Hauptschulen unter Druck

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Begehr­tes Schild an der Wr. Neustd­ter Euro­pa­schu­le, einer ehe­ma­li­gen Haupt­schu­le. Seit die Schu­le Neue Mit­tel­schu­le (N Modell­schu­le) heit, gibt es einen Schler-Boom

Eltern von Volks­schul­abgn­gern mssen dem­nchst ber den wei­te­ren Bil­dungs­weg ihrer Kin­der ent­schei­den. Sie knnen zwi­schen drei Schul­for­men whlen: Zu Haupt­schu­le und Gym­na­si­um wur­de mit der Neu­en Mit­tel­schu­le ein neu­er Schul­typ ein­gef­hrt. Der Trend dort­hin ist gro. Das bringt die Haupt­schu­len unter Druck.

Htten wir nicht im Vor­jahr die Neue Mit­tel­schu­le eta­bliert, htten wir viel­leicht Pro­ble­me bekom­men, eine ers­te Haupt­schul­klas­se zu fllen, erin­nert sich der Direk­tor der Neu­en Mit­tel­schu­le Lan­zen­kir­chen, Josef Sta­ab, an das Vor­jahr. Seit Sep­tem­ber darf sich sei­ne ehe­ma­li­ge Haupt­schu­le Neue Mit­tel­schu­le nen­nen. Das heit: Die Kin­der wer­den gem ihren Fhig­kei­ten indi­vi­du­ell betreut und nach dem AHS-Sche­ma beno­tet. Ab der 3. Klas­se fin­det dann die Tren­nung statt: Kin­der, die gut ler­nen, wer­den wei­ter AHS-gem beno­tet, die schwche­ren nach Haupt­schul-Sche­ma. Die Eltern und Kin­der sind mit dem neu­en Modell des Ler­nens sehr zufrie­den, sagt Sta­ab. In jedem Haupt­ge­gen­stand unter­rich­ten zwei Leh­rer in einer Klas­se und knnen so auf die indi­vi­du­el­len Fhig­kei­ten der Kin­der gut ein­ge­hen.
Von 30 % mehr Anmel­dun­gen und einem Run auf sei­ne Neue Mit­tel­schu­le spricht auch der Direk­tor der ehe­ma­li­gen Euro­pa-Haupt­schu­le in Wie­ner Neu­stadt, Alfred Wald­herr. Wenn sich der Trend so fort setzt, wird der Platz knapp, sagt er. Einen Auf­nah­me­stopp gibt es aber nicht. Denn gesetz­lich muss jedes Kind, das in die Neue Mit­tel­schu­le will, auch genom­men wer­den. Neben der Euro­pa­schu­le wird eine neue Schu­le gebaut.
Volks­schu­len ent­las­tet
Das neue Modell ent­las­tet die Volks­schu­len, erwar­tet Bezirks­schul­in­spek­tor Wil­li­bald Scha­bau­er (Bezirk Wr. Neu­stadt-Land). In Volks­schu­len htten die Eltern nmlich oft viel Druck aus­gebt, dass ihre Kin­der die 4. Klas­se ohne Drei­er im Zeug­nis abschlie­en, damit sie ohne Auf­nah­me­ver­fah­ren im Gym­na­si­um auf­ge­nom­men wer­den.
Bezirks­schul­in­spek­to­rin Chris­ti­ne Pollak (Wr. Neu­stadt-Stadt). erwar­tet hin­ge­gen eine Ent­las­tung fr ber­lau­fe­ne Gym­na­si­en.
Haupt­schu­len hat­ten nmlich schon vor Einfhrung der Neu­en Mit­tel­schu­le einen schwe­ren Stand, vor allem in dicht besie­del­ten Gegen­den mit gro­em Schul­an­ge­bot. Vie­le Haupt­schu­len ent­wi­ckel­ten des­halb eige­ne inhalt­li­che Schwer­punk­te (z.B. Sport, Spra­chen, Musik oder EDV), um gegen die Abwan­de­rung Rich­tung Gym­na­si­en anzu­kmp­fen. Zum Teil ist dies auch gelun­gen.
Haupt­schu­len unter Druck
