Pflicht und Kür im Rathaus

Am 25. Sep­tem­ber fand im Bade­ner Rat­haus die ers­te von Eri­ka Ade­n­sa­mer gelei­te­te Gemein­de­rats­sit­zung statt. 12 schlan­ke, wenig spek­ta­ku­lä­re Punk­te stan­den auf der Tages­ord­nung – sozu­sa­gen das Pflicht­pro­gramm. Für die „Kür“ sorg­ten 11 dring­li­che Anträ­ge – und eini­ge „mar­kan­te“ Bemerkungen.

Gleich vor­weg: Die neue Stadt­che­fin spar­te nicht mit spit­zen Wor­ten Rich­tung Oppo­si­ti­on („Nur die Grü­nen sind die Guten – him­mel­schrei­end ist das!“). Auch in der Selbst­dar­stel­lung zeig­te sich Ade­n­sa­mer ganz und gar nicht schüch­tern. („Ich bin gern die Loko­mo­ti­ve für einer kind- und fami­li­en­ge­rech­te Stadt“).

Und durch Kri­tik ließ sie sich schon gar nicht beir­ren. So etwa wies Chris­ti­ne Wit­ty (wir bade­ner) dar­auf hin, dass die Dring­lich­keits­an­trä­ge ohne jewei­li­ge vor­he­ri­ge Kom­men­tie­rung abzu­stim­men sei­en. Das berühr­te Ade­n­sa­mer wenig. Die Stadt-Che­fin gab wei­ter zu jedem dring­li­chen Antrag (Die­se wer­den im letz­ten Augen­blick ein­ge­bracht wer­den und daher nicht vor­her bera­ten wer­den kön­nen, Anm.) der Oppo­si­ti­on ein State­ment ab, was man als Signal für Ableh­nung oder Annah­me durch die Mehr­heits­par­tei ÖVP inter­pre­tie­ren könnte.

Ins­ge­samt wur­den – sozu­sa­gen im „Kür-Teil“ der Gemein­de­rats­sit­zung –  elf popu­lä­re dring­li­che Anträ­ge ein­ge­bracht, gleich vier davon von der ÖVP selbst – zu den The­men Solar­tank­stel­le, Han­dy­mas­ten, City­bus und kin­der­freund­li­che Gemein­de. Die Dring­lich­keit wur­de außer­dem zwei Anträ­gen der SPÖ zuer­kannt (Grip­pe­schutz, Heiz­kos­ten). Grü­ne und wir bade­ner blitz­ten kom­plett ab.

Die Grü­ne Hel­ga Kris­mer kom­men­tier­te die Antrags­flut der ÖVP mit „das sind gache (= plötz­li­che, emo­tio­na­le) Anträ­ge“. Wäh­rend der Debat­te um die Han­dy­mas­ten-Reso­lu­ti­on mein­te die Grü­ne: „Will die Mehr­heits­par­tei die Oppo­si­ti­on mit dring­li­chen Anträ­gen überrollen?“

Von der Stim­mung her beweg­te sich die Sit­zung auf einem schma­len Grat zwi­schen durch­aus ori­gi­nel­ler Bis­sig­keit und zyni­schen Macht-Geplän­keln. Die ÖVP scheint jeden­falls noch stär­ker als unter Brei­nin­ger ihre Chef-Posi­ti­on im Gemein­de­rat her­vor­strei­chen zu wollen.

 

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