Psychiatrie: „Nichts ist mehr so wie vor 10 Jahren!“

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Vori­ge Woche wur­de die psych­ia­tri­sche Abtei­lung am Bade­ner Ther­men­kli­ni­kum fei­er­lich erff­net. Ihren Betrieb hat die Sta­ti­on bereits im Okto­ber 2007 auf­ge­nom­men, nach der Aufls­ung des Kli­ni­kums in Gug­ging. Der dor­ti­ge Lei­ter, Prim. Dr. Peter Stger (sie­he Bild oben), ist nach Baden mit ber­sie­delt. Im Inter­view lobt er die Fnf Ster­ne-Qua­litt der neu­en Abtei­lung in Baden und spricht ber moder­ne Psych­ia­trie und Urngs­te der Men­schen.

Die Psych­ia­trie ist der­zeit wegen eini­ger Vor­flle im Otto Wag­ner-Spi­tal in Wien wie­der im Gere­de. Quint­essenz der Vor­wr­fe: Zu wenig Per­so­nal, des­halb Ver­nachls­si­gung von Pati­en­tIn­nen. Wie sieht es da in Baden aus?

Prim. Dr. Peter Stger: Zu Wien will ich mich nicht uern, da ich die dor­ti­gen Verhlt­nis­se nicht genau ken­ne. Grund­st­zlich kann ich sagen, dass smt­li­che regio­na­len Psych­ia­tri­en – neben Baden auch Hol­la­brunn, Neun­kir­chen oder Tulln – per­so­nell bes­ser aus­ge­stat­tet sind als groe Ein­rich­tun­gen.

Wie gro ist die Sta­ti­on in Baden?

Stger: Wir haben hier 60 Bet­ten plus 15 tages­kli­ni­sche Bet­ten. Dafr ste­hen 20 rztIn­nen, 15 The­ra­peu­tIn­nen und 50 Pfle­ge­krf­te zur Verfgung. Das ist ein Schls­sel weit ber 1 zu 1!

Wie sieht es mit der Aus­las­tung in Baden aus?

Stger: Bis Ende Dezem­ber hat­ten wir nur eine Sta­ti­on in Betrieb, die war sofort voll aus­ge­las­tet. Jetzt haben wir auch die zwei­te Sta­ti­on in Betrieb genom­men, und die Bet­ten wer­den knapp. Unser Ver­sor­gungs­ge­biet betrifft der­zeit die Regio­nen Baden, Mdling und Bruck/Leitha. Ab April kommt noch Schwe­chat dazu.

Die Psych­ia­trie ist ein medi­zi­ni­scher Zweig, der bei vie­len Men­schen noch immer ngs­te her­vor­ruft. Auch in Baden gab es vor Ansied­lung der Psych­ia­trie Unru­he bei den Anrai­nern. Hat sich die Sache inzwi­schen beru­higt?

Stger: Die Unru­he am Anfang war eine poli­tisch moti­vier­te, geziel­te Akti­on von eini­gen weni­gen. Prin­zi­pi­ell gab es nie Schwie­rig­kei­ten. Wir hat­ten Kon­tak­te mit den Anrai­nern, haben ihnen alles erklrt. Und seit vier Mona­ten sind wir vllig pro­blem­frei in Betrieb.

Das Haus war eigent­lich fr Betreu­tes Woh­nen kon­zi­piert. In wel­chen Berei­chen muss­te da umge­plant wer­den? Wur­de der Rck­bau in Rich­tung Betreu­tes Woh­nen bereits mit­be­dacht? Denn das Haus soll ja sei­nem ursprn­gli­chen Zweck zugef­hrt wer­den, wenn die Psych­ia­trie end­gl­tig in das neue Bade­ner Spi­tal ber­sie­delt.

Stger: Es war das Geschick der Archi­tek­ten gefor­dert, bei­des in einem zu planen.Das neue Haus erfllt die funk­tio­nel­len Anfor­de­run­gen einer moder­nen Psych­ia­trie sehr gut.

