Schauspieler verdienen weniger

sab4Sabi­ne Muhar spiel­te unter ande­rem auch bei den legend­ren Schnitz­ler-Tagen in der Vil­la Hahn in Baden und mehr­fach am Bade­ner Stadt­thea­ter.

Die Schau­spie­le­rin Sabi­ne Muhar war mehr­fach fr N Som­mer­thea­ter-Pro­duk­tio­nen enga­giert. Sie ist im Vor­stand der IG Freie Thea­ter, die als einen Arbeits­schwer­punkt die Ver­bes­se­rung der gesetz­li­chen Situa­ti­on von Schau­spie­le­rIn­nen hat.

Die N Som­mer­thea­ter-Pro­du­zen­ten sehen sich mit umfang­rei­chen For­de­run­gen der Gebiets­kran­ken­kas­se kon­fron­tiert. Es gibt einen Auf­schrei der Pro­du­zen­ten. Sind die­se For­de­run­gen wenigs­tens im Sin­ne der Schau­spie­le­rIn­nen?

Sabi­ne Muhar: Sicher nicht. Kein Schau­spie­ler hat etwas davon, wenn ein Pro­du­zent rck­wir­kend Bei­trge nach­zah­len muss. Im Gegen­teil, die­se Dro­hung gef­hr­det nur Arbeits­plt­ze. Das ein­zig Gute an der Situa­ti­on ist, dass die recht­li­che Situa­ti­on jetzt geklrt wer­den muss.

Wie ist ber­haupt die aktu­el­le Geset­zes­la­ge?

Muhar: Laut Schau­spieler­ge­setz sind Schau­spie­le­rIn­nen Ange­stell­te. Sie sind wei­sungs­ge­bun­den und knnen auch kei­nen Ersatz stel­len, also abends mal ein­fach jemand ande­ren ihre Rol­le spie­len las­sen. Aller­dings ist dis­ku­tier­bar, ob fr Som­mer­spie­le die glei­chen Geset­ze gel­ten sol­len wie fr fixe Huser.

Gef­hr­den die For­de­run­gen der Gebiets­kran­ken­kas­se tat­schlich die Exis­tenz des N Som­mer­thea­ters, wie nun behaup­tet wird?

Muhar: Wenn die Rck­zah­lun­gen, wir spre­chen da von meh­re­ren Jah­ren!, tat­schlich ein­ge­for­dert wer­den, kann ich mir das schon vor­stel­len.

Wie konn­te es ber­haupt zu einer so der­art nebu­lo­sen Pra­xis in der Bezah­lung der Schau­spie­le­rIn­nen kom­men?

Muhar: ber­all, wo es nicht genug Geld fr Anstel­lun­gen gibt, wird in die (Schein-)Selbstndigkeit gedrngt. Und weg­ge­schaut, solan­ge es geht. Wenn es einem Pro­du­zen­ten frei steht, ob er sein Ensem­ble anmel­det oder nicht, wird aller Wahr­schein­lich­keit nach fast nie­mand mehr ange­mel­det. Ein Drit­tel aller Beschftig­ten arbei­tet schon in aty­pi­schen Beschfti­gungs­verhlt­nis­sen. Z. B. Jour­na­lis­ten, Uni-Assis­ten­ten, Gra­fi­ker oder ande­re Frei­be­ruf­ler.

Argu­men­tiert wird, dass vie­le Schau­spie­le­rIn­nen ohne­hin Jah­res-Fix-Anstel­lun­gen bei eta­blier­ten Bhnen (z.B. Thea­ter in der Josef­stadt) htten. Die Som­mer­thea­ter-Enga­ge­ments sei­en nur ein Zubrot…

Muhar: Das gilt nur noch fr ganz weni­ge von uns, da es auch an den gro­en Husern immer weni­ger unbe­fris­te­te Dienst­verhlt­nis­se gibt. Die meis­ten von uns wech­seln stndig zwi­schen ange­stell­ter und selbstndi­ger Ttig­keit, zah­len in zwei Ver­si­che­run­gen ein und haben bei vor­ber­ge­hen­der Arbeits­lo­sig­keit trotz­dem kei­nen Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld.

Die Kul­tur­ge­werk­schaft schlgt tage­wei­se Anstel­lun­gen vor. Wre das ein gang­ba­rer Kom­pro­miss?

Muhar: Mei­ner Mei­nung nach ist das rei­ne Augen­aus­wi­sche­rei. Die Pro­du­zen­ten mss­ten das gan­ze Ensem­ble alle paar Tage an- und wie­der abmel­den, haben noch immer hohe Kos­ten. Und die Knst­ler erwirt­schaf­ten damit kei­ner­lei durch­ge­hen­de Ver­si­che­rungs­zei­ten.

Zu den gene­rel­len Lebens­be­din­gun­gen von Schau­spie­le­rIn­nen: Ist es mglich, von der Kunst gut zu leben?

Muhar: Das durch­schnitt­li­che Ein­kom­men der ster­rei­chi­schen Knst­le­rIn­nen liegt laut aktu­el­ler Stu­die des Minis­te­ri­ums fr Bil­dung, Unter­rich­tung und Kunst ein Drit­tel unter dem ster­rei­chi­schen Durch­schnitts­ein­kom­men – bei etwa 1000 Euro pro Monat. Nur ein sehr klei­ner Pro­zent­satz kann von dem Beruf gut leben, im Hin­blick auf sozia­le Absi­che­rung.

Wie kann das Pro­blem nach­hal­tig im Sin­ne von Knst­le­rIn­nen und Pro­du­zen­ten gelst wer­den? Gibt es dazu einen kon­kre­ten Vor­schlag der IG Thea­ter?

Muhar: Selbstndi­ge und unselbstndi­ge Ttig­kei­ten mssen kom­pa­ti­bler gemacht wer­den. Dop­pel- und Mehr­fach­ver­si­che­run­gen soll­ten alle bei einer Ver­si­che­rung zusam­men­flie­en. Wir pro­pa­gie­ren des­halb das Modell des frei­en Betriebs­bros, das als Platt­fom dient, ber die Anmel­dun­gen abge­wi­ckelt wer­den knnen. Wenn der Gesetz­ge­ber ver­langt, dass ange­mel­det wird, muss er auch den Inten­dan­ten die nti­gen Sub­ven­tio­nen (zweck­ge­bun­den) zur Verfgung stel­len. Das Land Nie­ders­terreich pro­fi­tiert ja auch von der hohen Umweg­ren­ta­bi­litt, die sich durch die Som­mer­spie­le ergibt. Es wre auer­dem wich­tig, die bestehen­den, gut arbei­ten­den Som­mer­spie­le erst ein­mal aus der gesetz­li­chen Grau­zo­ne zu fhren, bevor man neue Renom­mier­pro­jek­te star­tet.

Som­mer­thea­ter – Nach­for­de­run­gen der Gebiets­kran­ken­kas­se

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