Alice Schwarzer in Wien

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Am Don­ners­tag, dem 23. April, hielt die deut­sche Femi­nis­tin Ali­ce Schwar­zer ihren ers­ten von drei Vor­trä­gen an der Uni­ver­si­tät für Ange­wand­te Kunst in Wien (Vor­de­re Zoll­amt­stra­ße). Schwar­zer sprach über „Por­no­gra­fie und Kunst“.

Ein­gangs ver­glich sie zwei Aus­stel­lun­gen, die der­zeit gera­de im Wie­ner Muse­ums­quar­tier zu sehen sind: „Por­n­iden­ti­ty“ befasst sich mit der Durch­drin­gung unse­res All­tags mit por­no­gra­fi­schen Botschaften.

Gegen­über sind Wer­ke der Künst­le­rin Maria Lass­nig zu sehen.

Ali­ce Schwar­zer kri­ti­sier­te „Por­n­iden­ti­ty“ als unre­flek­tier­te Anein­an­der­rei­hung von por­no­gra­fi­schen Objek­ten, und ver­miss­te jeg­li­che künst­le­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma. Es sei eine spe­ku­la­ti­ve Aus­stel­lung, die nur mit einem rei­ße­ri­schen Titel Quo­te machen wolle.

Maria Lass­nigs Bil­der sei­en – so Schwar­zer – hin­ge­gen eben­falls Nackt-Dar­stel­lun­gen des weib­li­chen Kör­pers, wür­den aber sei­ne Ernied­ri­gung the­ma­ti­sie­ren. Die­se Aus­stel­lung bezeich­ne­te Schwar­zer als sehr gut.

Por­no­gra­fie sei für Schwar­zer alles, was Sex unter „unglei­chen“ Bedin­gun­gen dar­stel­le, wobei sug­ge­riert wer­de, dass der unter­le­ge­ne Part­ner dabei auch noch Lust emp­fin­de. Die­se Beschrei­bung trifft sicher auf die gro­ße Anzahl der am Markt befind­li­chen Por­no-Fil­me zu. Über­haupt sei der Por­no-Markt inzwi­schen grö­ßer als jener für Waf­fen und Drogen.

Schwar­zer ging auf die rapi­de Ver­brei­tung von Por­no­gra­fie (auch Kin­der­por­no­gra­fie) im Inter­net ein, und auch auf die Prostitution.

Die jah­re­lan­ge Durch­drin­gung unse­rer Köp­fe mit por­no­gra­fi­schen Dar­stel­lun­gen füh­re zu einer Ver­nut­ti­sie­rung der jun­gen Mäd­chen: „Wenn ich heu­te ein Mäd­chen an der Stra­ßen­ecke ste­hen sehe und ich weiß nicht, ob es auf ihren Frei­er oder auf ihren Freund war­tet, dann läuft etwas falsch.“ Im Gegen­zug sei bei den Bur­schen die „Machoi­sie­rung“ aus­ge­prägt. Die­se Ent­wick­lung unter­läuft den Kampf der Femi­nis­tin­nen der 80er-Jah­re um ein gleich­be­stimm­tes Leben für Mann und Frau.

Der Vor­trags­saal in der Ange­wand­ten war bumm­voll, für Spä­ter-Kom­men­de gab es nur noch Steh­plät­ze. Im Anschluss lud Schwar­zer noch zur Dis­kus­si­on ein. Als eine Stu­den­tin die Aus­stel­lung „por­n­iden­ti­ty“ doch ver­tei­dig­te, wol­le sich die Iko­ne des deut­schen Femi­nis­mus und Emma-Her­aus­ge­be­rin aller­dings nicht auf eine wei­ter­füh­ren­de Dis­kus­si­on einlassen.

Die nächs­ten Vor­trä­ge sind am 30. April, von 15 – 17 Uhr – es geht um das The­ma „Mus­li­mIn­nen“, und am 7. Mai, eben­falls von 15 – 17 Uhr – da geht es um Män­ner und Frau­en. Der Ein­tritt ist über­all frei, wer frü­her kommt hat mehr Chan­cen, einen Sitz­platz zu ergattern.

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