Sie haben bei der fei­er­li­chen Erff­nung vori­ge Woche von der Fnf-Ster­ne-Qua­litt des Hau­ses gespro­chen. Was genau macht die­se Fnf-Ster­ne-Qua­litt gegen­ber dem Vor­gn­ger Gug­ging eigent­lich aus?

Stger: SGug­ging war bes­tens­falls ein Ein-Stern-Haus. Wir haben hier nur noch Ein- und Zwei­bett­zim­mer. Wir bemh­ten uns um ein ange­neh­mes Raum­kli­ma mit viel Licht und war­men Mate­ria­li­en wie Holz zum Wohlfh­len. In Gug­ging war die Unter­brin­gung in Sechs-Bett-Zim­mern der Stan­dard. Und in Gug­ging gab es eine geschlos­se­ne Ein­rich­tung mit 20 Bet­ten. Die gibt es hier nicht.

Nein? Ist das nicht in gewis­sen Fllen auch not­wen­dig, etwa wenn ein Patient/eine Pati­en­tin unbe­dingt raus mch­te, sich dabei aber selbst gef­hr­den wrde?

Stger: Wir haben die Mglich­keit zur Schlie­ung eines Trak­tes. Das soll aber nur in Not­fl­len pas­sie­ren. Men­schen in beson­de­ren Kri­sen­si­tua­tio­nen bekom­men eine indi­vi­du­el­le Rund-um-die Uhr Betreu­ung.

Ist es schwie­rig, Men­schen fr den Beruf psych­ia­tri­sche Betreu­ung zu inter­es­sie­ren?

Stger: Bei psych­ia­tri­schem Pfle­ge­per­so­nal herrscht aku­ter Man­gel.

Woher kommt Ihr Per­so­nal? Aus Gug­ging?

Stger: Nein. Das Per­so­nal haben wir aus der Regi­on. Die rztIn­nen kom­men zum Gro­te­il aus Wien. Von den 20 rztIn­nen haben wir nur sechs aus Gug­ging ber­nom­men.

Sie selbst haben aber die Psych­ia­trie in Gug­ging gelei­tet. Was fas­zi­niert Sie pers­n­lich an die­sem Beruf?

Stger: Das geht lan­ge zurck. Ich bin seit 20 Jah­ren Psych­ia­ter. Fas­zi­niert hat mich immer, dass man in die­sem Beruf mit Men­schen und ihren Schick­sa­len zu tun hat. Es ist ein schnes, team­ori­en­tier­tes Arbei­ten. Und man kann sehr viel bewe­gen, wir haben aus­ge­zeich­ne­te Behand­lungs­er­fol­ge. Ich kann heu­te sagen, dass wir nichts mehr so machen wie noch vor 10 Jah­ren.

Wo lie­gen denn die Unter­schie­de?

Stger: Einer­seits im medi­ka­ment­sen Bereich: Vie­le Medi­ka­men­te, die wir heu­te ein­set­zen, gab es vor 10 Jah­ren noch gar nicht. Sie haben weni­ger Neben­wir­kung, bes­se­re Lang­zeit­ef­fek­te und wir­ken geziel­ter. Im Bereich der Psy­cho­the­ra­pi­en kom­men vor allem strungs­spe­zi­fi­sche The­ra­pie­me­tho­den zum Ein­satz, die eben­falls viel geziel­ter und rascher wir­ken.

Mit wel­chen drei medi­zi­ni­schen Pro­ble­ma­ti­ken wur­den Sie hier in Baden in den ers­ten Mona­ten am hufigs­ten kon­fron­tiert?

Stger: Mit dem Bereich Angst und Depres­si­on. Mit dem Bereich Psychosen/Schizophrenien. Und auch mit alten Men­schen, die im Zuge von Demenz­er­kran­kun­gen psych­ia­tri­sche Sym­pto­me aus­bil­den, z.B. Wahn­vor­stel­lun­gen.

Wie kom­men denn die Leu­te auf die Psych­ia­trie?

