie sehr die Ange­höri­gen von Ster­ben­den Hil­fe brauchen”, sagt Moni­ka Schreiber. “Und bei mir ist vor 16 Jahren die Oma gestor­ben. Das war die erste Tote, die ich gese­hen habe — das ist schon sehr bewe­gend”, berichtet Mar­ti­na Meiss­ner.
Und was haben die bei­den Frauen selb­st durch “Trauer-Arbeit” gel­ernt? “Zeit haben, spüren — und da sein kön­nen”,  sagen sie.
Und dann wen­den sie sich wieder den Hand­pup­pen Emil und Pauli­na zu. Die müssen ger­ade eine wichtige Frage aus der 4c-Klasse in der Volkss­chule Kot­ting­brunn beant­worten. Näm­lich die Frage: Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Mehr Infos: Mar­ti­na Meiss­ner, Tel. 0664–2732148

Pro­jek­tvor­mit­tag in der 4c-Klasse der Volkss­chule Kot­ting­brunn, mit Pfar­rer Wal­ter Reichel und Lehrerin Eva Rubik.

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