„Der Jugend Perspektiven geben!“

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Sel­fet Yil­maz war Mit­glied bei der Moschee-Media­ti­on und unter­stützt jetzt Bür­ger­meis­ter Chris­toph Prinz in sei­nen Gesprä­chen mit tür­ki­schen und öster­rei­chi­schen Jugend­li­chen, die in Rau­fe­rei­en ver­wi­ckelt waren. 

In Vös­lau will die Debat­te über die Rauf­hän­del zwi­schen öster­rei­chi­schen und tür­ki­schen Jugend­li­chen nicht abrei­ßen. Nach dem Stadt­fest und in der Bahn­stra­ße haben sich zwei grö­ße­re Vor­fäl­le ereig­net. Das Kon­flikt-Manage­ment der Stadt ist gefragt. Stadt-Chef Prinz führt mit allen invol­vier­ten Jugend­li­chen Ein­zel­ge­sprä­che. Mit dabei ist auch Sel­fet Yilmaz.

Sind die Rau­fe­rei­en zwi­schen tür­ki­schen und öster­rei­chi­schen Jugend­li­chen aus Ihrer Sicht ein ganz nor­ma­les Jugend­pro­blem? Oder doch ein Nationalitäten-Konflikt?

Sel­fet Yil­maz: Die Rau­fe­rei­en sind zwar kei­ne Ein­zel­fäl­le, aber Ein­zel­ta­ten. Die Jugend­li­chen, die in letz­ter Zeit nega­tiv auf­ge­fal­len sind, waren immer die­sel­ben – im Alter zwi­schen 12 und 14. Und das waren vier Jugend­li­che! Die tür­ki­schen Jugend­li­chen pau­schal zu ver­ur­tei­len, wäre somit eine gro­ße Gefahr im Inte­gra­ti­ons­pro­zess. Das ist ein sehr sen­si­bler Pro­zess, und braucht Fingerspitzengefühl.

 

Der letz­te grö­ße­re Anlass war ja eine Rau­fe­rei nach dem Stadt­fest. Bür­ger­meis­ter Chris­toph Prinz hat mir gesagt, er redet nun mit allen betei­lig­ten Jugend­li­chen ein­zeln. Was kön­nen Sie dazu bei­tra­gen, dass sich die Situa­ti­on wie­der normalisiert?

Yil­maz: Ziel ist, zukünf­tig immer mit allen Betrof­fe­nen zu reden. Unse­re Absicht wird sein, die­ser ver­un­si­cher­ten Jugend Per­spek­ti­ven zu zei­gen. Ihnen einen Blick in die Zukunft zu geben. Mit kon­kre­ten Auf­ga­ben, die von der Gesell­schaft aner­kannt wer­den. Auch ich habe mit den Jugend­li­chen gesprochen.

 

Wel­che Erkennt­nis­se erge­ben sich für Sie aus die­sen Gesprächen?

Yil­maz: Vie­le der invol­vier­ten tür­ki­schen Jugend­li­chen begin­nen ihre „Kar­rie­re“ als Opfer die­ser Gesell­schaft und wer­den dann Täter, weil sie ohne Per­spek­ti­ve aus­ge­grenzt wer­den. Sie wol­len sich auf ande­re Art und Wei­se die Ach­tung ihrer Umwelt erkämp­fen. Eini­ge lagen in der ers­ten Schul­stun­de so stark zurück, dass sie ihren mas­si­ven sprach­li­chen Rück­stand nicht mehr auf­ho­len konn­ten. Und hier sind die tür­ki­schen Fami­li­en gefor­dert. Sie müs­sen unbe­dingt etwas tun.

 

Sind tür­ki­sche Jugend­li­che beson­ders gewalt­be­reit, viel­leicht sogar wegen ihrer beson­de­ren Situation?

