„Endlich kann ich mir das Heizen leisten!“

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von links: Micha­el Schil­ler, Bea­trix Schei­bel­ho­fer und Wolf­gang Haberler

Bea­trix Schei­bel­ho­fer (45) bekam vor zwei Jah­ren eine Gemein­de­woh­nung. Güns­ti­ge Kate­go­rie C. Aller­dings ohne Hei­zung. Die Frau heiz­te also elek­trisch – und bekam eine Strom-Nach­zah­lung von 2000 Euro. Für eine Sozi­al­hil­fe­emp­fän­ge­rin eine Katastrophe…

Der nächs­te Win­ter steht vor der Tür, und die Frau, die von rund 650 Euro im Monat leben muss, stot­tert der­zeit noch die Raten für die alte Strom­rech­nung ab. Die Angst vorm Frie­ren wur­de immer größer.
Haber­ler half
WN-Aktiv-Gemein­de­rat Wolf­gang Haber­ler und sein Sozi­al­re­fe­rent Schil­ler besorg­ten einen Holz- und Koh­le­ofen. Am Mon­tag schlepp­ten sie das 100 Kilo-Gerät in den zwei­ten Stock der Woh­nung nahe vom Lokal Bröt­chen­nest in Wie­ner Neu­stadt. „Jetzt wer­de ich es warm haben – und kann es mir auch leisten!“
Frei­lich: Die am Rücken schwer bedien­te Frau muss sich jetzt aller­dings auch dar­an gewöh­nen, Holz und Koh­le zum Hei­zen aus dem Kel­ler nach oben zu schleppen…
Nur Sub­stan­dard „leist­bar“
Woh­nungs­stadt­rat Wolf­gang Tro­fer kennt die Situa­ti­on der Frau. „Vor zwei Jah­ren war sie glück­lich, rasch eine leist­ba­re Woh­nung bekom­men zu haben,“ sagt Trofer.
Ohne es gut zu hei­ßen, sagt er, dass es der­zeit eben so sei, dass vie­le sich nur „Sub­stan­dard“ leis­ten können.
In Wie­ner Neu­stadt gebe es schät­zungs­wei­se 200 bis 400 Gemein­de­woh­nun­gen ohne Hei­zung. „In Not­fäl­len hel­fen wir natür­lich!“ sagt Trofer.
Bea­trix Schei­bel­ho­fer woll­te sich übri­gens „selbst hel­fen“, um ihre Strom-Raten schnel­ler abstot­tern zu kön­nen – und ging stun­den­wei­se arbei­ten. Als Kell­ne­rin ver­dien­te sie zur Sozi­al­hil­fe 150 Euro dazu, was sie aber laut NÖ Sozi­al­hil­fe­ge­setz nicht „darf“. Der Zuver­dienst wird ihr abgezogen.
Die Sozi­al­hil­fe-Richt­sät­ze
Die aktu­el­len Richt­sät­ze im NÖ Sozialhilfegesetz:
Allein­ste­hen­de: maxi­mal 532 Euro/Monat (14mal jährlich)
Miet­un­ter­stüt­zung: 99.30 EUR (12mal jährlich)
Zuschuss zu den Heiz­kos­ten: 113,50 EUR (5mal in den Wintermonaten)
Die Schwel­le zur Armuts­ge­fähr­dung liegt der­zeit bei 912 Euro. (60% des Medi­an-Pro-Kopf-Haus­halts­ein­kom­mens). 300.000 Men­schen haben unter 600 Euro monatlich.

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