Stger: Der­zeit haben wir nur frei­wil­li­ge Auf­nah­men. Die meis­ten Men­schen kom­men von sich aus, weil sie sich schlecht fhlen, oder even­tu­ell noch auf Druck von Angeh­ri­gen. Im wei­te­ren Aus­bau wird es bei uns auch Ein­wei­sun­gen nach dem Unter­brin­gungs­ge­setz geben. Mit psy­chisch kran­ken Straft­te­rIn­nen und Sucht­pa­ti­en­tIn­nen haben wir hier in Baden nichts zu tun. Fr sie gibt es eige­ne Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen.

Wie alt sind Ihre Pati­en­tIn­nen und wie lan­ge ist eine durch­schnitt­li­che Ver­weil­dau­er?

Stger: Das Durch­schnitts­al­ter ist etwa 40 Jah­re. Wir haben zum Teil sehr jun­ge Pati­en­tIn­nen, denn vie­le psych­ia­tri­sche Erkran­kun­gen begin­nen schon mit 20. Die durch­schnitt­li­che Ver­weil­dau­er ist 14 Tage, deut­lich hher als in einem all­ge­mein­me­di­zi­ni­schen Spi­tal.

Wie finan­ziert sich der Betrieb einer Psych­ia­trie?

Stger: Genau­so wie jedes ande­re Kran­ken­haus, nach dem leis­tungs­ori­en­tier­ten Punk­te-Sys­tem. Der Unter­schied zwi­schen uns und ande­ren Kran­ken­hu­sern ist, dass wir hohen per­so­nel­len Betreu­ungs­be­darf haben, dafr aber weni­ger medi­zi­ni­sche Appa­ra­te.

Gibt es in Badens Psych­ia­trie auch ambu­lan­te Betreu­ung?

Stger: Nein. Das gibt es eigent­lich gene­rell nicht. Wenn jemand zu uns kommt, geht es um die grund­st­zli­che Fra­ge Auf­nah­me oder nicht. Wer nicht auf­ge­nom­men wird, fr den sind die rztIn­nen im nie­der­ge­las­se­nen Bereich zustndig.

Was ist aus Ihrer Sicht noch zu tun, um die immer noch in den Kpfen exis­tie­ren­de Stig­ma­ti­sie­rung des Berei­ches Psych­ia­trie zu besei­ti­gen?

Stger: Dadurch, dass wir hier zu einem all­ge­mei­nen Kran­ken­haus geh­ren, knnen allein schon vie­le Vor­ur­tei­le abge­baut wer­den. Wir rcken sozu­sa­gen nher zu den Men­schen. Gene­rell ist zu sagen, dass geis­ti­ge Krank­hei­ten immer als Gefahr des Kon­troll­ver­lus­tes erlebt wer­den – und das ist die groe Angst der Men­schen. Es ist qua­si eine Urangst, und ich befrch­te, ein gewis­ser Rest an Vor­ur­tei­len wird bestehen blei­ben, trotz aller Bemhun­gen der Ent-Stig­ma­ti­sie­rung. Man will damit eben nichts zu tun haben. Es ist hnlich wie mit alten Men­schen – man schaut ger­ne weg, weil man nicht dar­an erin­nert wer­den will, dass man sel­ber ein­mal alt wird.

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Der Pri­mar in einem der psych­ia­tri­schen Ein­bett-Zim­mer, die mit viel Licht und Holz aus­ge­stat­tet wur­den.


7 Gedanken zu „Psychiatrie: „Nichts ist mehr so wie vor 10 Jahren!“

  1. Zur Fnf Ster­ne-Qua­litt in der Psy­cha­t­rie LK Baden bei Wien mch­te ich hier ein paar eige­ne Erfah­run­gen anbrin­gen.

    Mei­ne Frau ist frei­wil­lig zu ihnen gekom­men weil wir ihre Krank­eit zu Hau­se nicht mehr hand­ha­ben konn­ten. Ihre ers­te Reak­ti­on war Schock.

    Die Pati­en­ten sind den gan­zen Tag fast nur auf sich allei­ne gestellt. Die Wnde sind dre­ckig, die Sitz­ge­le­gen­hei­ten im ffent­li­chen Bereich sind ver­sifft. Das Abend­essen: Brot mit Wurst, jeden Abend. Kein Salat, kein Gem­se. Ich glau­be im Gefng­nis isst man bes­ser.

