„Wirtschafts-Krimi“ Battenfeld

Am 3. Jnner bean­trag­te die Kot­ting­brun­ner Fir­ma Bat­ten­feld beim Lan­des­ge­richt Wr. Neu­stadt den Kon­kurs. Laut Aus­kunft des Kre­dit­schutz­ver­ban­des fr 1870 steht die Fir­ma mit Pas­si­va von 20 – 30 Mil­lio­nen Euro in der Krei­de. Und das bei vol­len Auf­tragsbchern! 472 Beschftig­te zit­tern jetzt um ihre Jobs.


Ein Wirt­schafts-Kri­mi der Son­der­klas­se zeich­net sich um das renom­mier­te Kot­ting­brun­ner Unter­neh­men ab. Ein Kri­mi, der 472 Men­schen und ihre Fami­li­en sowie zahl­rei­che Zulie­fer­be­trie­be in ihrer Exis­tenz gef­hr­det.Im Okto­ber 2006 hat­te der deut­sche Kon­zern Adcuram die Bat­ten­feld gekauft. Kurz danach war von einer schwe­ren Finanz­kri­se die Rede, die Beschftig­ten hat­ten nur zwei Alter­na­ti­ven: Ent­we­der einem Lohn­ver­zicht von 2,5 Pro­zent auf 30 Mona­te zuzu­stim­men oder sich abfer­ti­gen zu las­sen. Ver­spro­chen wur­de vom dama­li­gen – frisch ein­ge­setz­ten – Geschftsfh­rer Dr. Micha­el Judis eine Beschfti­gungs­ga­ran­tie fr 340 Mit­ar­bei­ter. Man knne aus der Kri­se kom­men, die Auf­tragsbcher sei­en voll.

Tat­schlich ver­knde­te Bat­ten­feld 2007 posi­ti­ve News: Umsatz­stei­ge­rung von 10 %, die Kon­so­li­die­rung im Per­so­nal­be­reich sei erfolg­reich gewe­sen, die Beschftig­ten htten wun­der­bar mit­ge­macht. Dr. Micha­el Judis wur­de Mit­te 2007 vom Eigent­mer abbe­ru­fen.

Betriebs­wirt Alex­an­der Mller folg­te ihm inte­ri­mis­tisch im Juli nach. Und seit 1. Dezem­ber 2007 hat die Bat­ten­feld mit Mag. Georg Tin­schert einen neu­en Geschftsfh­rer. Er ist ein Top-Mana­ger, der zuletzt die LMF aus der Kri­se gef­hrt hat­te. Mein Ziel bei Bat­ten­feld ist es, den Spritz­gie­ver­ar­bei­tern einen erst­klas­si­gen Ser­vice, inno­va­ti­ve Pro­duk­te sowie Vor­ortnhe durch eine glo­ba­le Prsenz zu bie­ten und damit den ein­ge­schla­ge­nen Erfolgs­kurs des Eigent­mers Adcuram vor­an­zu­trei­ben, sag­te Tin­schert optmis­tisch bei Amts­an­tritt.

 

Weih­nachts-Geschenk

Drei Wochen spter, knapp vor Weih­nach­ten, war alles anders: Am 21. Dezem­ber ver­kauf­te Adcuram in einer Nacht- und Nebel-Akti­on die Bat­ten­feld Kunst­stoff­ma­schi­nen Gesell­schaft m.b.H. (BKU) und damit das Neu­ma­schi­nen­ge­schft mit Bat­ten­feld Spritz­gie­ma­schi­nen an das bri­ti­sche Unter­neh­men OOD Pri­va­te Equi­ty Ltd mit Sitz in Lon­don.
Weder Betriebs­rat noch Gewerk­schaft waren ein­ge­bun­den, die Beleg­schaft wur­de nicht infor­miert. Und sogar der neue Geschftsfh­rer Tin­schert bekann­te in einem Schrei­ben an die Beschftig­ten, von Adcuram nie in die­se Plne ein­ge­weiht gewe­sen zu sein. Er sei bei Amts­an­tritt noch beauf­tragt wor­den, bis Ende Jnner 2008 Adcuram einen 3‑Jah­res-Plan fr die BKU vor­zu­le­gen.

