Riesen-Interesse für Religions-Diskussion

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von links: DDr. Erna Zis­ser, Dr. Mar­git Leuthold , Vera Tie­fen­gra­ber (Frau­en­viel­falt-Grün­de­rin), Ingrid Lou, Bgm. Chris­toph Prinz, Azra Dobratsch, Eri­ka Adensamer
Gro­ßer Erfolg für die von der Vös­lau­er Grup­pe „Frau­en­viel­falt“ ver­an­stal­te­te Dis­kus­si­on „Frau­en­rol­len in den Reli­gio­nen“. Am Podi­um saßen – als (kri­ti­sche) Ver­tre­te­rin der römisch-katho­li­schen Kir­che DDr. Erna Zis­ser, die evan­ge­li­sche Pfar­re­rin Dr. Mar­git Leuthold, Ingrid Lou von der Bahai-Gemein­de, Rose Pros­zow­ski (kri­ti­sier­te vor allem das ultra-ortho­do­xe Juden­tum) und Azra Dobratsch, Mus­li­min aus Bos­ni­en. Die Dis­kus­si­on wur­de von Badens Bür­ger­meis­te­rin Eri­ka Ade­n­sa­mer mode­riert, die sich zur Ein­lei­tung dar­über freu­te, dass „ein sol­ches The­ma ein der­art über­bor­den­des Inter­es­se hervorruft“.

Die ein­zel­nen Frau­en beleuch­te­ten – man­che mehr, man­che weni­ger kri­tisch – die Rol­le der Frau in ihrer Reli­gi­on. Jede alte Reli­gon kennt For­men der Unter­drü­ckung von Frau­en – und fol­gen­de Aus­sa­ge von DDr. Erna Zis­ser (röm.-kath.) beschreibt wohl das Pro­blem der meis­ten Frau­en in ihren Reli­gio­nen: „Die Rol­le der Frau ist dazu da, dass die Män­ner ihre Rol­le spie­len kön­nen.“ Kri­tisch ange­merkt wur­de auch, dass die Dog­men der Reli­gio­nen zumeist von Män­nern auf­ge­stellt wur­den – und sie sind es auch, die die reli­gi­ons­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen treffen.

Der Wan­del zu moder­nen – auch geschlech­ter­ge­rech­ten – Auf­fas­sun­gen voll­zieht sich nur sehr lang­sam – und geht nur auf lang­sam, und nur im Kampf der Frau­en um mehr Rech­te vor sich – egal, ob im Chris­ten­tum, im Juden­tum oder im Islam. Die jüngs­te aller am Podi­um ver­tre­te­nen Reli­gio­nen – die Bahaìs – kennt sol­che Pro­ble­me etwas weniger.

Die Fra­ge nach den „Gemein­sam­kei­ten für Frau­en in allen Reli­gio­nen“, gestellt von Eri­ka Ade­n­sa­mer, wur­de auch recht unter­schied­lich beant­wor­tet. „Wir sind alle Müt­ter und kön­nen über die Erzie­hung die Hal­tung unse­rer Söh­ne beein­flus­sen“, „die Hemm­schwel­le zu ande­ren über­win­den“ oder „alle schimp­fen über ihre Män­ner“ oder „Frau­en müs­sen in die Bre­sche sprin­gen oder aus­ba­den, wenn die Män­ner was ver­sem­meln“ kamen als Antworten.

In der anschlie­ßen­den Publi­kums­run­de wur­de den­noch „Schön­re­de­rei“ kri­ti­siert. Wor­auf­hin die Podi­ums-Frau­en noch Stel­lung nah­men zu Fra­gen des reli­giö­sen Schei­dungs­rechts, das Frau­en viel­fach immer noch benach­tei­ligt (z.b. geschie­de­ne Frau­en und Män­ner dür­fen in der römisch-katho­li­schen Reli­gi­on kei­ne hohen Ämter bekleiden).

Die Grü­ne Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Dr. Hel­ga Kris­mer stell­te aus dem Publi­kum die Fra­ge nach der Tren­nung von Kir­che und Staat. Die evan­ge­li­sche Pfar­re­rin mein­te, dass im Sin­ne des fried­li­chen Mit­ein­an­ders einer­seits und der unter­schied­li­chen Reli­gi­ons-Auf­fas­sun­gen ande­rer­seits auf die Fest­schrei­bung von „Gott in der Ver­fas­sung“ ver­zich­tet wer­den sollte.