Yil­maz: Das ist eben die all­ge­mei­ne Wahr­neh­mung der Gesell­schaft. Und genau das hemmt gleich­zei­tig auch den Inte­gra­ti­ons­pro­zess. Die­se Inte­gra­ti­ons­hin­der­nis­se müs­sen aus­ge­forscht und aus dem Weg geräumt wer­den. Das wäre der ers­te Schritt. Pro­ble­me gibt es schon das soll­te man nicht ver­leug­nen. Aber wenn zum Bei­spiel Jugend­li­che eine Fens­ter­schei­be ein­schla­gen, ist es ein übli­ches Jugend­pro­blem. Falls dies tür­ki­sche Jugend­li­che tun, muss es auch ein Jugend­pro­blem blei­ben. Im Sin­ne von Gleichbehandlung.

Tür­ki­sche Jugend­li­che sol­len – wie zu hören ist – den Ska­ter­platz bei der Gey­mül­ler­hal­le „kon­trol­lie­ren“. Beim Bahn­hof sol­len öster­rei­chi­sche Jugend­li­che im Vor­bei­ge­hen ange­stän­kert wer­den – und schon kommt es zu Rau­fe­rei­en. Es soll auch schon eini­ges auf der Poli­zei bekannt sein…

Yil­maz: Gehört habe ich das auch schon. Ob es stimmt, kann ich Ihnen nicht bestä­ti­gen. Aber man muss alle die­se The­men ernst neh­men und der Sache auf den Grund gehen, auch wenn es nur hal­be Wahr­hei­ten sind. Die Ursa­che muss aus­ge­forscht wer­den. Ist es feh­len­de gesell­schaft­li­che Aner­ken­nung? Oder gibt es ande­re Ursachen?

 

Wor­um geht es denn Ihrer Ansicht nach bei den Rau­fe­rei­en? Um gekränk­te Ehre?

Yil­maz: Ich bin kein Kon­flikt­for­scher. Aber die Jugend­li­chen haben viel­leicht das Gefühl, von der Gesell­schaft auf dem Weg in die Zukunft ver­ges­sen wor­den zu sein. Zumin­dest glau­ben sie es so. Es ist aber auch rich­tig, dass beson­ders die tür­ki­schen Jugend­li­chen in die­ser Fal­le ste­cken. Aber eines ist sehr erfreu­lich: Dro­gen bzw. Alko­hol­pro­ble­me haben Sie nicht.

In wie weit wird die­se Pro­ble­ma­tik beim Inte­gra­ti­ons-Leit­bild für Bad Vös­lau dis­ku­tiert? Sind Sie in die­se Dis­kus­si­on eingebunden?

Yil­maz: Inte­gra­ti­on ist eine Auf­ga­be der gesam­ten Gesell­schaft, nicht nur bestimm­ter Gruppen.Integrationsleitbild in Bad Vös­lau ist in rich­ti­gen Hän­den. Die machen eine her­vor­ra­gen­de Arbeit.Das muss auch ein­mal gesagt werden.Auch die Frau­en­grup­pe ist sehr engagiert.Wir sind sehr zufrieden.Die Auf­bruch­stim­mung ist wirk­lich da. Und in den letz­ten Mona­ten hat man von den Jugend­li­chen über­haupt nichts Nega­ti­ves mehr gehört. Auch die Jour­na­lis­ten mögen bit­te ihren Bei­trag leis­ten und pau­scha­le Schlag­zei­len ver­mei­den. Aktu­ell arbei­te ich ein Kon­zept aus, das ich noch mit den Par­tei­en-Ver­tre­tern in Bad Vös­lau aus­dis­ku­tie­ren möch­te, bevor es in die Stadt­er­neue­rung und in das Inte­gra­ti­ons-Leit­bild ein­ge­bun­den wird. Ziel ist aber, gemein­sam mit der Bevöl­ke­rung Wer­te zu defi­nie­ren, die den Weg wei­sen und im täg­li­chen Leben prak­tisch umsetz­bar sind. Inte­gra­ti­ons­hin­der­nis­se müs­sen jeden­falls aus dem Weg geräumt wer­den. Das braucht Zeit. Denn das ist ein sehr lang­wie­ri­ger Pro­zess und darf die Betei­lig­ten auf kei­nen Fall überfordern.

 

 

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