„Wir frchten uns nicht!“

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Am 7. Juli wur­de Brger­meis­ter Bern­hard Mller 36 Jah­re alt. Vor ihm liegt ein beson­ders arbeits­rei­ches Jahr – denn im Frhjahr 2010 win­ken Gemein­de­rats­wah­len. Und das in schwe­ren Zei­ten fr die Sozi­al­de­mo­kra­tie… Ein Inter­view zur Lage der SP.

Auch wenn man EU-Wah­len nicht mit der Gemein­de ver­glei­chen kann: Der Stim­men­schwund bei den Sozi­al­de­mo­kra­ten ist zumin­dest als Warn­si­gnal nicht zu ber­se­hen. Oder ist in Wie­ner Neu­stadt noch immer alles palet­ti?

Bern­hard Mller: Ein jedes Wahl­er­geb­nis ist ernst zu neh­men. Und auch wir wer­den die dem­entspre­chen­den Schls­se aus dem Ergeb­nis der EU-Wah­len zie­hen, damit wir bei den nchst­jh­ri­gen Gemein­de­rats­wah­len ein deut­lich bes­se­res Abschnei­den zu ver­zeich­nen haben. Ich bin ber­zeugt davon, dass uns dies gelingt.

Wor­an liegt es – gene­rell betrach­tet -, dass die SP all­ge­mein an Ein­fluss und Bedeu­tung zu ver­lie­ren scheint? In Asyl­fra­gen lsst die SP kla­re Aus­sa­gen ver­mis­sen. Und eben­so bei der Vermgens­steu­er­Um nur zwei Bei­spie­le zu nen­nen.

Mller: Ich bin nicht der Ansicht, dass die SP in den bei­den genann­ten Berei­chen kla­re Ansa­gen ver­mis­sen lsst. Im Gegen­teil: Die SP ist die ein­zi­ge Par­tei ster­reichs, die bei­de The­men intern dis­ku­tiert, um die bes­te Lsun­gen fr das Land zu errei­chen. Und nur zur Erin­ne­rung: Die SP hat vor rund einem hal­ben Jahr eine Natio­nal­rats­wahl klar vor der VP gewon­nen. Lei­der ist es nicht gelun­gen, die­ses Ergeb­nis bei den EU-Wah­len zu wie­der­ho­len.

Der Wie­ner Brger­meis­ter Hupl sag­te krz­lich, die Zahl der SP-Aus­trit­te wrde in etwa der Zahl der Kir­chen­aus­trit­te ent­spre­chen. Wie ist die Situa­ti­on in Wie­ner Neu­stadt? Wie­vie­le Mit­glie­der hat­te die SP 1995 – wie vie­le hat sie heu­te – und in wel­chen Gegen­den gab es den deut­lichs­ten Schwund bzw. Zulauf?

Mller: Die SP Wie­ner Neu­stadt verfgt noch immer ber beacht­li­che 4.000 Mit­glie­der. Aber natrlich neh­men die Par­tei­en­bin­dun­gen gene­rell ab, das gilt auch fr die Par­tei­en in Wie­ner Neu­stadt.

Erb­rigt sich in neo­li­be­ra­len Zei­ten eine Arbei­ter­par­tei wie die SP?

Mller: Wohin neo­li­be­ra­le Poli­tik fhrt, sehen wir momen­tan ja ganz deut­lich anhand der Aus­wir­kun­gen der Finanz- und Wirt­schafts­kri­se. Die Sozi­al­de­mo­kra­tie ist noch immer eine klas­si­sche Arbeit­neh­mer­par­tei, die gefor­dert ist, den Men­schen ein sozia­les Netz zu garan­tie­ren, das sie auch in Extrem­si­tua­tio­nen wie der­zeit auffngt. Der Neo­li­be­ra­lis­mus ist ein Grund­bel, das es zu bekmp­fen gilt.

Die Gewerk­schaf­ten zeig­ten sich in Sozi­al­part­ner-Zei­ten natur­gem nicht sehr kmp­fe­risch. Bekommt die SP dafr nun die Rech­nung?

Mller: Die Gewerk­schaf­ten leis­ten unsch­tz­ba­re Arbeit fr die Arbeit­neh­mer in die­sem Land. Das kann gar nicht oft genug wie­der­holt wer­den. Fr die SP waren Gewerk­schafts­ver­tre­ter immer ein wich­ti­ges Ohr zu den Men­schen und das wird auch in Zukunft so sein.

Die Gestal­tungs­mglich­kei­ten der Gemein­den sind geschrumpft. Dass Wie­ner Neu­stadt kein Geld hat, lsst sich wohl kaum rck­gn­gig machen. Hilft da nur noch ein Wirt­schafts-Zam­pa­no a la Frank Stro­nach?

Mller: Die wirk­sams­te Mglich­keit, den eige­nen Gestal­tungs­raum zu nut­zen, ist eine akti­ve Wirt­schafts- und Betriebs­an­sie­de­lungs­po­li­tik. Die Stadt Wie­ner Neu­stadt hat mit der Grn­dung der Eco Nova hier einen Mei­len­stein gesetzt, der uns noch viel Freu­de berei­ten wird. Durch funk­tio­nie­ren­de Betrie­be mit vie­len Arbeits­plt­zen stei­gen die kom­mu­na­len Ein­nah­men und wer­den Bud­gets auch fr die Zukunft gesi­chert. Ich sage aber auch klar: Ohne eine umfas­sen­de Ver­wal­tungs­re­form, die den Kom­mu­nen wie­der finan­zi­el­le Luft zum Atmen lsst, wird es nicht gehen. Nach dem Mot­to Wer mehr leis­tet, muss mehr krie­gen mssen die Geld­strme des Finanz­aus­gleichs in Rich­tung Gemein­den umge­lenkt wer­den.