    Mei­ne Frau ist jetzt seit ber einer Woche dort. Das „5 Ster­ne The­ra­pie­an­ge­bot“ sah fol­gen­der­ma­en aus:
    2*Ergotherapie in 9 Tagen. Ein­mal am Tag eine kur­ze Arzt­vi­si­te und an vier Tagen in der Woche eine Mor­gen­run­de wo alle Pati­en­ten zusam­men­sit­zen und ein Arzt dabei ist.

    Es gibt abschei­nend 2 Psy­cho­the­ra­peu­ten fr die Sta­ti­on aber die sind gera­de bei­de auf Urlaub. Eine ande­re Pati­en­tin mit Bur­nout hat mir berich­tet, dass sie in zwei Wochen eine Stun­de beim Psy­cho­ter­a­peu­ten hat­te.

    Eine Anek­to­de: Mei­ne Frau ist dort und ruft mich an, weil es ihr schlecht geht. Ich rufe dar­auf in der Sta­ti­on an und bit­te, dass jemand zu mei­ner Frau schau­en soll und wer­de abge­wim­melt: ich sol­le mich spter mel­den es ist gera­de Dienst­ber­ga­be, und: „Ihre Frau kann selbst zu uns kom­men wenn sie Hil­fe braucht“. Als ich laut wer­de weil ich bei so viel Gleich­gl­tog­keit ein­fach die Fas­sung ver­lo­ren habe kommt die Ant­wort: „Schrei­en Sie mich nicht an Herr Pich­ler“ – „klack..“ der Hrer wird auf­ge­legt. Danach erfah­re ich von mei­ner Frau: Jemand kommt zu Ihr, erzhlt Ihr dass Ihr Mann am Tele­fon geschrien habe (sehr ntz­li­che Infor­ma­ti­on fr einen Depres­si­ven inmit­ten einem Depres­si­ons­schub) und gibt ihr eine Beru­hi­gungs­ta­blet­te. Kein Gesprch, kein Nach­fra­gen, gar nichts.

    Es sind auf der Sta­ti­on per­ma­nent etwa 5 oder 6 Pfle­ger anwe­send. Ich bin tglich und oft mehr­mals tglch lnge­re Zeit dort. Das Meis­te Per­so­nal sitzt jedes­mal im Per­so­nal­zim­mer unt tratscht oder hlt gera­de Jau­se.

    Ich Stim­me Herrn OA Stger zu, dass die Rum­lich­kei­ten gutes Poten­zi­al bie­ten, das Zmmer mei­ner Frau ist gerumig und schn ein­ge­rich­tet. Aber was ntzt das alles, wenn die pati­en­ten kei­ne Anspra­che haben? Es gibt genug Per­so­nal, aber die­ses beschrnkt sich auf Dienst nach Vor­schrift.

    Nach 9 Tagen kann ich den Anspruch, dass hier schwer­punkt­mig mit Psy­cho­ter­a­pie gear­bei­tet wird NULL best­ti­gen. Das ein­zi­ge was mei­ne Frau bekommt sind Pil­len. Die Dosis aller Medi­ka­men­te wur­de deut­lich erhht. Ich hof­fe irgend­wann beginnt das zu wir­ken.

    Herr Stger, Sie soll­ten ein­mal einen Besuch in Brau­nau machen. Obwohl es dort kei­ne 30 Jah­re Erfah­rung gibt, sind die Pati­en­ten dort um Wel­ten bes­ser auge­ho­ben. Mei­ne Faru hat­te dort mehr­mals tglich Gesprche mit rzten, Pfle­gern oder The­ra­peu­ten. Die Pfle­ger waren offen­sicht­lich gut geschult und ange­lei­tet. Die Pfel­ger waren meist bei den Pati­en­ten und nicht im Per­so­nal­zim­mer um sich selbst zu ver­pfle­gen. Ich will ihnen ihre Kom­pe­tenz und Erfah­rung nicht abspre­chen, aber bit­te machen Sie mehr dar­aus – im Inters­se der Pati­en­ten und der Fami­li­en die dahin­ter ste­hen! BITTE!