Die Einfhrung der Neu­en Mit­tel­schu­le bringt aber vie­le Haupt­schu­len erneut unter Druck. Denn die Neue Mit­tel­schu­le nimmt grund­st­zlich die­sel­ben Kin­der auf wie auch die Haupt­schu­len. Sie hat aber gleich­zei­tig, durch Ver­wen­dung des Begrif­fes Mit­tel­schu­le, ein bes­se­res Image. So will sich auch die Wirt­schafts­haupt­schu­le in Wr. Neu­stadt so bald wie mglich als Neue Mit­tel­schu­le bezeich­nen drfen, denn – so Direk­to­rin Karin Kai­ser: Ein hnli­ches Unter­richts­mo­dell, wie das der Neu­en Mit­tel­schu­le, haben wir bei uns im wesent­li­chen schon seit zehn Jah­ren eta­bliert. Den­noch sind sich an der Wirt­schafts­haupt­schu­le alle einig: Man will sich – wegen des Image-Vor­teils – auch offi­zi­ell Neue Mit­tel­schu­le nen­nen drfen. Aber: Vor­erst wer­den vom Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um kei­ne Neu­en Mit­tel­schu­len mehr bewil­ligt. Und da in den nchs­ten zehn Jah­ren die Schler­zah­len sin­ken (vor allem am Land), wird es wohl zu hrte­ren Ver­tei­lungs­kmp­fen kom­men.
Um fr die­sen Wett­be­werb fit zu sein, plant die Wirt­schafts­haupt­schu­le schon ab kom­men­dem Schul­jahr einen Tech­nik-Schwer­punkt. Direk­to­rin Karin Kai­ser, selbst geprf­te Phy­sik­leh­re­rin, ist ber­zeugt: Gut ist so ein Schwer­punkt auch fr Mdchen. Tech­nik frdert Intel­li­genz!
Grund­st­zlich mssen die Kin­der einer Regi­on die Haupt­schu­le in ihrem Spren­gel besu­chen, fr Neue Mit­tel­schu­len besteht aber auch die Mglich­keit des spren­gel­frem­den Schul­be­su­ches – dafr muss auf der Gemein­de ange­sucht wer­den. Die Gefahr fr die Gemein­den besteht in einer Lee­rung der Haupt­schu­len im Ort – und in wei­te­rer Fol­ge die Gef­hr­dung der Schul­stand­or­te.
So dra­ma­tisch muss es nicht kom­men. Gera­de klei­ne lndli­che Haupt­schu­len sehen fr sich Vor­tei­le – wie z. B. in Lich­ten­egg (114 Schler). Direk­tor Wal­ter Souk­up: Wir lie­gen sehr ver­kehrs­gns­tig und spren daher kei­ne Abwan­de­rung. In der Bevlke­rung ist unse­re pdago­gi­sche Arbeit aner­kannt.
Auch die Haupt­schu­le Win­zen­dorf-Muth­manns­dorf (263 Schler) mit einem Infor­ma­tik-Schwer­punkt fhlt sich gut ange­nom­men und legt gar kei­nen Wert auf die Bezeich­nung Neue Mit­tel­schu­le. Gering rck­lufi­ge Schler­zah­len fhrt Direk­tor Peter Hoff nur auf die Bevlke­rungs­ent­wick­lung zurck.
Sie­ben Mit­tel­schu­len in Stadt und Bezirk Wr. Neu­stadt
In Stadt und Bezirk gibt es sie­ben Stand­or­te von so genann­ten N Mit­tel­schu­len, die im Sep­tem­ber ihren Betrieb auf­ge­nom­men haben: Es sind dies die Haupt­schu­len Bad Erlach, Eben­furth, Felix­dorf, Lan­zen­kir­chen, Frohs­dorf, die Euro­pa-Haupt­schu­le und St. Chris­tia­na in Wie­ner Neu­stadt. Neue Stand­or­te sind der­zeit gesetz­lich nicht mglich.
Dar­ber hin­aus gibt es wie bis­her auch nor­ma­le Haupt­schu­len. Schul-Insi­der ver­mu­ten, dass sich der bestehen­de Bil­dungs-Dschun­gel all­mhlich lich­ten wird – in Rich­tung einer wie auch immer gear­te­ten gemein­sa­men Schu­le aller 6 – 15-Jhri­gen.

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