Ist die Jugend ber­haupt noch fr Par­tei­po­li­tik zu begeis­tern? Vie­le SP-Par­tei­ver­samm­lun­gen wir­ken wie Pen­sio­nis­ten­clubs.

Mller: Eine Volks­par­tei wie die SP muss sich der Jugend ffnen und ihre Instru­men­te dafr andau­ernd hin­ter­fra­gen. Das ist vllig klar. Wir befin­den uns der­zeit wie­der in einer der­ar­ti­gen Umdenk­pha­se. Ein Nach­wuchs­pro­blem gibt es mit Sicher­heit nicht, aber wir knnen die­sen Sta­tus fr die Zukunft nur hal­ten, wenn wir der Jugend Ange­bo­te ber die klas­si­schen Par­tei­ver­samm­lun­gen hin­aus machen.

Offen­bar ten­die­ren vie­le Jung­wh­ler zu Rechts­par­tei­en. War es rich­tig, dass die SP immer fr ein Wahl­recht fr 16-Jhri­ge war?

Mller: Die SP ist immer dafr ein­ge­tre­ten das Wahl­al­ter zu sen­ken, weil wir es inhalt­lich fr einen wich­ti­gen Schritt hal­ten. Und nicht, weil wir uns dadurch Stim­men­zuwch­se erwar­tet haben. Das wre ja ein ganz schlech­ter poli­ti­scher Stil. Fr uns gilt es jetzt, die Jugend fr unse­re Inhal­te zu begeis­tern, damit die Ergeb­nis­se bei den nchs­ten Wah­len wie­der bes­ser aus­schau­en.

Zuletzt ist auch bei Gemein­de­rats­wah­len die Wahl­be­tei­li­gung stndig gesun­ken: 1995 noch bei 68,7%, 2000 bei 66,8 %, 2005 nur noch 61 %. Was sagt Ihnen das?

Mller: dass die Whle­rIn­nen an der Wich­tig­keit von Wah­len zwei­feln. Dage­gen muss die Poli­tik mit vol­ler Kraft ankmp­fen. Die Wahl­be­tei­li­gung knnen wir nur gemein­sam – ber alle Par­tei­gren­zen hin­weg – anhe­ben. Und zwar, indem wir den Men­schen das Gef­hl geben, dass die Poli­tik fr sie da ist und unermdlich fr sie arbei­tet.

Vor wel­chen poli­ti­schen Mit­be­wer­bern fr die Gemein­de­rats­wahl 2010 frch­ten Sie sich am meis­ten? Alles deu­tet ja auf eine Abwan­de­rung Rich­tung FP hinAber auch die VP kmpft mit poten­ten Mit­teln um Wie­ner Neu­stadt.

Mller: Wir frch­ten uns vor kei­nem der Mit­be­wer­ber. Angst wre ein schlech­ter poli­ti­scher Bera­ter. Wich­tig wird sein, den Men­schen vor Augen zu fhren, was wir als SP in den letz­ten Jahr­zehn­ten und spe­zi­ell in den letz­ten fnf Jah­ren fr Wie­ner Neu­stadt geleis­tet haben. Und das in einer posi­ti­ven, in die Zukunft gerich­te­ten Wahl­kam­pa­gne. Wenn uns das gelingt, dann wer­den wir auch ein gutes Ergeb­nis ein­fah­ren.

In vie­len sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Orts­grup­pen bro­delt es bereits – und es kommt ver­strkt zu Rich­tungs­kmp­fen. Auch in Wie­ner Neu­stadt hrt man ent­spre­chen­de Gerch­te. Frch­ten Sie sich vor Rebel­len aus den eige­nen Rei­hen? Kri­ti­siert wird unter der Hand, dass Sie Ihr eige­nes Impe­ri­um auf­ge­baut htten

Mller: Ich habe von der­ar­ti­gen Gerch­ten noch nichts gehrt. Das Wort Impe­ri­um exis­tiert in mei­nem Amts­verstnd­nis aber ohne­hin nicht. Fr mich gibt es nur eine rich­ti­ge Regie­rungs­form – und das ist die Koali­ti­on mit den Men­schen. Nur auf die­ser Basis kann die Stadt vor­an gebracht wer­den.

Die Gemein­de­rats­wahl 2010 muss erst geschla­gen wer­den. Ab wann wrden Sie das Ergeb­nis der SP als Erfolg, und ab wann als Desas­ter bezeich­nen?

Mller: Ein Jahr vor der Wahl wer­de ich mich an kei­ner­lei Spe­ku­la­tio­nen ber den Wahl­aus­gang betei­li­gen. Ich will den kla­ren Auf­trag der Whle­rIn­nen, die Stadt wei­te­re fnf Jah­re gemein­sam zu gestal­ten. Und ich bin ber­zeugt, die­sen auch zu bekom­men. Eines ist mir aber ganz beson­ders wich­tig: Wir wer­den in Wie­ner Neu­stadt bis zuletzt fr die Bevlke­rung arbei­ten und dann einen kur­zen Wahl­kampf von weni­gen Wochen fhren.

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