  2. Der Kom­men­tar von Herrn Pich­ler sagt wohl vie­les ber den Zustand die­ser Anstalt aus. Die feh­len­de Ant­wort auf den Kom­men­tar wohl auch.
    Herr Pich­ler, besu­chen Sie doch mal die Web­site der KVPM, dort fin­den Sie vie­le Infor­ma­tio­nen dar­ber, wes­halb es in der Psych­ia­trie so ist wie Sie es erle­ben.

  3. Wer auf die Home­page der Psych­ia­trie geht, wird im ers­ten Moment erstaunt sein, was das „viel­fl­ti­ge“ Ange­bot anbe­langt, wel­ches dort angeb­lich ange­bo­ten wird.
    Trau­ma­the­ra­pie, Tanz, Bewe­gung, Sport, Ent­span­nungs­tech­ni­ken, Shi­atsu, Aku­punk­tur, etc.

    Ich war selbst Pati­ent die­ser Anstalt und ken­ne schon jah­re­lang etli­che (sicher mehr als 100) Pati­en­ten.
    Nie­man­den, auch nicht mir, wur­de je irgend­ei­ne die­ser The­ra­pie­for­men ange­bo­ten, aus dem ein­fa­chen Grund weil es sie nicht gibt!
    Das mage­re Ange­bot beschrnkt sich auf Musik­the­ra­pie und Ergo­the­ra­pie (bei­des nur ca. 2 Mal wchent­lich), wobei man bit­ten und bet­teln muss um die­se The­ra­pie und es dann auf den Good­will des Got­tes in Wei ankommt, ob man in den Genuss die­ser kommt, denn nur weni­ge Aus­er­whl­te bekom­men Pri­vi­leg den grau­en, stu­pi­den Kli­nik­all­tag durch Musik- oder Ergo­the­ra­pie auf­hei­tern zu drfen.

    Zur Musik­the­ra­pie kann ich nichts sagen, da ich die­se nie gemacht habe, aber zur Ergo­ther­pie schon. Das lieb­los gestal­te­te Ange­bot sieht schlicht so aus, dass man ein bis zwei Man­da­la anmalt – viel­leicht um kei­ne Reiz­ber­flu­tung zu erlei­den? Oder ein­fach aus dem simp­len Grund, weil einem durch die hohen Dosen an Medi­ka­men­ten zu wel­cher jeder Insas­se zu neh­men gen­tigt wird, sowie­so nichts mehr ande­res mglich ist, als ein paar zag­haf­te Stri­che am Papier zu ver­ewi­gen, da durch die star­ken Neben­wir­kun­gen nichts ande­res mehr zu bewerk­stel­li­gen ist, und man froh sein soll­te, das man nicht zur Gnze vom Ergo­the­ra­pie­stuhl kippt.

    Das Tages­pro­gramm in der Psych­ia­trie sieht so aus, dass es gar kei­nes gibt. Das ein­zi­ge High­light am Tage ist die Visi­te, was sich dann jedoch schnell als Zer­reiss­pro­be her­aus­stellt, beson­ders fr Depres­si­ve und Angst­pa­ti­en­ten. Denn die Visi­te ver­luft nicht dis­kret und einfhl­sam, son­dern man hat das Gef­hl als Affe im Zoo den Besu­chern vor­gef­hrt zu wer­den. Ohne Aus­nah­me waren es jeden Tag mehr als 10 Per­so­nen wel­che jeden ein­zel­nen Pati­en­ten visi­tier­ten. Pri­mar, Oberrz­te, Assis­tenz­rz­te, Pfle­ger, Schwes­tern, Prak­ti­kan­ten, etc.

    Die Visi­te fin­det auch unge­niert am Gang statt, und mit etwas Glck bekommt somit auch die Putz­kraft als Schman­kerl zwi­schen­durch mit wie es um die aktu­el­len Pro­ble­men der Pati­en­ten steht.
    Die Mit­pa­ti­en­ten knnen die „Gesprche“ natrlich auch belau­schen. Auf diver­se ngs­te von Pati­en­ten, wel­che Unbe­ha­gen dabei emp­fin­den ihr See­len­le­ben vor 10 Per­so­nen aus­zu­pa­cken wird abso­lut nicht ein­ge­gan­gen.

