„Faust“-Spiele in Perchtoldsdorf

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Faust gilt als das meist zitierte Stck der deutschen Literatur und als Meisterwerk Goethes. Er ist einer der tragischsten Helden der Weltliteratur. Sein Hunger nach Erkenntnis, sein Streben nach Perfektion, sein Ziel, sich die Natur untertan zu machen, lassen Faust blind fr sein Tun und seine Fehler werden. Er ordnet ohne Rcksicht auf Verluste alles seinen Zielen unter. Er zieht eine Spur der Zerstrung: Selbstzerstrung, Zerstrung anderer ist die logische Folge.


Fausts Konflikt ist der Konflikt des modernen Menschen.

Wie weit kann und darf der Mensch gehen um seine ehrgeizigen Ziele zu verwirklichen?

Wo verluft die Grenze zwischen Fortschritt und Zerstrung?


Der erste Teil (Verffentlichung 1808) handelt - vereinfacht gesagt - vom Pakt Fausts mit Mephisto. Die Versuchung des Gelehrten Heinrich Faust ist durch den Teufel bestimmt. Faust setzt sein irdisches Leben gegen einen erfllten, schnen Augenblick, den er vom Erkenntnisdrang getrieben, bislang nicht erleben konnte. Mephisto fhrt Faust durch die Welt, durch verschiedene magische Sphren.
Sowohl im ersten als auch im zweiten Teil trifft Faust auf das weibliche Geschlecht.

Die kosmische Reise der beiden Vertragspartner fhrt durch die "kleine" und die "groe" Welt; in der kleinen Welt jagt der verjngte Faust das 14-Jhrige noch unberhrte Gretchen, in der groen das Idol Helena.


Im zweiten Teil (Verffentlichung posthum 1832) geht es nicht mehr um Faust als Individuum, sondern um die Welt mit ihren Mglichkeiten zur Tat. Es geht um die Menschheit im Allgemeinen. In der Faustfigur ist eine Summe von Kraft versammelt, die ber das Individuum hinausgeht. Fausts Leben ist die Spanne zwischen Potenzial und Verwirklichung.

Es stehen nicht mehr das Seelen- und Gefhlsleben des einzelnen Menschen im Mittelpunkt, sondern historische Ereignisse, mythologische Themen und am Ende eine soziale Vision.


Ioan C. Toma bringt in seiner Bearbeitung beide Teile an einem Theaterabend auf die Bhne und filtert das Zusammenwirken von malosem Ehrgeiz und das nicht Bedenken der Konsequenzen des eigenen Handelns heraus. Die Premiere seines Faust ist auf der Burg Perchtoldsdorf am 4. Juli 2007. Gespielt wird in weiterer Folge den ganzen Juli ber.

Die Fassung orientiert sich an drei Schwerpunkten: die Wetten, die Opfer und das Wasser. Gott geht auf Mephistos Wettvorschlag ein und wirft Faust als menschliches Versuchsmaterial ins Feld. Es geht um die Verfhrbarkeit einer Menschenseele.
Der Abend ist den vielen Opfern gewidmet, die der Mensch in seinem "edlen Streben" auf seinem Weg liegen lsst. Fr Mephisto ist Faust nur einer unter vielen in der unermesslichen Zeit, und Gott nimmt sich die Freiheit, seinen Wetteinsatz bei recht freier Auslegung der Regeln einzustreichen: Fausts Seele.
Die Textauswahl folgt den Ereignissen gewissermaen auf einer Wasserader; Thales erffnet mit folgender Feststellung:

"Alles ist aus dem Wasser entsprungen!

Alles wird durch das Wasser erhalten!

Ozean, gnn uns dein ewiges Walten.

Die Bearbeitung beinhaltet ausschlielich Originaltexte aus Goethes Faust I und II.

www.sommerspiele.org

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