Theaterkritik: Besuch der alten Dame

bar37gs-altedame3-4spx.JPG

Eine Mil­li­ar­de gegen einen Mord: Clai­re Zachanas­si­an (brau­nes Kleid, gespielt von Syl­via Anders) will ihren Ex-Lieb­ha­ber Ill, der sich schmhlich ver­lie (Wal­ter Benn, knie­end) tot sehen.

Kri­tik von Andre­as Rot­ten­stei­ner

Wer tat nicht schon ein­mal in hor­mo­nel­lem ber­schwang und aus ent­tusch­ter Lie­be bit­te­re Rache­schw­re? So wie Eli­za Doo­litt­le, die in ihrer Phan­ta­sie den Pro­fes­sor Higgins erschie­en lsst?

Aber wie der Name Doo­litt­le (tut wenig) sagt – es bleibt bli­cher­wei­se bei den Rache­ge­dan­ken. Was, wenn nun jemand sei­ne Rache­gels­te aber ausfhren wrde, nicht nur in Gedan­ken, son­dern auch in Wor­ten?

Fried­rich Drren­matt gestal­tet eine sol­che Situa­ti­on in sei­nem Stck Der Besuch der alten Dame, einer tra­gi­schen Kom­die.

Mil­li­ar­de oder Mord?

Eine alte Dame kommt in ihren Geburts­ort, den sie einst in Schmach und Schan­de ver­lie, und bie­tet den Brgern Geld – eine Mil­li­ar­de! Dafr sol­len sie ihren ehe­ma­li­gen Gelieb­ten tten, jenen Mann, der sie schwn­ger­te und sit­zen lie, der Zeu­gen mani­pu­lier­te und so das Gericht betrog. Der sie ver­trieb, zur Dir­ne mach­te und als ehr­ba­rer Kauf­mann eine Fami­lie grn­de­te.

So will sie sich an ihrem Gelieb­ten, an den Mnnern, an der Welt rchen – den einen lsst sie tten, die ande­ren nimmt sie sich nach Belie­ben und wirft sie weg, die Welt kauft sie sich.

Sie wol­len Gerech­tig­keit?, heit es, und sie ant­wor­tet: Weil ich sie mir leis­ten kann!

Syl­via Anders in der Titel­rol­le stellt ber­zeu­gend eine Frau dar, die trotz Reich­tums, Macht und erfll­ter Rache ver­bit­tert und unglck­lich ist.

Wal­ter Benn als geal­ter­ter Gelieb­ter (mein schwar­zer Pan­ther) wirkt vor der Pau­se all­zu gebrech­lich, im zwei­ten Teil bringt er senen Alfred Ill her­vor­ra­gend – ein Mann, der reift an sei­nem Schick­sal und im Alter zu sei­nem Leben steht!

Der Brger­meis­ter (in der Kot­ting­brun­ner Bhnen­ver­si­on eine Brger­meis­te­rin), der Pfar­rer, der Poli­zist und der Leh­rer – herr­li­che Cha­rak­ter­stu­di­en mensch­li­cher Untie­fen, sou­vern gestal­tet von Feli­ci­tas Ruhm, Chris­ti­an Wein­ber­ger, Georg Kuszt­rich und Tho­mas Freu­den­sprung. ber­zeu­gend vor allem im zwei­ten Teil Alex­an­dra Maria Trim­mel als Repor­te­rin und Wal­burg Weis­senbck als verhrm­te Krme­rin. Spiel­freu­dig Tho­mas Wei­en­gru­ber, der gleich drei Gat­ten gestal­ten darf, und die bei­den Eunu­chen Hein­rich Schrott und Franz Zojer.

Wich­ti­ge Brger

Bedingt durch Text­be­ar­bei­tun­gen kommt den Brgern, allen vor­an dem kst­li­chen Franz Schie­fer, eine wich­ti­ge Rol­le zu, die die­se als Clowns komisch und skur­ril aus­fl­len.

Haus­herr Joa­chim Knzel ber­zeugt in sei­ner Rol­le als stren­ger und unbe­stech­li­cher Zug­be­glei­ter.

Beein­dru­ckend als But­ler und Bera­ter Peter Cer­we­ny: im wei­en Anzug und mit Son­nen­bril­le ist er die per­fek­te Num­mer 2 eines Impe­ri­ums – unsicht­bar und doch stndig prsent!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.