    Unter Tags hat man als Pati­ent kei­ne Chan­ce auf Gesprche mit dem Pfle­ge­per­so­nal oder ande­ren Per­so­nen, und man bekommt immer ver­mit­telt, dass man lstig ist und eigent­lich nur strt. Zeit fr die Pati­en­ten nimmt sich kei­ner. Trau­rig aber wahr, denn es ist eigent­lich anzu­neh­men, dass gera­de psy­chisch labi­le Men­schen ger­ne jeman­den zum reden bruch­ten.
    Das Per­so­nal zieht es aber vor, im Schwes­tern-Gemein­schafts­raum zu rau­chen, zu jaus­nen oder zu trat­schen.

    Wenn man mal drin­gend einen Pfle­ger ben­tigt, wes­halb auch immer, ist es kei­ne Sel­ten­heit wenn man mal 30 Minu­ten oder noch lnger war­tet, bis sich wie­der mal einer bequemt sei­ne Pau­se zu been­den und miss­mu­tig ins Schwes­tern­zim­mer kommt.

    Sport­lich bet­ti­gen kann man sich in der Psych­ia­trie lei­der kaum. Es gibt einen Ergo­me­ter, auf dem man radeln kann, wenn man mch­te und wenn man auf­grund des Tablet­ten­kon­sums nicht gera­de wie Elvis enden will.
    Ansons­ten gibt es lei­der kei­ne Fit­ness­ger­te oder Gym­nas­tik­an­ge­bo­te.
    Auf­grund der feh­len­den Infra­struk­tur in der Umge­bung, kann man nicht mal Spa­ziergn­ge oder Jog­gin­grun­den machen.

    Die Zim­mer glei­chen defi­ni­tiv nicht einem 5‑S­ter­ne-Haus, son­dern eher einer her­un­ter­ge­kom­me­nen Jugend­her­ber­ge.
    Die Wnde sind beschmiert und ver­sifft, die Zim­mer lieb­los gestal­tet und kran­ken­haus­mig ein­ge­rich­tet, und die Bade­zim­mer­tren sind alle (!), nicht abschlie­bar.
    Ein unge­nier­tes ffnen der Tr des Pfle­gers oder der Schwes­ter beim Toi­let­ten­ge­schft, oder beim Duschen ist kei­ne Sel­ten­heit.

    Das Essen ist mise­ra­bel und ein­fl­tig, von aus­ge­wo­ge­ner, gesun­der Ern­hrung kei­ne Spur. Die Abend­essen sind hier­bei die schreck­lichs­ten Mahl­zei­ten, denn die­se bestehen aus ein paar Blt­tern Wurst und zwei Schei­ben Brot und das jeden Tag.

    Ein gro­er Man­gel ist die feh­len­de Kli­ma­an­la­ge im Som­mer. Der Ein­bau einer Kli­ma­an­la­ge wur­de nmlich lei­der ver­ges­sen, was dazu fhrt, dass sich die Zim­mer im Hoch­som­mer auf weit mehr als 30 Grad auf­hei­zen, und ein ent­span­nen, schla­fen, etc. somit sel­ten wird.

    Alles in Allem kann ich die Psych­ia­trie abso­lut nicht emp­feh­len!

  4. MEINE Mei­nung:

    Ich war Beglei­te­rin der Angeh­ri­ge mehr­mals besu­chen in die­ser Kli­nik. Die Oberrz­te haben kei­ner­lei Mit­gef­hl, sie reden mit die Pati­en­ten wie mit einem Hund kann man sagen. Mit Angeh­ri­ge reden sie total empa­thie­los. Die Kran­ken­schwes­tern sind eigent­lich nett, aber hel­fen knnen, drfen sie ohne Arzt nicht.

