Klein-Daniel wird am 29. März begraben

„Still, seid lei­se, es waren Engel auf der Rei­se.“ So steht es auf der Pate des klei­nen, drei­ein­halb­jäh­ri­gen Daniel.

Der klei­ne Dani, so wur­de er lie­be­voll genannt, starb nach einer Rou­ti­ne­ope­ra­ti­on, einer Man­del­ope­ra­ti­on (Ton­sil­lek­to­mie). Es pas­sier­te am vier­ten Tag nach dem Eingriff.

Die letz­ten Stunden

„Wir haben den Klei­nen zwi­schen uns schla­fen las­sen“, erzählt die Mut­ter. „In der Früh hat er noch mit sei­ner klei­nen Schwes­ter Kuckuck gespielt“, erin­nert sich Bir­git G. „Dann ging alles ganz schnell, Dani spuck­te Blut, es kam immer mehr Blut aus sei­nem Mund und aus sei­nem Näs­chen“, so Johann, der Vater Danis „und plötz­lich wur­de er ohn­mäch­tig. Die Not­ärz­tin ver­such­te noch alles, um sein Leben zu retten.“

Doch es war ver­ge­bens, Klein- Dani­el wur­de noch vom Not­arzt­wa­gen ins Spi­tal nach Wie­ner Neu­stadt gebracht, wo er an sei­nem Blut­ver­lust starb.

Dani­el wur­de im Spi­tal in Eisen­stadt ope­riert. „Ich hat­te bei die­sem Spi­tal ein gutes Gefühl“, setzt Bir­git fort „Wir wur­den gut über die Ope­ra­ti­on auf­ge­klärt. Unser Kind hat­te vier­mal hin­ter­ein­an­der eine eit­ri­ge Man­del­ent­zün­dung. Ein­mal kam eine Bin­de­haut­ent­zün­dung und ein­mal noch Feucht­blat­tern dazu.“

Ope­ra­ti­on in Eisenstadt

Die Ärz­te in Eisen­stadt ver­such­ten noch, mit Anti­bio­ti­ka die Man­del­ent­zün­dung zu behan­deln. „Vor der Ope­ra­ti­on war Dani wie­der ganz gesund, er war so gut drauf“, erin­nert sich Johann mit lei­ser Stim­me. „Es wur­de uns auch im Spi­tal gesagt, dass es in den nächs­ten 14 Tagen noch zu Nach­blu­tun­gen kom­men kann“, ergänzt die Mut­ter. Was aller­dings nicht erwähnt wur­de ist, dass bei so einem klei­nen Pati­en­ten Nach­blu­tun­gen sehr gefähr­lich sind. „Des­halb gin­gen wir auch mit Dani unbe­sorgt nach Hau­se“, erzählt Birgit.

Gefähr­lich für Kleinkinder

Ers­tens schlu­cken die Klei­nen ihr Blut meist, ohne es den Eltern zu sagen. Wenn es dann bemerkt wird, ist es meist zu spät.„So ein klei­ner Kör­per hat eben nicht so eine gro­ße Blut­re­ser­ve wie ein Erwach­se­ner“, erklärt Dr. Robert Pavel­ka. Er ist Lei­ter der HNO-Abtei­lung in Wr. Neu­stadt und im Vor­stand der HNO-Ärzte.

„Und klei­ne Kin­der glau­ben, das Blu­ten gehört dazu und schlu­cken das Blut, bis sie erbre­chen“, erklärt Pavel­ka. „Dadurch kommt es aber dann oft zu sehr inten­si­ven Blu­tun­gen, die man­ches­mal ein­fach nicht mehr zu stop­pen sind.“

Spi­tals­auf­ent­halt zu kurz?

Es wird oft der Vor­wurf geman­cht, der Spi­tals­auf­ent­halt wäre in Öster­reich nach einer Man­del­ope­ra­ti­on zu kurz. „Die­ser Mei­nung kann ich mich nicht ganz anschlie­ßen“, ant­wor­tet Pavel­ka. „Erst ver­gan­ge­nes Jahr star­ben zwei Kin­der auf HNO-Abtei­lun­gen nach einer Tonsillektomie.“

Bei etwa fünf Pro­zent der ope­rier­ten Pati­en­ten bis 10 Jah­re kommt es zu Nach­blu­tun­gen. In einem Jahr wer­den in Öster­reich etwa 14.000 sol­cher Ope­ra­tio­nen durchgeführt.

2006 star­ben sechs Kin­der nach einer Ton­sil­lek­to­mie. Die dama­li­ge Gesund­heits­mi­nis­te­rin berief des­halb eine Komis­si­on ein. Pavel­ka erklärt ent­schlos­sen: „Mei­ne Ant­wort auf so tra­gi­sche Todes­fäl­le ist: An mei­ner Abtei­lung wer­den kei­ne Kin­der unter sechs Jah­ren mehr ope­riert. Außer in medi­zi­nisch drin­gen­den Fäl­len.“ Fol­gen­de Spi­tä­ler schlos­sen sich bis jetzt die­ser Idee an: Eisen­stad, St. Pöl­ten, Krems und Klagenfurt ).

Für Klein-Dani­el ist es aller­dings zu spät.

Ein Gedanke zu „Klein-Daniel wird am 29. März begraben

  1. D.h. bis jetzt wur­den Kin­der ohne wirk­li­chen Grund ope­riert (denn jetzt scheint es ja auf ein­mal auch ohne OP zu gehen) und mit­un­ter töd­li­che Nach­wir­kun­gen ein­fach in Kauf genommen…

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