Prozess gegen Tierrechts-Aktivisten begann am 2. Mrz 2010

SNV19365

Mit den Tierscht­zern soli­da­ri­sier­ten sich im Vor­feld auch Ver­tre­ter der katho­li­schen Kir­chen­ba­sis und der Pal­mers-Erbe

Rie­sen-Medi­en­wir­bel am Diens­tag Vor­mit­tag im Wie­ner Neustd­ter Lan­des­ge­richt. 13 Tierscht­zer mssen sich fr ihre Aktio­nen vor dem Rich­ter ver­ant­wor­ten. Beson­ders umstrit­ten ist die Ankla­ge der Akti­vis­ten nach Para­graf 278a – zur Bekmp­fung kri­mi­nel­ler Orga­ni­sa­tio­nen wie z.B. Men­schen­schlep­pe­rei. Dass die­ser Pro­zess in Wie­ner Neu­stadt, eine Fahr­stun­de ent­fernt von Wien, statt­fin­det, hat im Vor­feld die Tierscht­zer auf­ge­regt.
Da die meis­ten aus Wien kom­men, schlgt sich die wei­te Anfahrt in den Kos­ten nie­der. So rech­net jeder ein­zel­ne ange­klag­te Tierscht­zer mit min­des­tens 50.000 Euros an Ver­tei­di­gungs­kos­ten, die er pers­n­lich bezah­len muss. Wes­halb die Klub­ob­frau der Grnen Nie­ders­terreich, Dr. Made­lei­ne Petro­vic, kri­ti­siert: Den Pro­zess in Wr. Neu­stadt abzu­hal­ten, kommt einer Rechts­ver­wei­ge­rung gleich. Petro­vic will EU-Instan­zen anru­fen.
Was steht nun eigent­lich in die­sem Para­gra­fen 278a, der auch als Anti-Mafia-Para­graf (Bil­dung einer kri­mi­nel­len Orga­ni­sa­ti­on) bekannt wur­de?
Absatz 1 rich­tet sich u.a. gegen schwer­wie­gen­de straf­ba­re Hand­lun­gen. Absatz 2 macht u.a. das Anstre­ben von erheb­li­chem Ein­fluss auf Poli­tik und Wirt­schaft kri­mi­nell ver­d­ch­tig. Absatz 3 rich­tet sich u.a. gegen Einschch­te­rung. Es dro­hen bis zu fnf Jah­re Haft.
Bei dem Pro­zess geht es – man­gels Bewei­sen – nur wenig um straf­ba­re Hand­lun­gen. Von den 13 Ange­klag­ten mssen sich sechs allein wegen dem Para­gra­fen 278 a ver­ant­wor­ten.
Zu dem Ziel, erheb­li­chen Ein­fluss auf Poli­tik und Wirt­schaft aus­ben zu wol­len, beken­nen sich die Tierscht­zer, die unter ande­rem dem Ver­ein gegen Tier­fa­bri­ken (VgT) angeh­ren. Sie wol­len auf die Miss­ach­tung der Tier­rech­te auf­merk­sam machen – zum Teil erfolg­reich: Die Kfig­hal­tung ist in ster­reich schon ver­bo­ten.
Eine zen­tra­le Figur der 13 Ange­klag­ten ist VgT-Chef Mar­tin Bal­luch. Auch ihm kann aber kei­ne Straf­tat vor­ge­wor­fen wer­den. Er wird nur ver­d­ch­tigt, nach auen hin als lega­ler Tier­recht­ler auf­zu­tre­ten, gleich­zei­tig aber mili­tan­te Tier­schutz-Kam­pa­gnen mit­zu­tra­gen.
Was wird auer Para­graf 278a noch ver­han­delt? Sie­ben Ange­klag­ten wer­den auch z.B. Droh-Aktio­nen oder Aktio­nen gegen Mas­sen­tier­hal­tung vor­ge­wor­fen. Klei­der­bau­er-Chef Peter Graf sag­te 2006 im Fal­ter, er habe Droh­brie­fe erhal­ten und sei ter­ro­ri­siert wor­den, um pelz­frei zu wer­den. Aktio­nen gab es auch vor der Klei­der­bau­er-Filia­le in Wr. Neu­stadt.
Der Ver­fas­sungs­schutz hat jah­re­lang die Akti­vit­ten der Tierscht­zer bespit­zelt, auch Unschul­di­ge kamen ins Visier der Ermitt­ler. Die Poli­zei agiert wie der verln­ger­te Arm des poli­ti­schen Geg­ners, kom­men­tiert Mar­tin Bal­luch die Ermitt­lun­gen, die – so Bal­luch – den­noch kaum Straf­tat­bestnde erga­ben. Die meis­ten Ankla­gen muss­ten man­gels Bewei­sen schon fal­len gelas­sen wer­den.
Am Diens­tag erff­ne­te – beglei­tet von Demons­tra­tio­nen vor dem Gericht – Mag. Son­ja Arleth als Rich­te­rin den Pro­zess in Wr. Neu­stadt. Die Fra­ge, die es zu klren gilt: Den Ange­klag­ten muss die Bil­dung einer kri­mi­nel­len Orga­ni­sa­ti­on mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit nach­ge­wie­sen wer­den. Eine punk­tu­el­le Betei­li­gung an ein­zel­nen Straf­ta­ten gen­ge nicht, so die Judi­ka­tur des Obers­ten Gerichts­ho­fes. Alle Ange­klag­ten bekann­ten sich nicht schul­dig. NGOS befrch­ten, dass durch die­sen Pro­zess zivil­ge­sell­schaft­li­ches Enga­ge­ment kri­mi­na­li­siert wer­den knn­te.

Ein Gedanke zu „Prozess gegen Tierrechts-Aktivisten begann am 2. Mrz 2010

  1. „13 Tierscht­zer mssen sich fr ihre Aktio­nen ver­ant­wor­ten“ das klingt so als htten sie etwas ver­bo­te­nes gemacht. Tat­schlich wer­den ihnen Mei­nun­gen und Dis­kus­sio­nen in Foren vor­ge­hal­ten…

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