    Auf die Pri­vat­sh­ph­re der Pati­en­ten wird kein Acht gege­ben (zb- war dort ein jun­ges Mdchen, sie hat sehr geweint und man hat mit ihr auf dem Gang gespro­chen – „Mah Frau XY war­um wol­len sie denn Selbst­mord bege­hen das bringt doch nix usw.… – ich hrte das mit mei­nen eige­nen Ohren als ich dort zu Besuch war; war jedoch schon vor paar Mona­ten).

    Ich bin sehr sehr – sehr ent­tuscht ber das Ver­hal­ten der rzte dort. Sie ntzen das „neue“ Gesetz indem sich Pati­en­ten selbst ent­las­sen knnen enorm aus, und das ohne schlech­tes Gewis­sen und ohne Mit­gef­hl. SO wie in „unse­rem“ Fall, wobei der insta­bi­le, ent­schei­dungs­unf­hi­ge, kran­ke Pati­ent am Abend auf die Stras­se ent­las­sen wur­de.

    Der Arzt ver­sprach zwar Hil­fe, ‑des­we­gen wur­de ja der/die Pati­ent zunchst von Poli­zei, – wegen Selbst- u. Fremd­gef­hr­dung hin­ge­bracht. Nach paar Tagen wur­de der/die Pati­ent ent­las­sen, am sel­ben Abend von den Angeh­ri­gen wie­der ins Spi­tal gebracht, da d. Pati­ent sehr gelit­ten hat… Der Arzt ver­prach zuvor am Tele­fon, dass d. Pati­ent blei­ben drfe.

    Doch wur­den die Angeh­ri­ge ein­fach fort­ge­schickt mit dem Rat – man sol­le kei­nen Kon­takt zum Pati­en­ten haben… eine Stun­de spter war der/die Kran­ke auf der Stras­se, seit­dem ist er/sie auf der Stras­se (die Krank­heit: para­no­id schi­zo­phren!!!) „wir“ wis­sen nicht er/sie ist! … soviel zu die­ser Geschich­te.

    Man kann nicht sagen d. Pai­ent sei selbst Schuld, weil als wir im Spi­tal waren, woll­te d. Pati­ent ja blei­ben! Auer­dem ist diese/r Pati­ent sehr krank und nun auf sich allei­ne gestellt.
    Die Ombuds­stel­le des Spi­tals hilft auch gar nichts, ist nur ein Kum­mer­te­le­fon sonst nichts.

    Habe mich beim Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um erkun­digt- dort wur­de mir gesagt , dass lei­der durch die Geset­ze so etwas erlaubt ist: „ich knne mir gar nicht vor­stel­len wie vie­le Demenz­kran­ke sowie Alz­hei­mer­kran­ke sich selbst ent­las­sen – SO dass sie gar nicht mehr wis­sen wo sie woh­nen und so unter­ge­hen und dann tot gefun­den wer­den“ — ganz ehr­lich, wur­de es mir so gesagt!

    Ich kann nur sagen dass das furcht­bar ist und ich fr jeden Kran­ke das Bes­te wnsche, aber als Pri­vat­per­son kann man wirk­lich nie­man­den ret­ten, schon gar nicht wenn man dabei selbst zur Grun­de gehen knn­te.
    Viel­leicht hole ich weit her , aber ich habe lei­der den Ein­druck, als wol­le die Regie­rung SO Kos­ten spa­ren, indem man Kran­ke ein­fach ster­ben las­sen. AUSSER man hat so viel Geld dass man zb ein Alters­heim bezah­len kann.

    War­um wer­den Leu­te – rzte wenn sie gar nicht hel­fen wol­len bzw schon die Nase voll haben von so viel kran­ke Men­schen… unfass­bar. (oder es kann sein dass zu vie­le Kran­ke schon gibt.….)

  5. MEINE Mei­nung:

    Ich war Beglei­te­rin der Angeh­ri­ge mehr­mals besu­chen in die­ser Kli­nik. Die Oberrz­te haben kei­ner­lei Mit­gef­hl, sie reden mit die Pati­en­ten wie mit einem Hund kann man sagen. Mit Angeh­ri­ge reden sie total empa­thie­los. Die Kran­ken­schwes­tern sind eigent­lich nett, aber hel­fen knnen, drfen sie ohne Arzt nicht.

