3200 Kilometer zu Fu

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3200 Kilo­me­ter zu Fu in 137 Tagen – von Wien nach San­tia­go de Com­pos­te­la in Spa­ni­en. Der Ruck­sack 15 Kilo schwer. Zwei Paar Schu­he durch­ge­wan­dert. 6000 Fotos geknipst. 20 Kilo abge­nom­men. Von 24. April bis 7. Sep­tem­ber ging die 49-jhri­ge Gain­far­ne­rin Pau­la (Pau-Yu) Sunk Fu den Jakobs­weg.

Doch die nack­ten Zah­len und Fak­ten sagen nichts aus dar­ber, was die­se Erfah­rung fr die Frau, die in Tai­wan gebo­ren wur­de und beken­nen­de Bud­dhis­tis­tin ist, bedeu­te­te. Denn: Am Jakobs­weg wur­de sie von der Wan­de­rin zur Pil­ge­rin. Und vor allem: Am Jakobs­weg fand sie ihr Lachen wie­der.

Aus der Kri­se eine Chan­ce gemacht

Pau­la Sunk Fu wur­de Anfang des Jah­res 2009 ein Opfer der Wirt­schafts­kri­se. Als Ange­stell­te eines gro­en Kon­zerns arbei­te­te sie in Wien. Im Zuge der Kri­se lste der Kon­zern sei­nen Stand­ort auf – und Pau­la Sunk Fu hat­te am 8. Jnner ihre Kndi­gung erhal­ten und am 15. Mrz war ihr letz­ter Arbeits­tag. Sie schlit­ter­te in eine Depres­si­on und neig­te immer mehr dem Alko­hol zu. Immer­hin hat­te ich die Fir­ma drei Jah­re lang mit auf­ge­baut, die Arbeit war fr mich immer sehr wich­tig, erzhlt die Frau. Und weil es mit ihr nicht so depres­siv wei­ter­ge­hen soll­te, hat­te Pau­la Sunk Fu eine Idee, auf die sie eigent­lich vie­le Gesprche mit ihrem Ehe­mann Man­fred brach­ten. Der Man­fred hat eigent­lich immer schon davon geschwrmt, ein­mal selbst den Jakobs­weg zu gehen, und wir haben oft dar­ber gespro­chen. Und dann dach­te ich mir – wann soll ich ihn gehen, wenn nicht jetzt?

Habe 3200 Kilo­me­ter Zeit, das Gehen zu ler­nen!

Die Frau, deren Mot­to bis zum Frhjahr Sport ist Mord gelau­tet hat­te, die sich dem Shop­ping, dem Fern­se­hen, dem Com­pu­ter und dem Kochen und Essen ver­schrie­ben hat­te, begann umzu­den­ken.

Sie hat sich nicht ein­mal beson­ders vor­be­rei­tet und nur zwei Wochen vor ihrem Auf­bruch die Wan­der­ausrs­tung gekauft.

Eines war klar: Sie woll­te nicht nur ein Teilstck gehen, son­dern den gan­zen Weg – 3200 Kilo­me­ter von Wien bis Vor­arl­berg, ber Liech­ten­stein, durch die Schweiz, durch Frank­reich, ber die Pyre­nen bis nach San­tia­go in Nord­spa­ni­en. Ich habe vor­her nicht trai­niert, ich hat­te ja 3200 Kilo­me­ter lang Zeit zu trai­nie­ren! sag­te Pau­la Sunk Fu all jenen, die dar­an zwei­fel­ten, dass die Frau die­se Her­aus­for­de­rung schaf­fen wrde. Die Frau hat­te etwas Geld gespart. Sie wuss­te, dass sie whrend ihres Aus­lands­auf­ent­halts kein Arbeits­lo­sen­geld bekom­men wrde.

Am 24. April, 9 Uhr, ging sie in Wien los. Die ers­te und fnf­te Woche wur­de sie noch von ihrem Mann Man­fred beglei­tet. Er half ihr bei Melk ber ihre ers­te Kri­se – dicke Bla­sen an bei­den Fen – hin­weg. Am Ende von ster­reich kehr­te er um, die Arbeit rief…

Und fr Pau­la Sunk Fu begann der Weg der Ein­sam­keit. Mein MP3-Play­er wur­de kaputt, ich ging hun­der­te Kilo­me­ter ganz allein, oft ohne Han­dy-Emp­fang, von Her­ber­ge zu Her­ber­ge. Es gab kei­ne Zei­tung, nir­gends Fern­se­hen. Ich begann zu beten, mur­mel­te bud­dhis­ti­sche Gebe­te, hnlich wie den Rosen­kranz. Das Gehen wur­de immer mehr zu einem In-Mich-Gehen, ich fand mei­ne eige­ne Geschwin­dig­keit. So wur­de aus der Wan­de­rin eine Pil­ge­rin…

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Der Weg ist das Ziel

Ich wur­de von der Wan­de­rin zur Pil­ge­rin!

Ein 3200 Kilo­me­ter lan­ger Weg ist wie ein Leben im Klei­nen. Und wie im rich­ti­gen Leben gab es fr Pau­la Sunk Fu auch in die­sem klei­nen Leben Kri­sen: Hin und wie­der ver­irr­te sie sich, um die Erfah­rung zu machen, dass sie doch immer wie­der auf den rich­ti­gen Weg zurck­fand. Durch eine schmerz­haf­te und ent­stel­len­de Mos­ki­to­all­er­gie wur­de sie in einer Her­ber­ge sogar zur Auen­sei­te­rin gestem­pelt. Ein ander­mal muss­te sie im Frei­en ber­nach­ten, weil die ein­zi­ge Her­ber­ge weit und breit ber­fllt war.

