Vom Woll-Fabrikanten zum Post-Partner

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Paul Weni­ger (55) ist Wie­ner Neu­stadts ein­zi­ger Post-Part­ner. Tag fr Tag steht er in sei­nem Tex­til- und Tabak­wa­ren­ge­schft am Flug­feld, das ein­mal das zen­tra­le Woll-Aus­lie­fe­rungs­la­ger fr Nie­ders­terreich Sd war.

Ich bin sehr zufrie­den mit den Bedin­gun­gen, die mir die Post bie­tet, sagt Paul Weni­ger. Seit Mai 2008 ist er offi­zi­el­ler Post-Part­ner. Davor hat­te er hier schon sechs Jah­re lang eine Post­ser­vice-Stel­le betrie­ben. Der Unter­schied? Die Ser­vice-Stel­le hat­te nur ein ein­ge­schrnk­tes Dienst­leis­tungs­an­ge­bot. Ich habe ein monat­li­ches Fixum erhal­ten und die Post-Geschfte neben­her betreut. Das frhe­re rich­ti­ge Post­amt war hier gleich gegen­ber, es ist 2002 geschlos­sen wor­den. Die Ser­vice­stel­le war ein Ver­such. Die Post woll­te ein­mal sehen, wie so etwas in einer Stadt ange­nom­men wird.

Sie wur­de ange­nom­men. Und zwar so gut, dass Weni­ger heu­er im Mai einen neu­en Ver­trag bekam. Jetzt bie­te ich fast alle inln­di­schen Post-Diens­te an. Bald kann man bei mir auch Sparb­cher erff­nen. Er bekommt jetzt kein Fixum mehr, son­dern eine Pro­vi­si­on auf alle Dienst­leis­tun­gen, auf die er natrlich ein­ge­schult wur­de. Jeder Brief, der bei mir abge­stem­pelt wird, lsst mei­ne Kas­sa klin­geln. Der Vor­teil? Ich haue mich jetzt noch mehr ins Zeug. Je mehr Kun­den, des­to bes­ser fr mich. Die Post sei ein fai­rer Part­ner.

Das Geschft in der Wie­land­gas­se 17 gibt es schon 80 Jah­re. Mein Gro­va­ter war Woll-Fabri­kant, er hat die Fabrik gemein­sam mit einem Juden betrie­ben, der in der Nazi-Zeit im KZ ermor­det wur­de. Auch mein Gro­va­ter wur­de denun­ziert, aber er hat es doch geschafft, im Geschft zu blei­ben.

Vor Jahr­zehn­ten war die heu­ti­ge Post­part­ner-Stel­le am Flug­feld das Woll­aus­lie­fe­rungs-Zen­tral­la­ger fr ganz Nie­ders­terreich Sd. Spter dann hat­ten wir die Idee, aus dem Lager ein Ver­kaufs­ge­schft zu machen. Auch Paul Weni­gers Vater hat hier hin­ter dem Laden­tisch gestan­den. Wie es nach mir wei­ter­geht, wei ich nicht, sagt Weni­ger. Aber ich habe ja noch fnf Jah­re und zwei Kin­der!

Dass er jetzt Post-Part­ner ist, ist auch gut fr sein ande­res Geschft. Da gibts eine Wech­sel­wir­kung. Manch­mal kommt wer um ein Packerl Marl­bo­ro, und erle­digt auch einen Post­weg bei mir. Manch­mal gibt jemand einen Brief auf und nimmt ein Packerl Tschik mit.

Im bri­gen ist Paul Weni­ger klar, dass das Post-Manage­ment jetzt auf die 2011 bevor­ste­hen­de Libe­ra­li­sie­rung reagie­ren muss. Wenn das nicht geschieht, steht die Post, die ja immer noch schne Gewin­ne macht, spter ein­mal da wie die AUA und muss ins Aus­land ver­schenkt wer­den. Dass aber in Wie­ner Neu­stadt gleich drei der vier bestehen­den rich­ti­gen Postmter geschlos­sen wer­den knn­ten, glaubt Weni­ger ganz und gar nicht.

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