    Auf die Pri­vat­sh­ph­re der Pati­en­ten wird kein Acht gege­ben (zb- war dort ein jun­ges Mdchen, sie hat sehr geweint und man hat mit ihr auf dem Gang gespro­chen – „Mah Frau XY war­um wol­len sie denn Selbst­mord bege­hen das bringt doch nix usw.… – ich hrte das mit mei­nen eige­nen Ohren als ich dort zu Besuch war; war jedoch schon vor paar Mona­ten).

    Ich bin sehr sehr – sehr ent­tuscht ber das Ver­hal­ten der rzte dort. Sie ntzen das „neue“ Gesetz indem sich Pati­en­ten selbst ent­las­sen knnen enorm aus, und das ohne schlech­tes Gewis­sen und ohne Mit­gef­hl. SO wie in „unse­rem“ Fall, wobei der insta­bi­le, ent­schei­dungs­unf­hi­ge, kran­ke Pati­ent am Abend auf die Stras­se ent­las­sen wur­de.

    Der Arzt ver­sprach zwar Hil­fe, ‑des­we­gen wur­de ja der/die Pati­ent zunchst von Poli­zei, – wegen Selbst- u. Fremd­gef­hr­dung hin­ge­bracht. Nach paar Tagen wur­de der/die Pati­ent ent­las­sen, am sel­ben Abend von den Angeh­ri­gen wie­der ins Spi­tal gebracht, da d. Pati­ent sehr gelit­ten hat… Der Arzt ver­prach zuvor am Tele­fon, dass d. Pati­ent blei­ben drfe.

    Doch wur­den die Angeh­ri­ge ein­fach fort­ge­schickt mit dem Rat – man sol­le kei­nen Kon­takt zum Pati­en­ten haben… eine Stun­de spter war der/die Kran­ke auf der Stras­se, seit­dem ist er/sie auf der Stras­se (die Krank­heit: para­no­id schi­zo­phren!!!) „wir“ wis­sen nicht er/sie ist! … soviel zu die­ser Geschich­te.

    Man kann nicht sagen d. Pai­ent sei selbst Schuld, weil als wir im Spi­tal waren, woll­te d. Pati­ent ja blei­ben! Auer­dem ist diese/r Pati­ent sehr krank und nun auf sich allei­ne gestellt.
    Die Ombuds­stel­le des Spi­tals hilft auch gar nichts, ist nur ein Kum­mer­te­le­fon sonst nichts.

    Habe mich beim Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um erkun­digt- dort wur­de mir gesagt , dass lei­der durch die Geset­ze so etwas erlaubt ist: „ich knne mir gar nicht vor­stel­len wie vie­le Demenz­kran­ke sowie Alz­hei­mer­kran­ke sich selbst ent­las­sen – SO dass sie gar nicht mehr wis­sen wo sie woh­nen und so unter­ge­hen und dann tot gefun­den wer­den“ — ganz ehr­lich, wur­de es mir so gesagt!

    Ich kann nur sagen dass das furcht­bar ist und ich fr jeden Kran­ke das Bes­te wnsche, aber als Pri­vat­per­son kann man wirk­lich nie­man­den ret­ten, schon gar nicht wenn man dabei selbst zur Grun­de gehen knn­te.
    Viel­leicht hole ich weit her , aber ich habe lei­der den Ein­druck, als wol­le die Regie­rung SO Kos­ten spa­ren, indem man Kran­ke ein­fach ster­ben las­sen. AUSSER man hat so viel Geld dass man zb ein Alters­heim bezah­len kann.

    War­um wer­den Leu­te – rzte wenn sie gar nicht hel­fen wol­len bzw schon die Nase voll haben von so viel kran­ke Men­schen… unfass­bar. (oder es kann sein dass zu vie­le Kran­ke schon gibt.….)

    ps habe extra so geschrie­ben, dass man nicht weiss ob der Pati­ent mnnl. od weibl. ist

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