Die „Halleiner“ waren da

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Ein Stück All­tags­ge­schich­te wur­de am lan­gen Wochen­en­de in Kot­ting­brunn leben­dig. Und wird es viel­leicht nie wieder…


„Die Hal­lei­ner kom­men!“ So titel­te eine Aus­stel­lung in der Kul­tur­sze­ne, die sich den Hal­lei­ner Moto­ren­wer­ken wid­me­te. Die­se Fabrik beschäf­tig­te – am Are­al der heu­ti­gen Bat­ten­feld, die alten Pro­duk­ti­ons­hal­len sind noch in Ver­wen­dung – von 1958 bis 1962 rund 600 Menschen.

„Ich war Schleifer!“

„Ich war Schlei­fer,“ erin­nert sich Anton Pehab (74), „und ich habe damals 480 Schil­ling net­to im Monat ver­dient. Das war ein guter Lohn. Ein Ach­tel Wein kos­te­te damals 50 Gro­schen, ein Gulasch höchs­tens 2 Schil­lin­ge. Und ein Qua­drat­me­ter Bau­grund war um 5 Schil­ling zu haben.“ Anton Pehab war einer von vie­len, die aus Hal­lein nach Kot­ting­brunn zogen, im Jahr 1957, als die Fir­ma hier­her über­sie­del­te. „Als ich in Kot­ting­brunn aus dem Zug stieg, traf mich fast der Schlag,“ erin­nert sich Pehab. „Alles war noch immer vom Krieg her zer­stört. Was tu ich hier, hab ich mich gefragt.“

Dann ist er doch in Kot­ting­brunn geblie­ben, hat hier eine Fami­lie gegrün­det, und sich im Fuß­ball­ver­ein enga­giert. Bis zur Schlie­ßung der Hal­lei­ner Moto­ren­wer­ke im Jahr 1962 war Anton Pehab hier beschäf­tigt. An sei­nen Chef, den Wie­ner Neu­städ­ter Hans Hin­ter­ber­ger, erin­nert er sich nur vage: „Er war nicht oft da. Er woll­te schnel­les Geld machen, und ist sehr gut auf­ge­tre­ten. 1986 hat er sich erschos­sen, man weiß nicht warum.“

Für Qua­li­tät waren die HMW nicht gera­de berühmt. „Das lag auch dar­an, dass wir sehr vie­le ver­schie­de­ne Model­le gebaut haben, Mopeds und moto­ren­ge­trie­be­ne Fahr­rä­der. Die Ersatz­tei­le waren nicht leicht zu bekom­men, dar­un­ter hat unser Image gelitten.“

Ende durch Auto-Boom

Anfang der 1960er-Jah­re begann der Auto-Boom, und die Nach­fra­ge nach Zwei­rä­dern brach ein. 1962 roll­te das letz­te Moped vom Fließ­band. Tei­le des Fabriks-Bestands wur­den auf ein Schiff ver­la­den und soll­ten nach Afri­ka trans­por­tiert wer­den, wo es noch Inter­es­sen­ten gab. Das Schiff samt Fracht ging unter, und die „Hal­lei­ner“ atme­ten auf: „Wenigs­tens hat­ten wir kei­ne Rekla­ma­tio­nen zu fürch­ten“, weiß Pehab noch.

Hans Kow­al­ski (geb. 1955) war ein klei­ner Bub, als die Hal­lei­ner nach Kot­ting­brunn über­sie­del­ten. „Fast alle mei­ner Freun­de waren irgend­wie mit dem Werk ver­ban­delt. Ich erin­ne­re mich noch, dass es Riva­li­tä­ten gab zwi­schen den Kin­dern der Zuzüg­ler, die in Werks­woh­nun­gen unter­ge­bracht waren, und den Ur-Kot­ting­brun­nern, zu denen ich gehö­re. Ich bin nur 50 Meter vom Werk ent­fernt gebo­ren und aufgewachsen.“

Ideen­ge­ber Hans Kowalski

Hans Kow­al­ski hat mit sei­ner Frau Vere­na und etwa einem Dut­zend frei­wil­li­ger Hel­fer von der Kul­tur­sze­ne und Motor­rad-Freun­den die HMW-Aus­stel­lung orga­ni­siert. Die wird wahr­schein­lich in die­ser Form ein abso­lu­tes Uni­kum blei­ben. „Ich woll­te unter ande­rem auch das Lebens­werk von Wal­ter Lan­gen­ha­gen wür­di­gen,“ sagt Kow­al­ski. „Herr Lan­gen­han­gen hat die Rest­be­stän­de des Moto­ren­werks gesam­melt, gehor­tet und dar­aus Fahr­zeu­ge gebaut. Und er hat aus dem Fun­dus von Fir­men­chef Hin­ter­ber­ger auch unzäh­li­ge Fotos von damals.“

Das alles war am Wochen­en­de zu sehen – unter ande­rem 65 fahr­be­rei­te Zwei­rä­der. Höhe­punkt war eine gro­ße Aus­fahrt am Sams­tag, das Tref­fen von 45 ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­tern und der Aus­tausch von unzäh­li­gen leben­di­gen Geschichten.


[mygal=halleiner]

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