Doch wel­che Kri­se es auch war, und auch wenn ich auf­ge­ben woll­te – immer begeg­ne­te mir ein Engel in Form eines Men­schen und ermun­ter­te mich zum Wei­ter­ge­hen.

Beson­ders jene Frau ist Pau­la Sunk Fu noch in Erin­ne­rung, die ihr ein Bild des Hei­li­gen Jakob schenk­te mit dem Auf­trag: Wenn du in San­tia­go ankommst, dann umar­me die Sta­tue des Hei­li­gen Jakob dort fr mich! Mit Trnen der Rhrung in den Augen erzhlt Pau­la Sunk Fu von die­ser spi­ri­tu­el­len Erfah­rung. Ich bin als Wan­de­rin los­ge­gan­gen und als Pil­ge­rin am Ziel ange­kom­men!

Ihre Rei­se hat die Gain­far­ne­rin inner­lich und uer­lich vern­dert: Sie hat ihre Depres­si­on ber­wun­den und kann wie­der lachen.

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So wur­de die Pil­ge­rin daheim in der Stein­bruch­gas­se emp­fan­gen.

7 Gedanken zu „3200 Kilometer zu Fu

  1. Lie­be Pau­la,
    wir haben uns rie­sig gefreut, im Inter­net von Dir zu erfah­ren, dass Du gut in San­tia­go ange­kom­men bist. Wir hof­fen, Du erin­nerst Dich, in Bourg Argen­tal haben wir uns zum ers­ten Mal getrof­fen, zum letz­ten Mal beim Jakobs­fest in Cahors … Hast Du viel­leicht eine Mail­adres­se, unter der wir „etwas pri­va­ter“ mit Dir kom­mu­ni­zie­ren knnen?
    Lie­be Gre aus Mnchen
    Moni­ka und Rein­hold

  2. Lie­be Pau­la,

    herz­li­che Gra­tu­la­ti­on zu Dei­ner rie­si­gen Leis­tung. Ich bin so froh, dass ich Dich hier im Inter­net „fin­de“, ging ich doch ver­ge­bens auf die Suche nach Dei­ner Adres­se. Ger­ne wrde ich mich nmlich mit Dir aus­tau­schen, vor allem mch­te ich mich bei Dir bedan­ken.

    Bit­te mel­de Dich bei mir.

    Lie­be Grs­se

    Rita Braun­wal­der

    p.s. wir sahen uns in Ein­sie­deln das ers­te­mal, in Flu­e­li Ranf (Bru­der Klaus) lei­der das letz­te mal. Ich pil­ger­te von St.Gallen nach San­tia­go.

  3. Lie­be Moni­ka, Rita & Rein­hold:
    Santiago!!!_Congratulation to You_ Gree­ting from Vien­na.
    Congra­tu­la­ti­on to you all for accom­pli­shing your gre­at pil­grimage from home to San­tia­go de Com­pos­te­la. I am very hap­py to be able accom­pa­ny you part of your Cami­no, and car­ry all of you in my heart for rest of my jour­ney to San­tia­go . I shall hope that Cami­no has bought you a won­der­ful expe­ri­ence to you as to me.

    * Rita, plea­se do send me your e mail address for con­tact. I would be very hap­py to sha­re your gre­at exprience.

    Alles Lie­be

  4. hal­lo Pau­la,
    bin gera­de auf die­se Sei­te gesto­en, freue mich sehr fr dich, dass du gut in San­tia­go ange­kom­men bist. Vie­len Dank fr die Kar­ten.
    Mel­de dich mal, sind gespannt, wie es dir geht.

    Lie­be Gre Sig­rid mit Kat­ja

  5. Hal­lo Pau­la,
    ich bin die Eli­sa­beth aus Wien.
    Bei mir geht es auch nicht mehr wei­ter, ich habe das Gef­hl ich muss mei­ne Sachen packen und ein­fach gehen. Darf ich Dich um Dei­nen Email-Kon­takt bit­ten. Ich htte ein paar Fra­gen betref­fend Wien – San­tia­go de Com­pos­te­la an Dich.
    Herz­li­che Gre aus Wien 21
    Eli­sa­beth

  6. Lie­be Pau­la,
    mit gro­er Freu­de habe ich gele­sen, dass du die­sen wei­ten und stra­pa­zi­sen Weg vor ein paar Jah­ren allei­ne gegan­gen bist. !!!!!!!!!!!!!!! Gra­tu­la­ti­on !!!!!!!!!!!
    Seit eini­ger Zeit tra­ge ich mich ganz ernst­haft mit dem Gedan­ken, die­sen Weg im kom­men­den Jahr auch zu gehen. Und zwar – wie du – von ster­reich aus. Ich lebe in Obers­terreich, nahe der Salz­bur­ger Lan­des­gren­ze.
    Ich bin aller­dings schon 58 und arbei­te als Reli­gi­ons­leh­re­rin – und im kom­men­den Jahr habe ich ein Frei­jahr (Sab­ba­ti­cal). Es wre wun­der­bar, wenn wir uns ein­mal unter­hal­ten knn­ten. Es gibt so vie­les, was ich von dir wis­sen mch­te – z.B. was du wirk­lich mit­ge­nom­men hast und wel­che Schu­he wohl am bes­ten dafr geeig­net sind.
    Bit­te mel­de dich, es wrde mich sehr freu­en! Alles Lie­be …

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