„Man lebt anders, wenn man hofft, dass es weitergeht…“

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Heu­er im Mai starb die Mut­ter von Alt­brger­meis­ter August Brei­nin­ger, Gise­la. Nun spricht Brei­nin­ger (Bild oben) ber sei­ne Erfah­run­gen mit die­sem Tod und phi­lo­s­phiert ber das Leben und das Leben danach…

Der Tod der eige­nen Mut­ter ist im Leben jedes Men­schen ein ein­schnei­den­des Ereig­nis. Was hat Ihnen Trost gege­ben?

August Brei­nin­ger: Mich hat getrs­tet, dass sie 97 wur­de, bis zuletzt ein erfll­tes, waches Leben hat­te, viel­sei­tig war und trotz star­ker Her­aus­for­de­run­gen im Beruf stets offen fr Gesprche war. Sie war bis zuletzt frhlich und opti­mis­tisch.

Der Tod eines gelieb­ten Men­schen wirft immer auch Fra­gen fr das eige­ne Leben und Ster­ben auf…

Brei­nin­ger: Mei­ne Mut­ter war – nach mei­nem Vater, der 1972 starb -, erst der zwei­te Mensch, mit des­sen Leich­nam ich allein war. Man reflek­tiert dabei auto­ma­tisch sei­nen eige­nen Tod. Immer­hin ist man nach dem Tod der Eltern nicht mehr Kind. Das eige­ne Ende kommt nher.

Glau­ben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Brei­nin­ger: Wenn man mit einem toten Men­schen allein ist, sprt man, dass ein Unter­schied ist zwi­schen einem leben­den und einem leb­lo­sen Krper. Da stellt sich auch die Fra­ge nach der Tren­nung von See­le und Leib. Was ist die See­le? Ver­geht sie mit dem Krper? Wenn sie unsterb­lich ist, war sie vor­her schon da? Gibt es die See­len­wan­de­rung? Ich glau­be eher ja an ein Leben nach dem Tod, bin mir aber auch bewusst, dass alle Jen­seits­vor­stel­lun­gen dies­sei­tig geprgt sind.

Flch­tet man mit Vor­stel­lun­gen vom Leben nach dem Tod nicht letzt­lich blo vor der Zur­kennt­nis­nah­me der eige­nen Ver­gng­lich­keit?

Brei­nin­ger: Fast alle Reli­gio­nen und vie­le Phi­lo­so­phi­en ent­wi­ckeln Vor­stel­lun­gen von einem Leben nach dem Tod. Das trs­tet uns. Und das ist auch gut so. Wir leben anders, wenn wir hof­fen knnen, dass es irgend­wie wei­ter geht. Ich glau­be, dass es viel mehr Unmo­ral und Ver­bre­chen gbe ohne die­se Hoff­nung. Natrlich zweif­le auch ich manch­mal, dann trs­tet mich ein Satz des alt­grie­chi­schen Phi­lo­phen Epi­kur: Der Tod ist fr uns ein Nichts. So lan­ge wir leben, ist er nicht da. Wenn er aber da ist, sind wir nicht mehr…

Wir ken­nen alle nicht den Zeit­punkt unse­res Todes…

Brei­nin­ger: Je jnger, des­to mehr Rest­le­ben hat man vor sich, und das Leben ist weni­ger wert, weil man ja meint, es im ber­fluss zu haben. Wenn man lter wird, wird das Leben mehr wert, man will es fest­hal­ten, aber umso schnel­ler ent­schwin­det es – wie alles, von dem man sich nicht lsen kann. Die Natur hat es wei­se ein­ge­rich­tet, dass wir nicht unse­re Todes­stun­de ken­nen, gera­de das Unbe­stimm­te lsst uns hof­fen und ver­ant­wor­tungs­vol­ler leben. Ehr­lich: Jeder glaubt doch heim­lich, er ent­geht dem Tod. Ich neh­me mich nicht aus.

Aktu­ell wird viel ber Ster­be­hil­fe dis­ku­tiert…

Brei­nin­ger: Als Christ schwankt man zwi­schen Phi­lo­so­phie und Glau­ben. War­um soll jemand lei­den – einer­seits? Aber wir haben ande­rer­seits das Leben nicht erschaf­fen – also haben wir auch nicht das Recht, es zu neh­men. Dar­ber knn­te man end­los phi­lo­so­phie­ren. Ich bin aber nicht fr eine Frei­ga­be der Ster­be­hil­fe, es wrde zu Mas­sen­sui­zi­den kom­men…

Haben Sie noch geis­ti­ge Ver­bin­dung zu Ihrer Mut­ter?

Brei­nin­ger: Gera­de jetzt, wo wir tele­fo­nie­ren, hab ich ihr Foto vor mir ste­hen, ein Bild aus ihren letz­ten Tagen. Aber lie­ber gehe ich auf ihr Grab hin­aus, weg vom Bild. Am Grab, gera­de auch jetzt zu Aller­hei­li­gen, hal­te ich mit ihr Zwie­spra­che, was natrlich letzt­lich ein Selbst­ge­sprch ist. Ich glau­be, Men­schen leben auf jeden Fall wei­ter, so lan­ge es jeman­den gibt, der sich an sie erin­nert.

Sie trs­ten sich mit dem geglck­ten Leben Ihrer Mut­ter. Was ist fr Sie selbst ein geglck­tes Leben?

Brei­nin­ger: In der Jugend woll­te ich mich ego­is­tisch durch­set­zen. Im Alter wer­den mir die Begeg­nun­gen mit ande­ren Men­schen immer wich­ti­ger. Zuh­ren knnen, dem ande­ren eine Chan­ce geben – das ist es, was fr mich ein geglck­tes Leben bedeu­tet.

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