Der Fest­saal im Vös­lau­er Rat­haus war über­voll. Im fol­gen­den eini­ge Bilder

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9 Gedanken zu „Riesen-Interesse für Religions-Diskussion

  1. Als Mit­glied der „Frau­en­viel­falt“ bin ich natür­lich hoch­er­freut über das rege Inter­es­se an die­ser Ver­an­stal­tung. Es gibt doch mehr Men­schen, als ich dach­te, die sich für „Frem­des“ inter­es­sie­ren und sich nicht fürch­ten. Es bleibt zu hof­fen, dass die­ser Geist sich ver­viel­fäl­tigt und für (nicht nur) Bad Vös­lau posi­ti­ve Ver­än­de­run­gen – vor allem im Sin­ne gegen­sei­ti­gen Ver­ständ­nis­ses – bringt. Wir arbei­ten daran.

  2. Ich habe die­sen Abend toll gefun­den end­lich dass, wir uns Men­schen von der Reli­gi­on her ver­stan­den haben. Fr.Azra war die jeni­ge die den Islam per­fekt erzäh­len konn­te. Ich wün­sche allen Men­schen die ihre Reli­gi­on und ihren glau­ben an Gott in ruhe leben kön­nen. Den Frie­de ist für die gan­zen Men­schen auf der Welt bestimmt.

  3. War als Mit­glied der Grup­pe „Frau­en­viel­falt“ eben­falls über­wäl­tigt vom gro­ßen Inter­es­se an unse­rer Ver­an­stal­tung. Dies zeigt, wie groß der Bedarf an Aus­tausch und Dia­log ist. Nur dadurch kann ein fried­li­ches Zusam­men­le­ben in Bad Vös­lau für die Zukunft sicher­ge­stellt wer­den. Ich emp­fin­de unse­re monat­li­chen Tref­fen als unge­mein berei­chernd und freue mich jedes­mal von Neu­em, Frau­en mit unter­schied­lichs­tem kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Hin­ter­grund zu treffen.

  4. Ich bin sehr dar­über erfreut, dass die Ver­an­stal­tung am Mitt­woch im Rat­haus sovie­le Men­schen ange­zo­gen hat. Initia­ti­ve und gro­ßes Enga­ge­ment der Grup­pe „Frau­en­viel­falt“ führ­te dazu, dass sich Ver­tre­te­rin­nen unter­schied­li­cher Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten bereit­fan­den, die eige­ne Posi­ti­on in Nach­bar­schaft zu ande­ren darzustellen.
    Nur wenn die eige­ne Posi­ti­on klar ist, kann der Dia­log beginnen.
    Was mich per­sön­lich gestört hat, ist die Über­be­wer­tung und „Idea­li­sie­rung“ der Frau­en in Reli­gi­on und Gesellschaft.
    Gera­de weil ich für Gleich­stel­lung und Eman­zi­pa­ti­on der Frau­en bin, hal­te ich Äuße­run­gen wie „Wir Frau­en sind alle Müt­ter und erzie­hen die Kin­der, Söh­ne etc…“ nicht mehr für zeit­ge­mäß. Gera­de in Öster­reich ist Mut­ter­schaft für vie­le Frau­en nicht mehr selbst­ver­ständ­lich. Ich habe selbst 3 Töch­ter groß­teils allei­ne erzo­gen und weiß , was Nicht­vor­han­den­sein von posi­ti­ven männ­li­chen Fami­li­en­mit­glie­der bedeu­tet und was es heißt, wenn Män­ner sich selbst aus die­ser Ver­ant­wor­tung ent­las­sen und auch gesell­schaft­lich ent­las­sen werden.
    Frau­en haben durch Mit­tä­te­rin­nen­schaft oft auch Anteil an Gewalt­aus­übun­gen, – auch in Reli­gio­nen- und sei es, dass sie ihre Töch­ter nicht genug schützen.
    Umge­kehrt sind Män­ner lern­fäh­rig, wie die evan­ge­li­sche Pfar­re­rin Dr.Leuthold, bemerkte.
    In der evan­ge­li­schen Kir­che gibt es seit über 25 Jah­ren völ­li­ge Gleich­stel­lung im Amts­ver­ständ­nis der Kir­che. Frau­en kön­nen Pfar­re­rin­nen, Bischö­fin­nen und Lan­des­ku­ra­to­rinn­nen wer­den. Sie reden nicht nur mit, son­dern ent­schei­den mit.
    Die­sen Lern­pro­zess kön­nen wir also den Män­nern zumuten.
    Es gibt Män­ner, die Kin­der im All­tag mit­be­treu­en und Erzie­hungs­ar­beit zumin­dest für eini­ge Zeit übernehmen.
    Die­se Män­ner wer­den durch ein star­res Rol­len­bild, das auch von Frau­en gepflegt wird, über­gan­gen, als Rand­grup­pe abge­wer­tet und nicht als zukünf­ti­ge gesell­schaft­li­che Rea­li­tät wahrgenommen.
    Das Argu­ment: „Das ist nur eine Min­der­heit, das kön­nen sich ja nur weni­ge leis­ten, etc.“
    soll­te in Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten nicht gel­ten dürfen.
    Denn leben nicht gera­de Reli­gio­nen von „unrea­lis­ti­schen“ Visio­nen und Ver­hei­ßun­gen, der Visi­on einer gerech­ten fried­vol­len Welt ohne Unter­schie­de der Klas­sen, Natio­nal­tiä­ten und Geschlechter…
    Frau­en wur­den frü­her unter dem Deck­man­tel des Nicht­zu­mut­ba­ren ihrer Gleich­stel­lungs­rech­te beraubt.
    So argu­men­tier­te man in Öster­reich, als die Fra­ge der Frau­en­or­di­na­ti­on in der evangel.Kirche auf­trat, besorgt folgendermaßen:
    „Es ist doch einer Frau nicht zumut­bar bei minus 15 Grad auf einem win­di­gen Fried­hof eine Beer­di­gung zu halten.“
    Umge­kehrt soll­ten wir Män­nern zumu­ten, mit uns gemein­sam Kin­der zu Gewalt­ver­zicht und Macht­kon­trol­le zu erzie­hen, sei es als Väter, Groß­vä­ter, Päd­ago­gen, usw.,
    trotz viel­leicht schlech­ter Erfah­run­gen in der Vergangenheit.