Vom Ver­kauf der BKU an die eng­li­sche Fir­ma sei er erst per E‑Mail am 21. Dezem­ber um 16.23 Uhr von einem Mnch­ner Notar infor­miert wor­den – also nach dem erfolg­ten Ver­kauf. Ich muss heu­te davon aus­ge­hen, dass mir wis­sent­lich nicht die Wahr­heit gesagt wur­de, schreibt Tin­schert am 28. Dezem­ber per Mail an die Mit­ar­bei­ter.
Mar­kus Wie­ser, der zustndi­ge Metal­ler-Gewerk­schaf­ter, sagt: Das Arbeits­ver­fas­sungs­ge­tz schreibt vor, dass vor nde­rung von Eigen­tums­verhlt­nis­sen der Betriebs­rat infor­miert wer­den muss. Das war nicht der Fall.

472 Bat­ten­feld-Beschftig­te wur­den beim Arbeits­markt­ser­vice bereits zur Kndi­gung ange­mel­det.

Auch bewhr­te Zulie­fer­fir­men zit­tern um ihr Geld. Dem Ver­neh­men nach gab es eini­ge Auenstnde sei­tens der Bat­ten­feld. Geschftsfh­rer Tin­schert gibt bekannt: Das Unter­neh­men befin­det sich in einem sehr kri­ti­schen Zustand und braucht kurz­fris­tig sei­tens der Eigent­mer eine Bar­ein­la­ge. Ansons­ten dro­he die Insol­venz. Beim neu­en bri­ti­schen Eigent­mer han­delt es sich aber um ein Unter­neh­men, das erst im Novem­ber 2007 gegrn­det wur­de. An der Adres­se luft immer nur ein Ton­band, berich­ten Beschftig­te. Auch Tin­schert hat bis­her die neu­en Eigent­mer nicht errei­chen knnen. ber die Ttig­keit die­ser Fir­ma gibt es kei­ne Anga­ben.

BKS aus­ge­glie­dert

Ein wesent­li­cher Punkt fr den Fort­be­stand der BKU wird auch der neue Dienst­leis­tungs­ver­trag mit der Bat­ten­feld-Ser­vice-Gesell­schaft BKS sein. BKS wur­de im Herbst 2007 gegrn­det, direkt der Adcuram-Grup­pe ein­ge­glie­dert, und nicht – wie wirt­schaft­lich sinn­voll – als Toch­ter der BKU gef­hrt. Im Febru­ar 2008 soll die BKS nach Hir­ten­berg ber­sie­deln.

Unru­he in der Beleg­schaft

In der Beleg­schaft ist die Emprung gewal­tig. Rei­ne Heu­schre­cken-Poli­tik! wird der Adcuram unter der Hand vor­ge­wor­fen. Der ehe­ma­li­ge Mnch­ner Eigent­mer hat sich nmlich bis­lang zu dem ber­falls­ar­ti­gen Ver­kauf nach Eng­land auch noch nicht geu­ert.

Die Beschftig­ten glau­ben, dass der Maschi­nen­her­stel­ler Bat­ten­feld abge­zockt und jetzt in den Ruin getrie­ben wur­de. Unse­re Auf­tragsbcher sind ber­voll! Es wur­de sogar ein Drei-Schicht-Betrieb gefah­ren! Wir haben geha­ckelt wie wild, nur hat das offen­bar die deut­schen Mana­ger, die mit ihren Luxus­li­mou­si­nen aus Mnchen ange­reist sind, nicht inter­es­siert, sagen Beschftig­te, die jetzt auch nur die knf­ti­ge Ent­wick­lung abwar­ten knnen.

Am 2. Jnner gab es eine Betriebs­ver­samm­lung, bei der noch ein­mal ber den Stand der Din­ge infor­miert wur­de. Wir ver­su­chen alles, ver­spra­chen Betriebs­rat und Geschftsfhrung.

