„Die Kontrolle ist das Problem!“

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Jugend­sze­ne-Wirt Peter Hnigs­ber­ger im Inter­view ber das neue Bade­ner Event-Gte­sie­gel, ber Koma-Sau­fen und die „heu­ti­ge Jugend“.

Baden hat jetzt das Event-Gte­sie­gel fr Jugend-Par­tys. Was hal­ten Sie als Betrei­ber der Jugend­lo­ka­le Mel­ker­kel­ler und Club 2 und alter Fuchs in der Bran­che von die­ser Initia­ti­ve?
Peter Hnigs­ber­ger: Prin­zi­pi­ell ist es posi­tiv, dass die Gemein­de ber das Pro­blem nach­denkt. Aber in gemein­sa­men Sit­zun­gen haben wir wich­ti­ge Fra­gen wie die Kon­trol­lier­bar­keit der Wei­ter­ga­be von Alko­hol eigent­lich nicht beant­wor­tet, und wir waren auch geteil­ter Mei­nung, was das Ins-Rhr­chen-Bla­sen beim Ver­las­sen des Lokals betrifft. Da knn­ten sich die Jugend­li­chen auch einen Spa draus machen

Sehen Sie aber so wie Jugend­bei­rats-Obmann Alex May­er­ho­fer prin­zi­pi­el­len Hand­lungs­be­darf in Sachen Koma-Sau­fen?
Hnigs­ber­ger: Jein. Ich pers­n­lich ken­ne kei­ne Flle, aber es wird schon eini­ges dar­an sein, dass sich Medi­en und die Poli­ti­ker ber die­ses The­ma soviel Gedan­ken machen.

Aber May­er­ho­fer schil­der­te einen Fall, bei dem Betrun­ke­ne vorm Mel­ker­kel­ler nahe bei der Strae lagen
Hnigs­ber­ger: Bizar­r­er­wei­se war das eine Ver­an­stal­tung fr Unter 16-Jhri­ge, bei der im Lokal weder geraucht wer­den durf­te noch Alko­hol aus­ge­schenkt wur­de. Defi­ni­tiv nicht. Das zeigt mir, dass die Pro­ble­me nicht unbe­dingt im Bereich der Gas­tro­no­mie lie­gen

Son­dern wo?
Hnigs­ber­ger: Wenn Jugend­li­che an Alko­hol kom­men wol­len, dann kom­men sie ran. Bei jedem Gro­heu­ri­gen, bei jedem Feu­er­wehr­fest, durch befreun­de­te ber 18-Jhri­ge, oder auch schlicht und ein­fach an Papas Bar. Das Pro­blem liegt in der Kon­trol­lier­bar­keit, schluss­end­lich auch in Bezug auf das Event-Gte­sie­gel.

Die Gas­tro­no­men wren ja eigent­lich die bes­ten Kon­trol­leu­re. Aber eska­lie­ren man­che Situa­tio­nen nicht auch, weil Gas­tro­no­men eben Geschfte machen wol­len? Ich den­ke da an die berhm­ten Hap­py Hours, wo es Alko­hol zum Dum­ping-Preis gibt
Hnigs­ber­ger: Ich muss mich natrlich an das Jugend­schutz­ge­setz hal­ten, sonst hat das fr mich Kon­se­quen­zen. Ich hal­te Wer­bung mit Alko­hol auf diver­sen Fly­ern sowie­so fr unmo­ra­lisch. Die bes­ten Geschfte macht man als Gas­tro­nom, wenn alles pro­blem­los luft. Zum Bei­spiel gibt es bei uns bei der Hap­py Hour einen ein­zi­gen Cock­tail zum hal­ben Preis, auch wahl­wei­se einen nicht-alko­ho­li­schen. In vie­len ande­ren Loka­len gibt es zwei Cock­tails zum Preis von einem, das ani­miert natrlich zum Wei­ter­trin­ken. Das bil­ligs­te Getrnk ist in mei­nen Loka­len jeden­falls immer noch ein anti­al­ko­ho­li­sches. Ich mch­te jeden­falls nicht, dass im Zuge der gan­zen Koma-Trink-Debat­te alle Schuld und alle Stra­fen den Wirt tref­fen. Das kann’s nicht sein.

Es gibt in jedem Jugend­lo­kal Trl­ste­her, es gibt Kell­ner. Sind die ber­haupt zu Kon­trol­le imstan­de?
Hnigs­ber­ger: Der idea­le Trl­ste­her soll­te ein aus­ge­bil­de­ter Psy­cho­lo­ge mit Rie­sen-Muckis sein. Spa bei­sei­te, das gibt’s natrlich nicht. Wir haben das in mei­nen Loka­len so gere­gelt, dass wir einen Mus­kel­mann und einen, der even­tu­el­le Situa­tio­nen beru­hi­gen kann, zusam­men hin­stel­len. Vor denen muss man Respekt haben, die meis­ten sind ber 30. Trotz­dem gebe ich zu, dass es 16-Jhri­gen gelingt, in die Loka­le zu kom­men. Ich scht­ze, ca. 10 Pro­zent. Und die Kell­ner soll­ten freund­lich und stress­re­sis­tent sein, aber auch Nein sagen knnen, wenn Betrun­ke­ne mehr Alko­hol wol­len.