  5. Die­se Ver­an­stal­tung hat mich sehr inter­es­siert und ich wür­de mich über Fort­set­zung des The­mas freu­en! Als zen­tra­le Aus­sa­ge des Abends habe ich mir „Wis­sen ist Macht – Reli­gi­on unf Tra­di­ti­on nicht in einen Topf wer­fen“ mit nach­hau­se genom­men und mich des­halb bei den Bücher­stän­den (sehr gute Idee!) gleich mit Lese­stoff eingedeckt!

  6. Der Aus­spruch „Müt­ter machen Män­ner“ stört auch mich, da Frau­en, solan­ge sie in patri­ar­cha­li­schen Gesell­schaf­ten leben, gar nicht anders kön­nen, als „Patri­ar­chen“ zu erzie­hen (Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel). Der gesell­schaft­li­che Druck (nicht nur der eige­nen Ehe­män­ner) ist zu groß. Außer­dem fehlt den Frau­en meist die Bil­dung – wie auch in der Dis­kus­si­on angesprochen.

  7. Wenn in mei­ner Arbeit inter­kul­tu­rel­les Den­ken The­ma wird, len­ke ich die Auf­merk­sam­keit der Teil­neh­me­rIn­nen dar­auf, wie Men­schen unter­schied­li­cher Kul­tu­ren im täg­li­chen Leben mit­ein­an­der tun! Situa­tio­nen schaf­fen, wo Men­schen sich dar­über aus­tau­schen kön­nen, sind oft will­kom­men. Neben der Klä­rung von Unter­schied­lich­kei­ten, wird auch Gemein­sa­mes ent­deckt, was Freu­de berei­tet. Dies hat im Bil­dungs­be­reich größ­te Wich­tig­keit. Die Metho­de der Out­door­ak­ti­vi­tä­ten erle­be ich dabei als sehr hilfrei, da Men­schen mit­ein­an­der ins Tun kommen.
    Sehr geehr­te Frau­en­viel­falt, ich bin inter­es­siert, wie der Umgang mit Eige­nem und Frem­den bei ihnen in der Pra­xis gelingt und von Ihnen als Gemein­schaft selbst gelebt, beglei­tet und unter­stützt wird.
    Mit freund­li­chen Grüßen
    Mar­kus Gutmann
    Sozi­al­päd­ago­ge, Trai­ner und Bera­ter nach dem hand­lungs­ori­en­tier­ten Ansatz der IOA. mmgut@aon.at http://www.ioa.at

    Ich bin an Zusam­men­ar­beit und an Aus­tausch zu die­sem The­ma sehr interessiert.
    Mar­kus Gut­mann, Sozi­al­päd­ago­ge, Trai­ner und Bera­ter nach dem hand­lungs­ori­en­tier­ten Kon­zept der IOA.

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