Grte Plei­te seit Jah­ren

Gewerk­schaf­ter Mar­kus Wie­ser teil­te am Don­ners­tag mit, dass die Insol­venz ange­mel­det wur­de. Der Kon­kurs­an­trag wird vom Kre­dit­schutz­ver­band fr 1870 best­tigt: Der Betrieb steht mit 20 – 30 Mil­lio­nen Euro in der Krei­de, damit han­delt es sich um die grte Insol­venz der letz­ten Jah­re in Nie­ders­terreich. Nun wird ein gericht­li­cher Mas­se­ver­wal­ter bestellt, der die Finanz­la­ge prft und die Geschfte wei­terf­hrt. Vor­erst soll wei­ter­pro­du­ziert und ein Inves­tor gefun­den wer­den, der die Bat­ten­feld wei­terf­hrt. Laut Kre­dit­schutz­ver­band wird sich in den nchs­ten acht bis zehn Wochen ent­schei­den, ob das Kon­kurs­ver­fah­ren in Rich­tung Liqui­da­ti­on oder Ent­schul­dung geht. Aus der Bat­ten­feld-Geschftsfhrung heit es, man sei fr drei Mona­te voll aus­ge­las­tet und wer­de alle Kun­den­auf­trge wie ver­ein­bart erfl­len.

Bis Redak­ti­ons­schluss (Don­ners­tag Mit­tag) konn­te weder beim neu­en eng­li­schen Eigent­mer noch beim frhe­ren deut­schen Eigent­mer jemand erreicht wer­den, teilt Betriebs­rat Alfred Kupitsch mit.

Super-Gau fr den Bezirk

Fr den gan­zen Bezirk und die Gemein­de Kot­ting­brunn wrde ein Aus der Bat­ten­feld eine Kata­stro­phe bedeu­ten.

Die Gemein­de lukrier­te die Hlfte ihrer Kom­mu­nal­steu­er-Ein­nah­men von der Bat­ten­feld – 520.000 Euro im Jahr! Gemein­de­se­kretr Bader: Wir mssen erwirt­schaf­te­te berschs­se her­an­zie­hen, um das dro­hen­de Loch zu stop­fen!

Ein Hor­ror-Sze­na­rio ergibt sich auch fr den Arbeits­markt im Bezirk: Wenn an die 500 Leu­te auf den Arbeits­markt kom­men, wirds ein ordent­li­ches Lohn-Dum­ping geben, befrch­ten Bat­ten­feld-Beschftig­te, die Angst haben, ihre Fami­li­en nicht mehr ern­hren zu knnen. Dar­ber hin­aus sind vie­le ande­re Fir­men, die mit Bat­ten­feld eng zusam­men­ge­ar­bei­tet haben, in ihrer Exis­tenz gef­hr­det.

Auch die Gerich­te knn­ten sich fr die Vor­gn­ge rund um den Bat­ten­feld-Ver­kauf inter­es­sie­ren.

1.300 Glub­i­ger betrof­fen
Von dem Kon­kurs sind 1.300 (!) Glub­i­ger betrof­fen, teilt der Kre­dit­schutz­ver­band mit. Die Glub­i­ger knnen bis 18. Mrz ihre For­de­run­gen anmel­den. Die ers­te Gerichts­ver­hand­lung wird am 1. April 2008 sein.
Auch die Wirt­schafts-Poli­zei inter­es­siert sich fr die Vor­gn­ge rund um die­se Fir­men­plei­te. Das letz­te Wort ber die Akte Bat­ten­feld ist jeden­falls noch nicht gespro­chen.

3 Gedanken zu „„Wirtschafts-Krimi“ Battenfeld

  1. Geschickt gemacht, geschickt gemacht…

    der zuknf­ti­ge Eigent­mer kauft nicht selbst son­dern ber­gibt zuerst einer Brief­kas­ten­fir­ma, die­ent­schul­det auf Kos­ten des Lan­des N weil das so bld ist gleich aus lau­ter angst rein­zu­but­tern, dann aus der (mitt­ler­wei­le sanier­ten) Mas­se kann man gns­ti­ger kau­fen und ein ent­schul­de­tes Unter­neh­men mit vol­len Auf­tragsbchern haben, wer immer das Unter­neh­men kauft hat das sehr geschickt ange­stellt, und in der ffent­lich­keit wird er noch der Held sein.…
    und das der Tin­schert nichts davon gewusst hat ist so eine „Wuch­tel“ das glaubt ihm doch kei­ner

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