Historische Stunde im Badener Gemeinderat

His­to­ri­sche Stun­de im Bade­ner Gemein­de­rat: Am Diens­tag wur­de nicht nur der bis­lang grte Vermgens-Trans­fer in der Geschich­te der Stadt beschlos­sen. Es war wohl auch das letz­te Mal, dass in die­sem Gre­mi­um ber den Gemein­de­bau debat­tiert wur­de

Smt­li­che 800 Gemein­de­woh­nun­gen und dar­ber hin­aus die aller­meis­ten std­ti­schen Immo­bi­li­en (Ver­kehrs­wert: 74 Mil­lio­nen Euro) wur­den einer neu­en Gesell­schaft bertra­gen.

Die­se Gesell­schaft agiert, wie­wohl im 100 Pro­zent-Eigen­tum der Gemein­de ste­hend, auto­nom und nach wirt­schaft­li­chen Kri­te­ri­en. Kon­trol­liert wird die neue Gesell­schaft durch einen Auf­sichts­rat. Die­ser besteht aus Ver­tre­te­rIn­nen aller poli­ti­schen Par­tei­en in Baden, han­delt aber nicht im Auf­trag des Gemein­de­ra­tes.

Luxus­mo­der­ni­sie­rung?

Wir Bade­ner‘ und Grne mei­nen des­halb, dass sich die Stadt Baden nun end­gl­tig aus der sozia­len Wohn­bau­po­li­tik ver­ab­schie­det habe. Wir Bade­ner reg­ten qua­si als Not­brem­se noch ein­mal eine 8 Punk­te-Sozi­al­char­ta an – unter ande­rem mit einem Bekennt­nis zum leist­ba­ren Wohn­raum und zum Ver­zicht auf Luxus­mo­der­ni­sie­run­gen. Die­ser Zusatz­an­trag fand jedoch nur noch die Unterst­tzung von Grnen und Wir Bade­nern. Die SP, die noch im Sep­tem­ber die­se Sozi­al­char­ta begrt hat­te, wink­te dies­mal ab.

Eine Not­wen­dig­keit?

VP-Stadt­che­fin Eri­ka Aden­sa­mer spricht von einem Mei­len­stein fr die sozia­le Wei­ter­ent­wick­lung der Stadt.

SP-Stadt­rat Nor­bert Kreil­l­ech­ner begrt das Pro­jekt in der Hoff­nung auf die Sanie­rung der (Ex-)Gemeindewohnungen und spricht von gesell­schafts­po­li­ti­scher Not­wen­dig­keit.

Grne und Wir Bade­ner ver­mu­ten hin­ter der Trans­ak­ti­on auch Bud­get-Kos­me­tik. Chris­ti­ne Wit­ty (wir bade­ner): Die Rck­la­gen der Stadt wer­den auf­ge­fet­tet. Par­rer (Grne): Es gab Null Infor­ma­ti­on!

Zie­le erar­bei­ten

VP-Gemein­de­rat Szi­ruc­sek weist alle Vor­wr­fe zurck: Die VP bekennt sich auch wei­ter zur sozia­len Ver­ant­wor­tung. Wir beken­nen uns zu bestehen­den Ver­trgen und zur Sanie­rung und Auf­wer­tung des Wohn­raums. Leist­ba­re Woh­nun­gen muss es auch wei­ter geben. Szi­ruc­sek stell­te einen Zusatz­an­trag: Der Auf­sichts­rat soll ein Leit­bild hin­sicht­lich der Zie­le erstel­len. Der Zusatz­an­trag wur­de ein­stim­mig ange­nom­men.

Der eigent­li­che Vermgens-Trans­fer wur­de aber von der Brger­lis­te Wir Bade­ner und von den Grnen abge­lehnt.

Den klas­si­schen Gemein­de­bau gab es in Baden nur bis 1990. Damals fand der letz­te Spa­ten­stich fr ein von der Gemein­de errich­te­tes Wohn­haus statt. Die­ses Haus steht in der Goe­the­gas­se. Die Miet­prei­se dar­in sind schon recht geschmal­zen.

l Die Haus­ver­wal­tung lag noch bis Anfang der 2000er-Jah­re bei der Stadt und wur­de vor eini­gen Jah­ren an die Alli­anz Immo­bi­li­en Gmbh aus­ge­glie­dert.

l Im Eigen­tum der Gemein­de stan­den bis 6. Novem­ber 2007 etwa 800 Gemein­de­woh­nun­gen unter­schied­li­cher Kate­go­ri­en, dar­un­ter auch teil­wei­se men­schen­un­wr­di­ger Sub­stan­dard. Mit der Sanie­rung der Gemein­de­woh­nun­gen ist die Stadt Baden nicht nach­ge­kom­men.

Offi­zi­ell geh­ren die Ex-Gemein­de­woh­nun­gen nun der neu­en Immo­bi­li­en-Gesell­schaft.

l Ursprn­glich hat sich der Gemein­de-Wohn­bau aus dem Gedan­ken ent­wi­ckelt, dass auch arme Men­schen Wohn­raum brau­chen. Die Hoch­blte des Gemein­de­baus war wohl in der ers­ten Hlfte des vori­gen Jahr­hun­derts. In Wien leben heu­te noch – laut Inter­net-Lexi­kon Wiki­pe­dia – rund ein Drit­tel aller Ein­woh­ne­rIn­nen in Gemein­de­woh­nun­gen, die nicht mehr alle den Cha­rak­ter von Sozi­al­woh­nun­gen haben.

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