Tun sie das immer? Locken da nicht viel­leicht auch ein groz­gi­ges Trink­geld oder schne Augen?
Hnigs­ber­ger: Mei­ne Kell­ner ver­die­nen sehr gut. Ich kann sie natrlich nicht stndig kon­trol­lie­ren und las­se ihnen prin­zi­pi­ell freie Hand. Aber ich hab noch nie mit ihnen Pro­ble­me gehabt, das htte auch Kon­se­quen­zen. Sie wis­sen, was sie tun. Ich ver­zich­te prin­zi­pi­ell auf weib­li­che Kell­ne­rin­nen. Ich brauch das nicht, dass die Bur­schen durch einen tie­fen Aus­schnitt und Mini-Rockerl zum Alko­hol­kon­sum ani­miert wer­den. Es ist auch in mei­nem geschft­li­chen Inter­es­se, das alles pro­blem­los luft. Ich muss jeder­zeit mit einer Poli­zei-Kon­trol­le rech­nen.

Irren also die Medi­en, wenn sie von jugend­li­chen Alko­hol-Exzes­sen berich­ten? Irren Poli­ti­ker, die sich mit dem The­ma befas­sen?
Hnigs­ber­ger: Ich glaub schon, dass das Pro­blem auf­ge­schau­kelt wird. Aber ich habe auch die Erfah­rung gemacht, dass 16-Jhri­ge oft ein­fach noch nicht so reif sind wie 18-Jhri­ge. Aus die­sem Grund gibt es bei uns kei­ne Par­tys mehr fr Unter 18.

Und wo sol­len die 16-Jhri­gen dann fei­ern?
Hnigs­ber­ger: Da fllt mir nur das Kol­ping­haus ein. Aber es gibt mei­nes Wis­sens in Baden gar nicht so vie­le Ver­an­stal­tun­gen fr Unter 18-Jhri­ge.

Wie­viel Geld geben die Jugend­li­chen eigent­lich im Schnitt an so einem Abend aus?
Hnigs­ber­ger: Ich scht­ze 10 Euro. Man­che viel weni­ger, man­che viel mehr. Das klingt nicht viel, aber man muss beden­ken, wie oft die Jugend­li­chen heu­er fort­ge­hen. Frher sind wir viel­leicht ein­mal oder zwei­mal im Monat weg­ge­gan­gen.

Um 10 Euro kann man sich aber sicher nicht sinn­los betrin­ken, oder? Da gehen sich drei Sei­del Bier aus und viel­leicht drei oder vier Stam­perl Tequi­la.
Hnigs­ber­ger: Das stimmt, und ich kann es nur best­ti­gen. In den acht Jah­ren, die ich jetzt in der Sze­ne ttig bin, hat­te ich noch nie den berhm­ten Ret­tungs­wa­gen da, der einen voll­trun­ke­nen Jugend­li­chen ins Spi­tal gef­hrt hat.

Man hrt auch von ande­ren Pro­ble­men, abseits des Koma-Trin­kens: von Dro­gen­kon­sum, von Rau­fe­rei­en, von Aus­ln­der­feind­lich­keit, Jugend-Ban­den und von Sex-Exzes­sen
Hnigs­ber­ger: Bei Rau­fe­rei­en gibt es fr mich nur eins: Alle Rauf­han­seln sofort Lokal­ver­weis. Das The­ma Dro­gen ist bei uns Gott sei Dank kein Pro­blem!!. Bei Aus­ln­dern ver­su­che ich, Ban­den-Bil­dung zu ver­mei­den. Wir haben auch vie­le aus­ln­di­sche Stammgs­te, die sind total okay. Offen sexu­el­le Hand­lun­gen wer­den sofort unter­bun­den. Die haben in einem ffent­li­chen Lokal nichts ver­lo­ren.

Ist es eigent­lich ange­nehm, ein Jugend­sze­ne-Wirt zu sein?
Hnigs­ber­ger: Ja. Abge­se­hen von unrhm­li­chen Ein­zel­fl­len fin­de ich, dass hier eine Super-Genera­ti­on her­an­wchst. Zum Bei­spiel ris­kiert heu­te kei­ner mehr sei­nen Job, besuft sich und macht am nchs­ten Tag ein­fach blau. Die Zei­ten sind vor­bei, das muss man auch beden­ken.

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